Kolumbien, Paramilitär, GSP

Bei lahmacun (auch dieses blog musste natürlich gelöscht werden) hatte ich irgendwo angekündigt, eine fehlerhafte Analyse im aktuellen GegenStandpunkt aufzuzeigen. Wer den entsprechenden Artikel über Obamas „neue“ Außenpolitik nicht gelesen hat: Dort wird die Behauptung, Paramilitär und kolumbianischer Staat hätten so gar nichts miteinander zu tun, seltsamerweiser geteilt und wiedergegeben. Quellenbelege wie leider allzumeist gibt’s keine. Beim GSP fragt man sich ja öfter, woher die ihr Wissen vom Weltgeschehen eigentlich her haben. Nun entdeckte ich jedenfalls eben beim Durchblättern der jw folgende Meldung:

Die kolumbianische Staatsanwaltschaft hat am Montag eine vorläufige Untersuchung gegen den Vizepräsidenten Francisco Santos Calderón eingeleitet. Dabei geht es um mögliche Kontakte zu paramilitärischen Gruppen.

Selbst die Justiz dort ist nicht so dämlich zu glauben, was die Regierung(en) dort glauben machen will/wollten.
Wer sich ein zutreffendes Bild vom Paramilitär und seiner engsten Beziehung zum Staat machen will, lese das bereits von mir empfohlene Buch von Raul Zelik.
Das ist jetzt ziemlich hingerotzt, aber man sollte ja wissen, daß eigene Recherche und eigenes Denken einem von einem blog nicht abgenommen werden kann. Auf Nachfrage gerne mehr, aber auch nur dann.


38 Antworten auf “Kolumbien, Paramilitär, GSP”


  1. 1 Neoprene 20. Oktober 2009 um 14:31 Uhr

    Das mittlerweile sich auch lahmacun als Bloggerin abgemeldet hat, paßt „gut“ in die Reihe des Verstummens von so gut wie allen und jeden, die sich bloggerisch (auch) mit dem GegenStandpunkt auseinandergesetzt haben. Nicht nur, daß die verbliebenen paar Blogs dieser Szene stillgelegt wurden, also keine neuen Artikel mehr bringen, es gibt inzwischen weder da noch sonstwo noch Kommentare, wenn man mal von den mal gerade zwei aktiven Threads auf meinem Blog absieht, bei dem es aber von GSPler im engeren Sinne (sofern man sowas im Web überhaupt bestimmen kann) auch still geworden ist. Da muß ja jetzt im realen politiscen Tageskampf kann mächtig die Post abgehen. Hinweise werden gerne weitergereicht.

  2. 2 crull 20. Oktober 2009 um 19:43 Uhr

    Ich für meinen Teil kann das nicht bestätigen, aber das soll nichts heißen. Wie ja schon zu genüge festgestellt wurde, ist es einfach eine ärgerliche Sache, wenn blogs gelöscht werden. Als würde es nicht reichen, an anderer Stelle ein neues blog zu starten, meinetwegen mit neuem Alias, um sich nicht verantworten zu müssen für abgelegte Inhalte. Sollen ja schon andere vorgemacht haben, wie das geht. Crull allerdings wird bleiben, mir wäre das zu albern, das über Jahre ins net gestellte zu löschen.
    Dein letzter Satz: soll der heißen, du hast Hinweise und gibst die gerne weiter, oder du hättest gerne welche, woher das blogsterben rührt?

  3. 3 crull 20. Oktober 2009 um 20:01 Uhr

    Beinahe vergessen: Gerade die beiden Monsterthreads bei dir gehören zum Interessantesten, was sich an Diskussionen bei blogsport je abspielte. Ich bin einer der stillen Mitleser und finde die Diskussionen sehr lesenswert – auch wenn viele sich von der Länge wiederum vielleicht abschrecken lassen.

  4. 4 l 20. Oktober 2009 um 20:53 Uhr

    es ging und geht nicht ums „sich-schämen-für-vergangene-positionen“. die leute können davon gerne wissen. sich für das einsehen von fehlern zu schämen, ist ziemlich doof.
    allerdings: wenn man weiß, dass einiges falsch ist, was man geschrieben hat; und sich bei manchem nicht sicher ist, ob es nicht grundverkehrt ist: dann promoted man diese inhalte nicht, indem man sie öffentlich herumstehen lässt. – das war schlicht alles, was ich dachte und immer noch denke.
    weshalb etwas, nur weil es irgendwann einmal online gestellt wurde (das ist doch das argument?), für immer und ewig im netz stehen sollte, leuchtet mir nicht ein. weil es verlinkt wurde? aber dass das netz sich ständig „in bewegung“ befindet, weiß doch jeder. das ist kein archivschrank.

  5. 5 Neoprene 20. Oktober 2009 um 21:01 Uhr

    Hinweise auf Interventionen im politischen Tagesgeschäft, z.B. bei Veranstaltungen, Teach-ins, Seminaren etc., meinte ich. Wer z.B. auf den TOP Berlin Workshop zum Scheitern und Zukunft des Kommunismus am Samstag, 31.10., 10 bis 22 Uhr in der HU Berlin, Dorotheenstr. 24 (Hegelgebäude/1.604/1.605/1.606/1.607/HS1.101 und Hauptgebäude/HS2072) gehen will.

    Zu den Monsterthreads: so monsterhaft wie BDSM auf dem Mädchenblog sind die aber doch nicht. Obwohl Sado-Maso die Kontrahenten politisch wahrscheinlich ganz treffend charakterisiert.

