Elend oder Barbarei (Sozialismus): Die Reaktionen

Nachdem Westerwelle, der sich wohl als moderne Kassandra sehen dürfte, vor der Zerstörung Deutschlands durch sozialistische Dekadenz nach spätrömischer Art gewarnt hatte, war die Empörung groß. Sigmar Gabriel konterte, in Wirklichkeit habe der Außenminister „am Staat gezündelt, indem er überall Steuergeschenke an seine Klientel verteilt“. Die Vize-Regierungssprecherin Sabine Heimbach erklärte in ihrer Funktion als Merkels Bauchrednerpuppe, Westerwelles „Sprachführung“ sei „weniger der Duktus der Kanzlerin“. Auch bei Journalisten kam die Vision vom Niedergang nicht sonderlich gut an. So kritisierte Thorsten Dörting ein „schiefes Geschichtsbild“ und eine „historisch unhaltbare, perfide, aus rein politischem Kalkül betriebene Beleidigung des schwächsten Teils der deutschen Bevölkerung“ – um zur deutschen Bevölkerung zu zählen, braucht es selbstredend einen deutschen Paß. Dörting schlug vor, in Zukunft besser von dekadenten Bankern und Politikern zu reden, schließlich seien es ja die, wenn überhaupt jemand, die ihre Aufgabe, „sich um das Gemeinwohl zu sorgen“, derzeit kaum erfüllten. Jan Fleischhauer, der übrigens ein ziemlich dummes Buch mit dazugehörigem blog zu verantworten hat, sah wenigstens die richtigen Fragen gestellt, bloß falsch beantwortet. Es sei eben richtig, Hartz IV-Empfängern grundsätzlich zu mißtrauen, da diese dazu neigen, ihre Kinder als „eine entscheidende Einnahmequelle“ zu mißbrauchen. Einige weitere, recht ähnliche Reaktionen fasste die FAZ zusammen. Eine Reaktion auf diese Reaktionen ließ sich Westerwelle natürlich nicht nehmen und wiederholte nur den bereits bekannten Blödsinn von wegen „geistiger Sozialismus“. Zudem seien nun Entschuldigungen bei den leistungsbereiten Bürgern fällig.

Man sieht, es geht um die richtige moralische Rechtfertigung für eine Politik, die Deutschland gut tun soll. Westerwelle inszeniert sich als erbittert streitender Pate des Mittelstands, Gabriel gibt den aufrechten Oppositionellen, Merkel läßt ihren „Duktus“ abgrenzen, Fleischhauer will den Armen auf die Finger gucken, Dörting lieber den Reichen und alle zusammen wollen den Erfolg der nationalen Ökonomie und ihres Staates. Da ist immer vorausgesetzt, daß es Armut für viele und Reichtum für wenige gibt. Da Armut und Reichtum nunmal relative Begriffe sind, ist man sich bloß uneins über die genaue Verteilung. Das Wesentliche steht jedoch nicht zur Debatte, nämlich eine Wirtschaftsweise, deren Zweck in der Vermehrung von in Geld gemessenem Reichtum liegt, wozu notwendig die Ausbeutung aller Lohnabhängigen gehört. Man darf sich also nicht täuschen und Westerwelles Kritiker für Menschenfreunde halten, denn das sind sie nicht. Ihnen schweben nur dezent andere Vorstellungen vor, wie Staat und Kapital am besten geholfen ist. Wenn sie Freunde von irgend etwas sind, dann von Geschäft und Gewalt.


3 Antworten auf “Elend oder Barbarei (Sozialismus): Die Reaktionen”


  1. 1 Lyzis Welt 14. Februar 2010 um 15:39 Uhr

    „Das Wesentliche steht jedoch nicht zur Debatte, nämlich eine Wirtschaftsweise, deren Zweck in der Vermehrung von in Geld gemessenem Reichtum liegt, wozu notwendig die Ausbeutung aller Lohnabhängigen gehört. Man darf sich also nicht täuschen und Westerwelles Kritiker für Menschenfreunde halten, denn das sind sie nicht.“

    Echt? Krass!
    Breaking News bei crull!!1

  2. 2 l 14. Februar 2010 um 21:59 Uhr
  1. 1 Zum Hartz-IV Urteil « bikepunk 089 Pingback am 14. Februar 2010 um 14:42 Uhr
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