Archiv für Januar 2010

Von der Allianz der Gedenkenden

Vorab: Die Auseinandersetzung mit Schimon Peres‘ Rede vor dem deutschen Bundestag an dieser Stelle ist mir im Grunde unangenehm. Zu leicht wird eine solche Befassung aus moralischen oder denunziatorischen Gründen mehr oder weniger absichtlich falsch verstanden werden, steht zu vermuten. Dennoch: Es handelt sich zum Teil, aber eben nur zum Teil, um eine Gedenkveranstaltung anläßlich des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz. Würde ausschließlich an die faschistischen Todesfabriken erinnert werden, ich würde kein Wort verlieren. Es soll jedoch mehr gesagt sein, Politisches, die aktuelle Lage betreffend. Zudem wird, in politischer Absicht, Unhaltbares behauptet. Peres sagt,

der Hass der Nazis lässt sich durch reinen „Antisemitismus“ nicht erklären. Der Antisemitismus ist ein abgedroschener Begriff und keine Erklärung für die mörderische, bestialische Begeisterung, die zwanghafte Entschlossenheit des Nazi-Regimes, die Judenheit auszurotten.

So weit, so argumentlos.

Der eigentliche Zweck des Krieges war doch die Erlangung der Macht über Europa und nicht die Begleichung einer historischen Rechnung mit den Juden.

Der Antisemitismus der deutschen Faschisten war so beschaffen, daß der von Peres behauptete Widerspruch nicht existierte: Da die Faschisten die Juden identifiziert hatten als personifizierte Übel jeder Art, war es für sie nur logisch, die Juden auszulöschen, um die führende Stellung Deutschlands in Europa, in der Welt zu erlangen. Anders war das für sie gar nicht denkbar. Die Juden, verantwortlich für Finanzkapital und Bolschewismus, mussten aus dem Weg geräumt werden, damit der Krieg überhaupt sein Ziel erreichen konnte. Anders: Die Vernichtung der Juden war in ihrer Ideologie Bedingung für jeden deutschen Erfolg. Für Peres jedoch und überwältigend viele Andere bleibt die industrielle Massenvernichtung jedoch unbegreiflich und soll auch unbegreiflich bleiben. Das angeblich Unbegreifliche wird Anlaß zu Politik, deren Rechtfertigung in der Differenz und Gegnerschaft zu Auschwitz besteht. Das kann getrost als Instrumentalisierung bezeichnet werden und unterscheidet sich maßgeblich von ehrlicher Trauer und Erinnerungsarbeit.

Anschließend erhält die Rede ihren ganz offensichtlich agitatorischen Charakter. Peres lobt das „neue Deutschland“, dessen Beginn er auf die Regierungszeit Adenauers datiert, und beschwört die andauernde enge Partnerschaft Deutschlands und Israels, die sich heute äußern soll in der Bekämpfung Irans. Da geraten die dort Regierenden schnell zu völlig Irren, „die nicht zurechnungsfähig sind und die nicht die Wahrheit sprechen“ und daher gerne Blut saufen. Deutschland hingegen, genauso wie Israel, kommt in Peres Rede nur vor als Hort der reinen Vernunft, der gottgläubigen Nächstenliebe, der zu nichts auf der Welt bestimmt ist als „um eine bessere Welt zu schaffen, in welcher der Mensch dem Menschen ein Mensch ist“. Die herrschende Moral, die Moral der Herrschenden in Israel wie in Deutschland fragt nicht nach der Beschaffenheit der Realität. Sie teilt ein in gute und böse Staaten, sie will nichts begreifen und verstehen, sie will sich durchgesetzt wissen. Mit diesem Interesse bleibt das Gedenken auf der Strecke. In Wahrheit soll Geschichte gemacht werden.

kind of Religionskritik


via

World Trade Warship

Zugegeben, die Meldung ist nicht mehr taufrisch, aber was soll’s:

Tausende Menschen sind in New York zusammengeströmt, um der Ankunft eines neuen US-Kriegsschiffes beizuwohnen, das unter anderem aus Stahl aus den Ruinen des World Trade Centers gebaut wurde. Die „USS New York“ feuerte symbolisch in Höhe von Ground Zero 21 Salutschüsse ab. Im Bug des Schiffes sind 7,5 Tonnen Stahl aus den Ruinen des WTC verbaut, das durch die Anschläge vom 11. September 2001 zerstört worden war.

Dann wollen wir mal hoffen, daß das symbolisch aufgeladene Kriegsschiff erfolgreich ist beim Rachefeldzug gegen islamische Barbaren und andere Feinde! Denn offensichtlich ist es die größtmögliche Ehrung für die Opfer von 9/11, wenn die USA selbst mit ihrer Kriegsmaschinerie Opfer produziert.

GG 1964

Gotthard Günther: Kybernetik und Dialektik – der Materialismus von Marx und Lenin (pdf)

Ronald M. Schernikau: irene binz

Im Februar veröffentlicht der Rotbuch Verlag, der vor Äonen die „Kleinstadtnovelle“ veröffentlicht hat und aus ökonomischen Erwägungen Schernikaus zweites Buch „die heftige variante des lockerseins. ein festspiel.“ nicht erscheinen lassen wollte (Schernikau bastelte dann 1981 in Eigenproduktion 1000 Stück zusammen), das Werk „irene binz. befragung.“. Dieses wurde bislang, soweit ich weiß, noch nie herausgegeben. Der Text von „irene binz“ sowie von „variante“ findet sich allerdings in „legende“, das unverständlicherweise vergriffen ist, ohne daß eine Nauauflage geplant wäre. Bei ZVAB wird es derzeit genau einmal für außerordentliche 220€ gehandelt. Bei eurobuch ist man allerdings schon mit günstigen 159€ dabei.