proletarian dictatorship

Ofenschlot weist nach, warum Feliks Crull kein „junger Linksradikaler“ ist:

Man muss das Kind schon beim Namen nennen: Diktatur des Proletariats.


29 Antworten auf “proletarian dictatorship”


  1. 1 crull 13. November 2009 um 19:52 Uhr

    Hier eine Erinnerung an mich: Was zu den Zitaten von Bordiga hinschreiben, Crull. Don‘t forget.

  2. 2 nene 14. November 2009 um 9:42 Uhr

    Die verschiedenen Deutungen des HistoMat haben auch einen gemeinsamen Fehler:

    Ob Planung von Sozialismus oder Durchführung von Revolution, historische Entwicklungsstadien werden prognostiziert, um die AKTUELLEN (durchaus kritikwürdigen) Verhältnisse in ein vorrevolutionäres Betätigungsfeld umzudichten. Angesichts des weltweiten Siegeszugs der kapitalistischen Rechnungsweise soll man sich mit verstorbenen Revolutionären auseinandersetzen – das dient einer Selbstbeweihräucherung, sonst nichts.

    Sich mit dem Arsch an der Wand zu fragen, wie vor einer herbeifantasierten Revolution der Klassenkampf weitergeht, ist einerseits absurd. Andererseits befriedigt das Kaffeesatzlesen von prospektiven „Stadien“, in denen „Kräfteverhältnisse“ eine große Rolle spielen, das Bedürfnis, die übermächtige Herrschaft des Kapitals als niedliches „Hindernis“ zu deuten, indem die siegreiche Eigentumsordnung in einen Vorläufer für das „Durchgangsstadium“ verfabelt wird.

  3. 3 Kohleofen 14. November 2009 um 16:48 Uhr

    Nene, Du wolltest einfach mal was loswerden, ist ja auch okay, dazu sind Blogs da. Aber was genau? In meinem Blog-Eintrag fehlen die Worte »Stadien«, »Kräfteverhältnisse« und »Hindernis«, auch wird keine Revolution »herbeiphantasiert«. Und dass die Auseinandersetzung mit verstorbenen Revolutionären Selbstbeweihräucherung ist – alles klar, wir packen sofort auch den Marx und den Engels in die Mottenkiste.
    Ach, und die Umdichtung der »AKTUELLEN« Verhältnisse in ein vorrevolutionäres Betätigungsfeld: auch lustig. Hast Du schon mal einen Kommunisten erlebt, der, wenn er sich nicht gerade selbstbeweihräuchert, indem er anderen Selbstbeweihräucherung vorwirft (gell?), die aktuellen Verhältnisse NICHT als vorrevolutionäres Betätigungsfeld versteht?! Als was denn sonst? Als endloses Jammertal? Als die beste aller Welten? »Sich mit dem Arsch an der Wand zu fragen, wie vor einer herbeifantasierten Revolution der Klassenkampf weitergeht«, ist genau das, was man so als Kommunist macht. Wobei die Revolution nicht »herbeifantasiert« ist, sondern eben die Lösung, um mal mit dem Arsch weg von der Wand und rauf auf die Tanzfläche zu kommen.
    Ich hatte zweierlei aufgespießt: 1. dass es »unter uns« die weit verbreitete Marotte gibt, einerseits die »übermächtige Herrschaft« des Kapitals zu beschwören (und dabei kann einem ja auch ganz wohlig werden: Wir können ja eh nix tun… »revolutionärer Attentismus« hat das mal jemand sarkastisch genannt); andererseits, in dem umso lauter der Kommunismus herbeigewünscht wird (so sehr, dass allein schon der Gedanke an den Übergang/das Übergangsprogramm eine Verwässerung des Ideals darstellt), tatsächlich eine »Verniedlichung« der Kapitalherrschaft betrieben wird. 2. dass in diesem Spagat die Revolution die große Black Box darstellt, in der im GROSSEN AUGENBLICK alles geregelt sein wird (wie lange dauert denn dieser Augenblick, 24 Stunden? Zehn Tage? Hundert Jahre?). Ich halte es, auch und gerade für den Umgang mit den »aktuellen Verhältnissen« für sinnvoll, sich darüber Rechenschaft abzulegen, wie das Reproduktionsgesetz des Kapitals gebrochen werden kann – dass es die Einführung der Rätedemokratie (Deutschland 1918; jugoslawisches Modell der Arbeiterselbstverwaltung; Volkskommunen in China/50er Jahre) nicht sein kann und auch nicht die bloße Vertreibung der Kapitalisten/Junker-Klasse, sollte klar sein. Aber was dann? Da haben einige orthodoxe Marxisten des 20. Jahrhunderts so manches sehr klar benannt, einer von ihnen war Amadeo Bordiga (der taugt übrigens definitiv nicht zum Personenkult).

