Archiv der Kategorie 'Das gute, echte Leben'

Ein offenes Briefchen

Werte junge Welt,

zu meinem Gefallen ist Deine Zeitung jeden Tag im Internet lesbar, ganz umsonst. Jedefalls fast. Denn einige Artikel können bekanntlich nur mit einem Onlineabo eingesehen werden. Das ist ja auch irgendwie verständlich, Du mußt halt ein wenig Geld verdienen.
Aber! Wenn nun gerade ein Gespräch über „Protest gegen Hartz-Gesetze und Niedriglöhne“ bezahlt werden muß, dann ist das doch einfach a) saudämlich oder b) sauzynisch und auf jeden Fall c) schnellstens zu korrigieren. Das siehst Du sicher nicht anders.

Kommunismus und Sonnenschein wünscht Dir
Dein Feliks Crull

Link zu besagtem Artikel

Wie aus „nie wieder“ schnell „immer, wenn’s grad paßt“ wurde

Bekanntlich jährt sich heute der Beginn des Zweiten Weltkrieges zum siebzigsten Mal. Bereits seit einigen Wochen strahlen die Fernsehsender „passende“ Dokumentationen aus, deren Inhalt es zum Beispiel ist, Deutsche, die zu dieser Zeit Sommerurlaub machten, berichten zu lassen, wie ihnen dieser ärgerliche Kriegsausbruch bzw. ihre Ahnung von diesem vor diesem die Ferien versaute. Herrje aber auch, warum konnte sich Polen denn nicht im Frühling überfallen lassen? Man weiß es nicht. Jedenfalls ist der 1.9.09 genau der richtige Tag, um sich einerseits vor „damals“ zu gruseln und sich zur „Gnade der späten Geburt“ zu beglückwünschen. Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus also? Es stellte sich nach dem Verschwinden des RealSoz heraus, daß spätestens bei vereinigten Deutschen „nie wieder Krieg“ leider das genaue Gegenteil bedeutet, „nie wieder Faschismus“ wurde zur Formel für die Affirmation demokratischer Menschenzerstörung, -vernichtung. Alles legitim, modern, kapitalistisch und, das muß noch erwähnt sein, kein Quentchen weniger deutsch als der Nationalsozialismus.

Nickel and Dimed

American Wallraff: Barbara Ehrenreich. Zusammenfassung von Nickel and Dimed english oder deutsch.

Als ich noch jung war

TRAUM DES JOURNALISMUS

BILD:

„WIRKLICH GESCHEHEN: MANN BISS HUND
Hannover, 24. 11. 1977

In Salzgitter stritt ein Italiener mit seiner Freundin. Der Dackel verteidigte sein Frauchen – da biß ihn der Italiener ins Ohr und in die Schnauze. Der Dackel winselte; die Nachbarn zeigten den Italiener wegen Tierquälerei an.“

Die Journaille winselte vor Glück; ich zeige sie hiermit wegen Menschenhirnquälerei an.

aus: DER BOTE NR.8. DER MARTIN-GREIF-BOTE. Die politisch-literarische Zeitschrift aus der Martin-Greif-Straße. Herausgeber Heinz Jacobi. Maistrassenpresse. 1978.

Freiburg 3.0

Kürzlich flanierten Rottweiler und ich durch Freiburgs Straßen und Gassen, auf der Suche nach einem Geschäft, das Lady Gagas Pokerface als Schallplatte vorrätig haben würde, als wir in einem baulich bedingten Engpaß unsere Schritte verlangsamen mußten, da ein schlurfendes Studentenpärchen, ausreichend beschrieben mit klein, aber breit, meinte, sich als kaum bewegtes Hindernis verhalten zu müssen. So wurden wir ungewollt Zeugen ihres Gespräches, Inhalt Abendplanung. Er sagte also, zeitlupenartig sich dahinschleppend: „Laß uns Wodka trinken!“ Darauf entgegnete sie übergeschnappt glucksend, als habe er etwas vorgeschlagen, das wirklich richtig krass sei: „Nee, ich muß morgen früh raus, da kann ich’s mir nicht so geben!“ Ein Blick in Rottweilers Gesicht reichte, um anhand seines dreckigen Grinsens wortgenau seine Gedanken bestimmen zu können. Er ist einfach eine Sau.