Wie eine Demokratin die SS schätzen lernte

Anläßlich des gerade begonnenen Prozesses gegen John Demjanjuk sei hier erinnert an ein schon im Mai veröffentlichtes Stück erlesener Hetze. Verfasserin war Vera Lengsfeld, bekannt als Dame, die mehr zu bieten hat und das Ministerium für Staatssicherheit für die menschenfeindlichere Gestapo hält. Ort der Veröffentlichung: Die Achse des Guten, der Mülleimer des rassistischen Liberalismus neuerer deutscher Art. Man verzeihe die teils seltsame Wortstellung bzw. werfe sie den Achsentrotteln selbst vor:

In der stalinistischen Sowjetunion war der Mann [Demjanjuk; crull] Traktorfahrer. Er hat also die stalinistische Willkür gegenüber der ländlichen Bevölkerung miterlebt. Dann wurde er Soldat. An der Front hat er mitansehen müssen, wie die Soldaten der Roten Armee verheizt wurden. Als er gefangen genommen wurde, wusste er, dass seine Familie daheim verhaftet und in die Lager deportiert werden würde. Nach einem stalinistischen Gesetz war nicht nur der kriegsgefangene Soldat ein Verräter, sondern eben auch seine Familie. Er hat sich dann von den Nazis anwerben lassen und als Aufseher in Vernichtungslagern gearbeitet. Als „Iwan der Schreckliche“ soll er dort unzählige Gräueltaten begangen haben. Die Israelis haben ihn dafür zum Tode verurteilt, nach sieben Jahren Haft wegen Mangel an Beweisen freigelassen. Demjanjuk kehrte nach Amerika zurück. Was bleibt vom Leben, wenn die frühere Existenz von den beiden totalitären Diktaturen so vollständig zerrieben wurde? Nun will ihn die deutsche Justiz und man wird das Gefühl nicht los, sie will ein Exempel statuieren, um von ihrem Versagen bei der juristischen Bewertung der Verbrechen der beiden totalitären Diktaturen des letzten Jahrhunderts abzulenken.

Im Antikommunismus finden sie alle zuverlässig zueinander. Da ist dann selbst ein allen demokratischen Spielregeln entsprechendes Vorgehen gegen einen geschulten Massenumbringer ein Argument gegen die rote Seite des Totalitarismus.


1 Antwort auf “Wie eine Demokratin die SS schätzen lernte”


  1. 1 crull 04. Dezember 2009 um 4:19 Uhr

    Bereits im Mai kam dieses Thema auch auf der Peter Hacks-Seite auf. Großartig und wahr, wie von Hacks zu erwarten, ist das dort zitierte Gedicht. Ebenfalls zu beachten ist das von André Thiele verfasste Minidrama.

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