  4. 4 nene 14. November 2009 um 18:41 Uhr

    „In meinem Blog-Eintrag fehlen die Worte »Stadien«, »Kräfteverhältnisse« und »Hindernis«, auch wird keine Revolution »herbeiphantasiert«“

    In erster Linie bezog ich mich auf deine Quellen. Bei Bordigas DOKTRIN geht es um „Stadien“, „Übergänge“, „Prozesse“, „Perioden“ und das Nebeneinander von „Sektoren“:

    „Kommen wir nun zur Frage der Stadien der sozialistischen Wirtschaft (besser: der sozialistischen Organisation) und der Unterscheidung zwischen unterer und höherer Stufe des Kommunismus. Um von der Definition von „unbeweglichen“ und daher abstrakten Systemen wegzukommen und um uns auf den Boden der Geschichte zu stellen, nehmen wir die zentrale Aussage unserer Doktrin vorweg: Der Übergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Ökonomie vollzieht sich nicht mit einem Schlag, sondern in einem langen Prozess. Wir müssen also davon ausgehen, dass es für eine ziemlich lange Periode eine Koexistenz von privatwirtschaftlichen und kollektivwirtschaftlichen Sektoren, von kapitalistischen (und vorkapitalistischen) und sozialistischen Bereichen geben kann. Aber wir präzisieren schon jetzt, dass jeder Bereich, jeder Sektor, in dem Waren (einschließlich der menschlichen Arbeitskraft) zirkulieren, ge- und verkauft werden, kapitalistische Ökonomie ist.“ (Bordiga)

    Die Beufungsinstanz „Geschichte“ muss dafür herhalten, dass es eine unvereinbare „Koexistenz“ von kollektiver Planung und Warenwirtschaft existieren soll. Als einziges „Argument“ dafür wird die GESCHWINDIGKEIT einer ökonomischen Umwälzung genannt. Dass der „Übergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Ökonomie sich (…) nicht mit einem Schlag vollzieht“ soll begründen, warum nach dem Kippen der Eigentumsordnung es weiterhin Eigentum geben soll. Ganz offensichtlich scheinen sich B.’s sozialistische Produkte und Planungen mit Privatwirtschaft zu vertragen. Bei dem sind Eigentumsansprüche kein Gegensatz zur kollektiven Planung, solange er meint, dass die Warenzirkulation dem „Übergang“ nützt – vielleicht ist aber dann der „Übergang“ gar keiner, wie bei den Realsozialisten zu studieren war.

