Archiv der Kategorie 'Dokumente'

Lenin in Japan

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Ernst Schneller: Die Bedrohung der Arbeiterklasse durch die Regierung

Werktätige in Stadt und Land, Männer, Frauen und Jungarbeiter!
Die Kommunistische Partei Deutschlands ruft Euch zur antifaschistischen Aktion auf. Sie will alle Werktätigen zu gemeinsamen Kampfe gegen die Hunger-Politik der Papen-Regierung, gegen den Hitler-Faschismus und gegen die Tributsklaverei vereinigen. Sozialdemokratische Partei- und Gewerkschaftsmitglieder, Eure Führer reden auch von der Einheitsfront, aber sie sind Gegner der antifaschistischen Aktion, weil sie nicht den revolutionären Massenkampf wollen, mit dem allein die Papen-Regierung und der Hitler-Faschismus geschlagen werden kann. Nur die Kommunistische Partei ist die einzige Kraft, die den einheitlichen Kampf aller Werktätigen organisiert. Mächtig wächst unter ihrer Führung die revolutionäre Einheitsfront. Die Bourgeoisie fürchtet diesen Vormarsch, darum hetzt sie gegen die KPD und fordert deren Verbot, um die Arbeiterschaft ihrer einzigen Kampfführung zu berauben. Alle Werktätigen müssen deshalb aktive Kämpfer der antifaschistischen Aktion werden. Jeder muß sich einreihen in die Staffeln des roten Massenselbstschutzes gegen die faschistischen Mordbanden. Werktätige, kämpft gegen Lohn- und Unterstützungsraub, entscheidet Euch für den politischen Massenstreik. Verhindert das geplante Verbot der KPD! Werdet und werbt Mitglieder der Kommunistischen Partei! Ihr habt die Macht in Händen, wenn ihr einig seid zum revolutionären Kampfe! Weg mit der Papen-Regierung! Nieder mit dem Hitler-Faschismus! Darum hinein in die antifaschistische Aktion!

Download der Rede als mp3

Diese Rede hielt der Reichtstagsabgeordnete Ernst Schneller am 9. Mai 1932. Nach dem Reichstagsbrand wurde er verhaftet. Nach langen Jahren in Zuchthaus und KZ, in denen er Widerstandskämpfer blieb, wurde er im Herbst 1944 hingerichtet.

Zum Bildungsstreit

STUDENTENSTREICHE

Maos Studentenstreiche sind noch niemals aufgezeichnet worden; wenn man aber seine Wanderung um den See Tung Ting-hu wieder aufnähme, so könnte man viel Interessantes von alten Leuten erfahren.
Es heißt, daß der junge Mao und sein Freund Siao Yu während ihrer Wanderung so manchen Schabernack getrieben hätten, wie es sich für echte Studenten schließlich gehört.
So brachtem sie einem aufgeblasenen, ungebildeten Großbauern auf seine inständige Bitte folgende Verse über der Tür an:

„Es staunt das Volk: Seht den Kulaken,
Die Spinne, stolz bläht er die Backen!“

Einem vom Fett gedunsenen Gutsbesitzer, der eine ungewöhnlich hohe Meinung von sich hatte, schrieben sie mit den elegantesten, schwer zu entziffernden Schriftzeichen folgende Verse:

„Der dicke Bauch ist mir gegeben,
damit sich jeder sagt im stillen:
Viel leichter ist er zu durchbohren
als zu füllen!“

Was sich dann im Hause des Gutsbesitzers zutrug, als sein studierter Sohn aus fremden Ländern heimkehrte und den Spruch las? Die Inschrift wurde abgewaschen, abgerissen, aufgeweicht, heruntergeschabt. Die Ehefrau schlug den unglückseligen Dickwanst mit den Pantoffeln auf den Kopf. Die Kinder weinten. Die Diener heulten.
Die umwohnenden Armen lachten nur in sich hinein.
Übrigens, vielleicht hat das gar nicht Mao selbst geschrieben, sondern andere Studenten, die auf seinen Spuren wandelten.

aus:
Nikolai Bogdanow: Erzählungen für Kinder über Mao Tse-Tung. Melzer Verlag. Darmstadt. 1972.

