S wie Schernikau, S wie Spex

Was gehört zur Popkultur? Mindestens alles, worüber in der Spex geschrieben wird, also auch Ronald M. Schernikau. Ein Thomas Hübener erzählt dort aus Matthias Frings‘ Biographie referierend relativ Bekanntes aus Schernikaus Lebenslauf, zählt die ihm bekannten lebenden Kommunisten auf („Kim Jong-il, Dietmar Dath und ein paar andere“) und frönt schlußendlich einem Antikommunismus, wie er gebildeter, einfühlsamer, verlogener und selbstredend poppiger kaum sein könnte. Die Tour geht so: Zuerst stimmt man den Kommunisten (hier: RMS) vordergründig zu, um ihn dann aufgrund seiner Parteilichkeit für die DDR als Kommunisten insgesamt vorzuführen, zu blamieren: „man wurde beim Verlassen des Landes [gemeint ist die BRD; crull] wenigstens nicht erschossen“. Ja dann! Das muß der dumme Schernikau wohl glatt übersehen haben…
Das Zerstörungswerk ist damit noch nicht abgeschlossen, zur Sicherheit muß man „diese lebenssüchtige Diva“ noch anderweitig treffen. Unterstellt wird also „Respekt gegenüber der Verdauungskraft der kapitalistischen Marktwirtschaft“. Gemeint ist eigentlich das Wissen um die Integrationskraft des Kapitalismus, die allerdings nicht als genaue Kenntnis des Feindes begriffen werden darf, sonst käme ja kein Lob für den alltäglichen Horror heraus.
Die Hinrichtung schließt man ab mit einer Gegeneinanderstellung Schernikaus und Jelineks, der Hübener so pointiert wie gemein sinnentstellend das letzte Wort überläßt. „Aber Sie müssen doch an etwas glauben“, wird Schernikau zitiert. Worauf Jelinek antworten darf: „Ja, ich glaube an den Satz: Alle Menschen sind Ratten“. So wurde weder der eine noch die andere verstanden, dafür hervorragend verzerrt dargestellt. Was ist die Popkultur doch für ein niederträchtiges, farbenfroh graues Geschäft!

Alle Zitate aus Spex #323 Nov/Dez 2009

rms