  5. 5 Kohleofen 14. November 2009 um 21:58 Uhr

    Schön, dass Du die Quellen gelesen hast (keine Ironie). Aber, ohne in irgendeiner Art eitel erscheinen zu wollen, wäre es nicht angebrachter gewesen, auf mein Anliegen einzugehen? Ich habe ja keinen »Bordiga lesen!«-Eintrag geschrieben, sondern eine a) eine Beobachtung gemacht und b) daraus eine Fragestellung entwickelt, von der ich c) denke, dass die Zitate von B., die ich angeführt habe, etwas zur Lösung beitragen können. Inhaltlich wiederhole ich das alles nicht, man kann’s ja hier und bei mir selbst nachlesen.
    Recht gebe ich Dir, dass das von Dir gebrachte Zitat natürlich im Zusammenhang mit den von mir gebrachten steht. Und ich will mich auch nicht auf die defensive Linie zurückziehen, dass allein über das, was ich gepostet habe, zu sprechen ist.
    Ich gebe Dir weiterhin Recht, dass vieles von dem, was Bordiga schreibt (wobei ein Großteil noch nicht übersetzt ist und eine Reihe von kursierenden Übersetzungen mangelhaft sind, offensichtlich nicht jedoch die, aus denen ich zitiert habe), ein Geschmäckle hat. Etwa dieses Rumreiten auf Doktrinen. Nun ist es aber so, dass, wie jemand mal ganz richtig gesagt hat, eine Erklärung jede Gestalt auf das sie bestimmende Prinzip – ihren Begriff – hin durchsichtig macht. Dieses Durchsichtig-machen meint Bordiga mit »Doktrin«.
    Ansonsten frage ich mich, was Du da alles aus dem hiesigen, doch wirklich sehr unschuldigen Zitat alles rausliest?! Das ist mir zu schablonenhaft, zu gegenstandpunktlerisch (à la … wenn wir das Wort Geschichte hören, ziehen wir unseren Revolver …).
    »Geschichte« ist keine Berufungsinstanz, sondern Bordiga fordert nur ein, sich auf den »Boden der Geschichte«, den realen Tatsachen, der wirklichen Bewegung, den gesellschaftlichen Prozessen, zu stellen. Er wendet sich hier ja gerade von einem abstrahierenden Denken ab, allerdings braucht es, um sich auf dem Boden der Geschichte zu orientieren, eben jene Doktrin – die Kunst des Durchsichtig-machens. So what? Wo ist denn da Dein Problem? Was dann im Zitat kommt, ist einfach durch die geschichtliche Erfahrung gedeckt: Dass die Revolution kein Kladderadatsch ist, sondern ein Prozess; dass es nicht nur Tag X, sondern Tag X+1 gibt. In diesem Zitat steht nix davon, dass er den Sozialismus mit irgendwelchen Hebel planen und er das Geld »sozialistisch« einsetzen will, dass er also auf eine sozialistische Warenproduktion hinaus will. Da steht auch nix von «vertragen«, sondern davon, dass eine Koexistenz von Privat- und Planwirtschaft nach der Revolution (also konkret: nach der Eroberung der Staatsmacht) möglich sein … kann (!), was ganz einfach heißt, dass die Revolution weitergehen muss. Und an dieser Stelle wäre es dann doch ratsam gewesen, direkt auf die Zitate, insbesondere das zweite, einzugehen, das ich gebracht habe.
    So, und zum Abschluss zitiere ich mal den stets sehr realitätsnahen Peter Decker, der sich auch bewusst ist, dass »die Eroberung und Verteidigung der Macht im Land eine leidige, wegen der Reste der alten Gesellschaft und wegen des feindlichen Auslands auch für längere Zeit unvermeidliche Notwendigkeit sein mag.« Rest der alten Gesellschaft … für längere Zeit unvermeidlich … — lass Dir das mal auf der Zunge zergehen.

    (Zitat findet sich bei Neoprene, http://neoprene.blogsport.de/2009/07/06/der-historische-beruf-des-proletariats-verantwortungsbursche/)

  6. 6 nene 15. November 2009 um 0:16 Uhr

    „Dem Reproduktionsgesetz wird sofort die Luft ausgehen, wenn es die Marxsche ›Abteilung II‹ (Produktion von Lebensmitteln) endlich schafft, die ›Abteilung I‹ (Produktion von Produktionsmitteln) knock-out zu schlagen“

    Na gut: Das ist doch bodenloser Unsinn. Da weiß jemand schon von Marx’ Abteilungen der ges. Reproduktion im Kapitalismus und sieht ausgerechnet in der Abhängigkeit von Industriezweigen untereinander (bzw. dem tendenziellen Fall der Profitrate und/oder der Krisenhaftigkeit) einen Hebel. Der Gegensatz dieser beiden Abteilungen (Lebens- und Produktionsmittel) lässt sich doch nicht austragen AUF KOSTEN des Eigentumkommandos, wenn die ganze Konkurrenzveranstaltung WEGEN der Eigentumstitel gemacht wird – Marx weist übrigens haarklein nach, warum den Proleten sowohl die Verteuerung ihrer Lebensmittel alsauch die Verbilligung ihrer Arbeitskraft als „äußere Bedingung“ entgegentreten. Lohnabhängige haben doch gar keine Mittel für ein „knock-out“ und die Abteilungen sind, solange es sie gibt, fest in der Hand von Kapitalisten, ob sie nun Werkzeugmaschinen oder Bananen verkaufen.