Ronald M. Schernikau: Mitleid

Was ist eigentlich Mitleid? Mitleid ist, wenn es jemand anders schlechter geht als mir. Dann habe ich Mitleid.
Stimmt das? Also gut. Jemand anders geht es schlechter als mir. Wer sagt das? Gucken Sie mal mit Ihren Hundeaugen einen jungen Arbeiter an und fragen Sie ihn, wie es ihm geht. Es geht ihm nicht schlecht. Wenn er glauben würde, es ginge ihm schlecht, hätte er sich ja umgebracht. Aber es geht ihm doch schlechter als, sagen wir, einem Studenten (ich). Er kann nicht am Montag morgen bis zehn Uhr schlafen. Kann er nicht. Geht nicht. Also.
Nun hat er sich ja aber noch nicht umgebracht, jedenfalls einige. Vielleicht geht es ihm nur ein bißchen schlecht? So morgens fünf vor zehn und zehn, wenn er an den Studenten denkt, der gerade aufwacht? Oder ist es mehr so eine strukturelle Schlechtigkeit, die sich mal so und mal so zeigt? Es wird so sein. Bloß: Warum hat er sich noch nicht umgebracht? Unserem Mitleid nach zu urteilen, hätte er allen Grund dazu.
Das ist es. Mitleid glaubt, die Welt sei öde und leer, bloß nicht bei mir selber. Im Mitleid ist immer auch ein bißchen Freude über das eigene Verschontsein. Wer dem anderen unterstellt, es ginge ihm dermaßen schlecht, daß die Welt um ihn rum nur noch Hundeaugen machen könne, soll sich dann doch umbringen, stellvertretend. Es ist nämlich anders.
Angenommen, es ließe sich messen, wem es mehr schlecht geht und wem weniger; auf den Krüppel und die Sahel-Zone können wir uns einigen (seien Sie jetzt mal einen Augenblick ruhig, ich bin nämlich schwul und kenne Mitleid). Wenn es also jemandem schlechter geht als einem andern und wir kurz vergessen, daß es dem andern woanders vielleicht dafür schlechter geht, als dem ersten; alle theologischen und statistischen Implikationen beiseite – glauben Sie wirklich, Sie ändern was mit Ihrem Hundeblick?
Wenn Sie einem Leprakranken kurz und aufrichtig die Hand drücken, fällt sie ihm ab. Wenn Sie einem Neger sagen, daß Sie ihn gut verstehen, haut er Ihnen eins in die Fresse. Hierzulande ist das ja alles ein bißchen vornehmer; aber Mitleid jedenfalls ist nur Mitleid. Ihr Schauder auf dem Rücken mag ja für Sie ganz lustig sein, und natürlich ist es besser, einen Tropfen auf einen heißen Stein zu tun, als gar nichts. Aber Sie wissen ja: Diese Besser-als-Sätze sagen nichts. Solange Sie nicht wirklich helfen, solange Sie nicht endlich was tun und solange Sie nicht endlich was für sich tun; solange ist alles sehr nett und menschlich anrührend und so gut gemeint; solange ist es ein Dreck.
Wenn Sie nämlich aufhören Mitleid zu haben, müssen Sie sich überlegen, wo Sie anfangen. Mit Mitleid hupfen Sie mal hier rum und mal da. Mit Mitleid gibt es nämlich viel zu tun. Mit Mitleid ist es nämlich nicht möglich, zu einem Ende zu kommen, also zu einem Anfang. Mitleid macht einzeln. Mitleid macht glücklich. Mitleid entschuldigt alles. Weil es so viel zu tun gibt, kann ich es leider gar nicht schaffen, Pech. Man kann also gar nichts tun, schade.
Jedes Mitleid ist eine Form von Selbstmitleid. Selbstmitleid geschieht, wo jemand nicht handelt. Wo jemand nicht handelt, steht er im Weg. Und Sie, ja Sie da, Sie werden gefälligst nicht im Weg stehn.

aus:
Ronald M. Schernikau: Königin im Dreck. Verbrecher Verlag 2009.

NEU

Neu: In der Kategorie „Dokumente“ stehen nun alle konkret-Artikel, die Greml zur Verfügung stellte, sowie diverse andere Texte, die ich selbst abgetippt habe. Zitate und Textausschnitte finden sich dort nicht!