  7. 7 Kohleofen 15. November 2009 um 19:44 Uhr

    Richtig lesen, nene, sollte aber schon drin sein.
    Bordiga spricht von einem „despotischen Eingriff“ des ersten sozialistischen Plans. That’s no hebel, my dear.
    Wir befinden uns (nicht real natürlich – sondern auf dieses Zitat Bezug nehmend) bereits im Stadium der Revolution und nicht auf dem Feld der „Übergangsprogramme“ und der „systemüberwindenden Reformen“, die immer den Parlamentarismus und also die Spielregeln der Demokratie voraussetzen. Es geht darum, was das Proletariat zu tun hat, wenn es sich als herrschende Klasse konstituiert. Diese Frage – und das war der Ausgangspunkt meiner Intervention – ist nur für die ein „Luxusproblem“, für die es entweder totale Unterdrückung oder totale Befreiung geben kann.

    DAS ist der Hintergrund (noch mal Bordiga, aus seinem „Dialog mit Stalin“, alles weitere steht bei www.alter-maulwurf.de):
    „Um 1919 haben wir uns mit Lenin (und Stalin) bis zur Erschöpfung darum bemüht, den harten Schädeln der Sozialdemokraten und Anarchisten einzutrichtern, dass die Produktionsmittel nicht an einem Tag und per Handstreich erobert werden können und dass gerade deswegen – und nur deswegen – der Terror, die Diktatur notwendig ist. Und heute [1952] sollen neue Lehrbücher der politischen Ökonomie veröffentlicht werden, damit das Unding akzeptiert wird, dass alle Produkte schlagartig an dem Tag ihren Warencharakter verlieren, an dem ein zum Kreml aufgestiegener Funktionär irgendeinem Stalin die Verordnung zur Unterschrift vorlegt, die das letzte Huhn des letzten Mitglieds des letzten Kolchos enteignet.“

  8. 8 nene 16. November 2009 um 0:45 Uhr

    „was das Proletariat zu tun hat, wenn es sich als herrschende Klasse konstituiert“

    Ob Luxus oder nicht, BEVOR man sich visionär und zukunftsstrategisch eine herrschende Arbeiterschaft ausdenkt, sollte man vielleicht einmal auf die real-existierende Bezug nehmen. Das Schwelgen in künftigen Möglichkeiten von proletarischer Organisation ist sogar etwas blind angesichts gegenwärtiger Aussichten:

    Die Figuren, die in der Wirklichkeit arbeiten gehen und Bild-Zeitung lesen, wollen nicht einmal etwas an ihrer Situation ändern, geschweige denn die herrschenden Verhältnisse stürzen oder als Arbeiter selbst Herrschaft ausüben. Wenn die aber was ganz anderes wollen als deinen Sozialismus, muss man denen erst einmal ihre Bereitschaft zur Unterwerfung ausreden.

    Deinen Gegenstand gibt es nur hypothetisch, daher die historischen Beispiele, das wirkliche, das lebende Proletariat bräuchte keine Ratschläge für sozialistische Politik, sondern Kritik und Argumente gegen seine Loyalität.

  9. 9 lyzis welt 17. November 2009 um 2:40 Uhr

    Ofenschlot erschießen (aus Prinzip)!

  10. 10 crull 04. Dezember 2009 um 6:19 Uhr

    @ nene: Wenn man was am kapitalistischen Hier und Jetzt auszusetzen hat und daher eine Kritik entwickelt, die man anderen erklärt in der Absicht, sobald wie möglich Schluß zu machen mit der bürgerlichen Gesellschaft, dann ist mit dieser Kritik gleichzeitig immer etwas gesagt über das Ziel, das man erreichen will. Wäre das anders, dann hätte man ja keine Kritik! Dann ginge es nicht anders, für immer und ewig stillzustehen. Weil „Geschichte“ allerdings von ihren Subjekten gemacht wird, ist das natürlich nicht so: Die Kritik weist den Weg. Wenn du nun sagst, die Kritik soll ausgesprochen werden, von dem Prozeß ihrer Verwirklichung und ihrem Ziel aber nicht, und wenn doch, dann nur in allerengsten Grenzen, dann ist das nicht gerade logisch, meine ich. Das ist doch alles andere als ein Aufruf, frei herumzuspinnen.

  11. 11 Neoprene 04. Dezember 2009 um 10:22 Uhr

    Die Crux deiner schönen Antwort, crull, (Wo er Recht hat, hat er Recht, wie ich immer zu sagen pflege) liegt doch im „etwas“, was man mit seiner Kritik an dem Jetzt über das angestrebte „Ziel“ sagt. Insofern ist mir dein „Die Kritik weist den Weg“ auch zu eindeutig, als wenn schon alles entscheiden wäre, wenn man mit seiner zudem ja erstmal auch nur theoretischen und noch nicht praktischen Kritik anfängt.

    Den Rest unterschreibe ich, es ist eine zumindest unlogische Eigentümlichkeit (und ich befürchte, daß da auch noch mehr dahinter verborgen ist, kann das nur noch nicht auf den Punkt bringen), den Prozeß der Kritik am bestehenden Kapitalismus abzuschotten vom Prozeß der Verwirklichung der Kritik in Aktion, der tatsächlichen Kritik, der Versuche „das Ziel“ zu erreichen.
    Das ist zwar alles andere als ein Aufruf, frei herumzuspinnen, aber manche „spinnen“ dann doch: Hermann Lueer hat jetzt einen Text zum Thema „Eine andere Welt ist möglich!“ vorgelegt (http://neoprene.blogsport.de/images/LueerEine_bessere_Welt_ist_mglich.pdf), in der er sich positiv auf Christian Siefke einläßt:
    „In Anlehnung an die Erfolge der so genannten Peer-Produktion (Linux, Wikipedia etc.) wurde von Christian Siefkes die Fragestellung, wie sich der Entscheidungsprozess bezüglich der zu produzierenden Güter und Dienstleistungen ohne Privateigentum
    und Markt organisieren lässt, wie sichergestellt werden kann, dass in einer auf Gemeineigentum basierenden Gesellschaftsform die notwendigen Aufgaben erledigt werden und wie im Hinblick auf die Aufteilung der Produktionsergebnisse eine zufriedenstellende Kopplung zwischen Nehmen und Geben erreicht werden kann, umfassend analysiert und beantwortet.“ Siefkes „Beitragen statt tauschen“ kann man übrigens im Netz nachlesen: http://peerconomy.org/wiki/Deutsch
    Ich gebe in diesem Zusammenhang gleich zu, daß ich dieses Peer-Zeugs bisher weder „umfassend analysiert“ habe noch so richtig belastbare eigene Antworten habe. Rein vom alten leninistischen Gefühl her traue ich solch anarchistischen Modellen aber nicht über den Weg (Es paßt(?), daß C. Siefke zu diesem Thema einen Workshop beim Berliner anarchistischen Osterkongreß 2009 gehalten hat, der prompt auf die Liste der „verrücktesten“ Themen des Kongreßes in der bürgerlichen Presse geschafft hat.)

  12. 12 gnah 04. Dezember 2009 um 12:26 Uhr

    auf die Liste der „verrücktesten“ Themen des Kongreßes in der bürgerlichen Presse geschafft hat

    Das ist absolut nichtssagend. Die bürgerliche Presse hält spätestens seit 1989 alle Kommunisten für verrückt.

  13. 13 Neoprene 04. Dezember 2009 um 13:01 Uhr

    „Die 9 absurdesten Seminare auf dem Anarcho-Kongress

    * „Hausbesetzung – wie geht das“?
    * „Autonome Rauschposition“
    * „Die 5-Stunden-Woche“
    * „Anarchie und Sex“
    * „Anarchismus und Revolte“
    * „Eine anarchistisch organisierte Vereinssatzung“
    * „Beitragen statt Tauschen“
    * „Unsichtbares Theater“
    * „Anti Wahl Kampagne“ “
    aus http://de.indymedia.org/2009/04/246713.shtml

    Ich habe also nur die bürgerliche Zuschreibung als verrückt bezeichnet, was meine eigene Auffassung zu den in der BZ aufgeführten Workschops ist, steht auf einem anderen Blatt.

  14. 14 gnah 04. Dezember 2009 um 13:38 Uhr

    ja, aber ich frage mich, was das für ein beitrag ist zur charakterisierung der ausführungen siefkes: wohl kein geeigneter.

  15. 15 Neoprene 04. Dezember 2009 um 13:50 Uhr

    Liebes gnah, wie wäre es denn eigentlich, wenn du als Vorbild für mich und die anderen Schluris, die es bisher an „geeigneten“ Charakterisierungen in der Tat stark haben fehlen lassen, selber einfach was hinschreibst, oder wenigstens einen link anbietest, wo was zu finden ist, was du für weiterführend hältst? Vielleicht bist du ja auch einer von den Leuten, die ein Peer-Economy Primus unter uns Pares sind?

  16. 16 gnah 04. Dezember 2009 um 14:02 Uhr

    nein. denn ich habe mir selber auch noch kein urteil gebildet. daher verlinke ich nichts, mutmaße nicht und biete auch nicht das geschreibsel von bürgerlichen pressefuzzis zur orientierung an.

  17. 17 Neoprene 04. Dezember 2009 um 14:41 Uhr

    nochmal, gnah, wie kommst du denn darauf, daß ich „geschreibsel von bürgerlichen pressefuzzis“ ausgerechnet als Orientierung angeboten habe? Ich habe amüsiert darauf hingewiesen, ich habe mir das doch nicht zu eigen gemacht (wie du schon am nun wirklich bewußt eingefügten Fragezeichen hättest erkennen können, ich bin kein Freund von emoticons).
    Inhaltlich schon mal vorab, ich sehe nicht, wie ohne eine Gesamtplanung, die die unterschiedlichen angemeldeten Bedürfnisse integriert und umsetzt, ein Versorgungswesen funktionieren sollte, das auf der elektronischen Variante des Tauschboards im Supermarkt funktionieren soll. Wie sollen denn z.B. die Leute zusammenfinden, die einen neuen Doppeldeckerbus für ihren Innenstadtverkehr mit Elektromotor haben wollen und dafür „was“ an Arbeit und Vorprodukten zu liefern bereit wären, wenn es doch eh kein Privateigentum an Produktionsmitteln und Rohstoffen gibt?

  18. 18 gnah 04. Dezember 2009 um 14:59 Uhr

    du hast geschrieben:

    Rein vom alten leninistischen Gefühl her traue ich solch anarchistischen Modellen aber nicht über den Weg (Es paßt(?), daß

    1. du hast keine ahnung, was siefkes schreibst, traust dem aber lieber vorab schon mal nicht – aufgrund eines „gefühls“
    2. findest es passend – wohl zu deiner vorstellung von „anarchistischen modellen“ (wo steht eigentlich, dass siefkes anarchist ist?) – dass auch die bürgerliche presse etwas „skeptisch“ ist. das fragezeigen ist auch zu pflichschuldigst, natürlich will man sich als kommunist nicht zur gänze auf die seite der hauptberuflichen hetzer stellen.

    wenn du das nicht ausdrücken wolltest, ist ja gut. nur wundern musst du dich über diese rezeption auch nicht. man kann es so lesen, und dafür ist nicht der rezipient alleine verantwortlich.

    zu dem, was du jetzt schreibst in fragen planung: immerhin wirst du jetzt inhaltlich. gut.

  19. 19 gnah 04. Dezember 2009 um 15:02 Uhr

    ich würde – das ist aber SPEKULATIV – vermuten wollen, dass siefkes mit seinem „anarchistischen modell“ sehr nahe dran ist am ML-markt“sozialismus“. ist aber nur ein „leninistisches gefühl“.

  20. 20 gnah 04. Dezember 2009 um 15:13 Uhr

    spekulation war falsch! auf jeden fall nicht ganz richtig.

    was mir noch nicht klar ist, ist der stellenwert und was man von diesem komischen umrechnungsmodell halten kann. also diese „gewichtungen“. das ist auch der grund für meine spekulation …

  21. 21 Neoprene 04. Dezember 2009 um 15:15 Uhr

    1. Ein bißchen von Siefke habe ich schon gelesen. „Gefühl“ soll ausdrücken, daß meine Ablehnung noch recht unbegründet und deshalb auch nicht entschieden ist.
    2. Wenn ich das Peer-Economy-Konzept als anarchistisch bezeichnet habe, dann nicht als Vorwurf, sondern nur als Einordnung. Ich nehme an, das Christian Siefkes auf die scharfe Gewissenfrage, ob er denn auch ein echter Anarchist sei, genauso nonchalant antworten würde (oder vielleicht sogar beim anarchistischen Kongreß geantwortet hat) wie Amelie Lanier (eine GegenStandpunkt-Frau), die keine Probleme damit hatte, sowas zu bejahen.

    Und mal wieder schon zu sehen, wie schnell du hier dabei sind, gleich die Schrotflinte „Hetzer“ vorzuholen. Das trägt wahrscheinlich ungemein zur Bildung des Wir-Gefühls bei „euch“ bei, whoever that may be (zumeist darf ich mir sowas von den tumbesten GSP-Fanatikern anhören, wo du zu verorten bist, weiß ich mangels Kenntnis nicht).

  22. 22 gnah 04. Dezember 2009 um 15:37 Uhr

    ein „wir“ gibt es nicht.

    ICH habe dich kritisiert und zwar zurecht. du lehnst etwas unbegründet ab, wie du nun selber schreibst:

    „Gefühl“ soll ausdrücken, daß meine Ablehnung noch recht unbegründet und deshalb auch nicht entschieden ist.

    das „noch nicht entschieden“ ist ein widerspruch zur feststellung, dass du bereits ablehnst („meine ablehnung“), basierend auf einem gefühl (!).
    zur untermauerung deines gefühls diente dir dann der verweis auf bürgerliche hetzer (=journalisten): die denken das auch!

  23. 23 gnah 04. Dezember 2009 um 15:40 Uhr

    was ist denn ein „echter anarchist“?

  24. 24 crull 04. Dezember 2009 um 16:37 Uhr

    @ Neoprene:
    „Die Crux deiner schönen Antwort, crull, (Wo er Recht hat, hat er Recht, wie ich immer zu sagen pflege) liegt doch im „etwas“, was man mit seiner Kritik an dem Jetzt über das angestrebte „Ziel“ sagt. Insofern ist mir dein „Die Kritik weist den Weg“ auch zu eindeutig, als wenn schon alles entscheiden wäre, wenn man mit seiner zudem ja erstmal auch nur theoretischen und noch nicht praktischen Kritik anfängt.“

    Wenn das so rüberkommt, liegt das an einer mangelhaften Genauigkeit meiner Antwort. Ich wollte keineswegs darauf hinaus, daß durch die Kritik allein sämtliches zukünftiges Handeln mehr oder weniger klar wäre, aber die Richtung, wo’s hingehen soll, die kennt man ja doch. Nun war mein Punkt also der, daß ein Wanderer, der an einem Wegweiser steht, sich doch Gedanken über die vor ihm liegende Wegstrecke machen wird, sich eine hoffentlich passende Ausrüstung mitnehmen wird und geeignetes Schuhwerk tragen wird, weil er sonst rücksichtslos sich selbst gegenüber und schlichtweg blauäugig handeln würde. Warum Kommunisten sich nun absichtlich verbieten, über ihr selbstredend noch im Nebel liegendes Handeln nachzudenken, ist geradezu ein Rätsel. Denn niemand verlangt einen fertig ausgearbeiteten 5-Jahresplan für gleich nach der Revolution. Übrigens geht das alles nun nicht bloß gegen den GSP (auch wenn der in diesem Zusammenhang derzeit wohl am meisten einstecken muß), das kenne ich auch aus ganz anderen Ecken. Und weiterhin stimmen ja die Worte des Genossen Lenin:
    „Konkrete politische Aufgaben muß man in einer konkreten Situation stellen.“
    Mit der Denkarbeit aber frühestens in so einer konkreten Situation beginnen zu wollen, auch noch ungeachtet aller bisherigen revolutionären und postrevolutionären Geschehnisse, das grenzt an Albernheit.

    Zu Lueer kann ich noch nichts sagen, beide Texte las ich noch nicht. Siefke kommt mir halbwegs bekannt vor, aber mehr als hier nun steht, wusste ich auch nicht.

  25. 25 crull 04. Dezember 2009 um 18:08 Uhr

    gnah schrieb: „ein „wir“ gibt es nicht.“
    Das ist ein wichtiger Hinweis, denn wer in blogs kommentiert, tut das ja nicht als Gruppen- bzw. Organisationsmitglied, sondern als an Diskussion interessierter Einzelner. Eine Zuordnung bzw. den Versuch, eine zu unternehmen, halte ich für kontraproduktiv und nicht angemessen. Wer bestimmte Positionen zuordnen kann, soll das gerne tun, aber das bitte für sich behalten. Denn einen Erkenntnisgewinn hat das wirklich nicht, es dient höchstens dem Aufbau von Fronten und schadet einer inhaltlichen Auseinandersetzung.

  26. 26 Neoprene 04. Dezember 2009 um 19:05 Uhr

    Ja, crull, daß war blöd, diesen „Hetzer“-Typ gleich in mir da gleich einfallende Schublade zu tun, besonders blöd, als ich selber ja regelmäßig dann auch dein Argument bringe.

    Nun inhaltlich zu deinem „Ich wollte keineswegs darauf hinaus, daß durch die Kritik allein sämtliches zukünftiges Handeln mehr oder weniger klar wäre, aber die Richtung, wo’s hingehen soll, die kennt man ja doch.“
    Ja und nein: Schon die Richtung, in die diverse Kommunisten wollen, ist unter denen umstritten und dies schon historisch. Insofern kennt „man“ ja auch, worum jetzt wieder zu streiten wäre, denn das sind ja die gleichen Sachen, über die auch früher schon gestritten wurde. Z.B. in der frühen Sowjetunion über den Stellwert einer zentral angeschobenen Planwirtschaft, den Aufbau von Industrien, die Rolle des Geldes dabei usw.

    Es stimmt, niemand, jedenfalls erst mal ich „verlangt einen fertig ausgearbeiteten 5-Jahresplan für gleich nach der Revolution“, nicht mal vom GegenStandpunkt. Wenn aber aus dieser Ecke ein sorgsam produziertes Statement kommt, nämlich das neue China-Buch von Renate Dillmann, bei dem man ja wohl davon ausgehen darf, daß die persönlich zeichnende Autorin wenigstens entscheidende programmatische Abschnitte auch mit Redakteuren der Zeitschrift durchgesprochen hat und man deshalb wohl nicht falsch liegt, wenn man diese „persönlichen“ Ausführungen als auch von der „Organisation“ als geteilte ansieht, dann kann man doch an der Kritik der Politik der KPChinas schon ne Menge ablesen, was die GSPler befürwortet hätten bzw. zukünftig machen wollten, wenn man sie denn ließe. Konkreter wird es sicherlich nicht, als es in diesem Buch vorgetragen wurde.

  27. 27 gnah 04. Dezember 2009 um 19:48 Uhr

    diesen „Hetzer“-Typ

    was ist ein hetzer-typ? ich habe bürgerliche journalisten als „hauptberufliche hetzer“ bezeichnet – und bin jetzt ein bestimmter typ?

  28. 28 crull 06. Dezember 2009 um 1:44 Uhr

    @ Neoprene: Eigentlich habe ich umständlich nur was ganz banales gesagt/sagen wollen: Kommunisten wollen Kommunismus. Klar, daß sich da vieles beträchtlich unterscheidet, je nach Strömung, Partei, Flügel, Gruppe und so weiter.
    Zu Dillmanns Buch möchte ich mich noch nicht definitiv äußern, da ich noch nicht durch bin, allerdings ist es auch da tatsächlich so, daß an der Kritik die eigenen (also mindestens Dillmanns eigene) Zwecke erkennbar werden.

    @ gnah: Ich halte das für ein Mißverständnis, aber dazu müsste Neoprene was sagen.

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