    Obwohl in diesen Thread Genossen aus dem „Umkreis“ des GSP mit zusammen sicherlich 40 Jahren Organisationszugehörigkeit mitdiskutiert haben, wären die Diskussionen sicherlich klarer gewesen, wenn man davon dabei mehr hätte merken können. Oder kann man nach 10 Jahren da bei keinem mehr was merken? Das wäre dann bedenklich.

    Die Länge liegt übrigens in Worten gemessen sicherlich noch um Längen unter dem Umfang auch nur eines einzigen grundsätzlicheren Artikels im GegenStandpunkt, ich versuche, noch an einem breiteren Layout zu arbeiten, damit das nicht allzu lang wird. Versprochen!

  6. 6 crull 20. Oktober 2009 um 21:35 Uhr

    @ l: Ein Argument gegen falsche Positionen muß eben notwendig ein Argument sein. Alle Einträge inklusive aller Kommentare zu löschen bringt niemanden auch nur ein Schrittchen weiter. Oder anders: Ein Buch, dessen Inhalt mir nicht paßt, werfe ich ja auch nicht weg. Ein Archiv wäre das inet übrigens dann doch ein wenig mehr, wenn nicht dauernd Leute ihre blogs entfernen würden.

    @ Neoprene: Gut, das Mädchenblog hat da ziemlich vorgelegt, aber das war ja schon immer so, daß denen eine größere Aufmerksamkeit zuteil wurde.

    Welche Gruppenzugehörigkeit bei jeweils einzelnen festzustellen ist oder nicht – keine Ahnung. Daß aber doch recht erbittert gestritten wurde, und das bei einem Thema wie der SU, das landläufig als erledigt und abgeschlossen gilt, was ja völliger Unsinn ist, hat mich gefreut zu sehen. Gerade nachdem ja auch hier schon, du wirst dich erinnern, das Thema kurz aufgekommen ist.

    Mit dem layout habe ich selbst gar kein Problem, auch nicht mit der Länge der Diskussionen. Nur vermute ich, daß mancher angesichts 100, 200, 300 Kommentaren gar nicht erst reinliest. Dennoch: Je besser das layout, naja, desto besser eben!

  7. 7 Neoprene 20. Oktober 2009 um 21:48 Uhr

    Zur SU-Frage wurde meines Erachtens übrigens lange nicht so erbittert gestritten wie um die GSP-Volkstheorie. Eher interessant kontrovers. Und das war in der Tat nach langer Durststrecke recht erfreulich. Und das würde ich geren auch noch weiter ausgebaut sehen. Jedenfalls habe ich mir jetzt erstmal „richtige“ Munition bestellt, nämlich E.H. Carr’s mehrbändige Geschichte der russischen Revolution von 1917 bis ende der 20er Jahre, dem wohl umfassendsten sowjetsympathischen Referenzwerk und wegen der Diskussion um die Aufbau-Konzeptionen Erlich’s Buch über die Industrialisierungsdebatte. Mal sehen, wie man das aussaugen kann.

    (Die GSP-Genossen, die mitdiskutiert haben, kenne ich übrigens zum Teil ausnahmsweise mal wirklich persönlich. Es gibt ja auch noch ein wirkliches Leben im falschen.)

    Ach ja: „Ein Argument gegen falsche Positionen muß eben notwendig ein Argument sein“ meine ich auch, was ja wohl kaum verwundern wird.

  8. 8 l 20. Oktober 2009 um 22:00 Uhr

    Oder anders: Ein Buch, dessen Inhalt mir nicht paßt, werfe ich ja auch nicht weg.

    aber verschenkst es massenhaft? hilfst mit bei seiner verbreitung?

    du kannst natürlich sagen: mit anmerkungen versehen, schenke ich es vllt wirklich weiter. nur: ich wusele mich nicht wochenlang durch meine beiträge, schreibe hinter jeden zweiten einen nachtrag als kritik oder vorbehalt – nur um dem ideal „internetarchiv“ nachzukommen, das ich, so abstrakt, nicht mal teile.

  9. 9 Neoprene 20. Oktober 2009 um 22:07 Uhr

    Also l, willst du wirklich behaupten, daß auf deinem alten Blog durch die Bank nur Müll zu finden war, sowohl in deinen Beiträgen, als auch bei den ja nicht wenigen, die zu dir und untereinander was geschrieben haben?

  10. 10 crull 20. Oktober 2009 um 22:15 Uhr

    @ l: Dein blog existierte doch schon länger. Da hatten genügend Leute ausführlich Zeit, wahrzunehmen, was dort steht. Jetzt löschst du das, weil du dir nicht sicher bist, ob das geschriebene Zeug richtig ist, entziehst es also jeder Diskussion, die beiträglich für eine Klärung wäre. Abgesehen davon, daß niemand wissen kann, was dir eigentlich als nicht gesichert oder falsch vorkommt (darlegen wolltest du das ja nicht, weil zu mühsam), beteiligst du dich an einer Metadiskussion über die abstrakte Frage, für was und ob die Entfernung von Inhalten nutzt. Das ist, mit Verlaub, wenigstens absurd. Das Ideal Internetarchiv schiebst du mir m.E. unter, weil es nichts gibt, das das Entfernen von Inhalten und Verbreitung richtiger Inhalte verbindet.

    @ Neoprene: Mal gucken, ob ich die Bücher, die du ansprichst, entdecke. Mehr Quellenmaterial wäre sehr begrüßenswert; der Ausbau der Debatte wäre ein folgerichtiger Schritt. Sicher auch nicht verkehrt wäre die Akteure der Revolution bzw. des sovjetischen Sozialismus zu Wort kommen zu lassen. Nicht zuletzt, weil es mir scheint, als käme ein nicht zu knapper Teil des GSP-Jargons bereits bei Lenin vor. ;)

  11. 11 bigmouth 20. Oktober 2009 um 22:29 Uhr

    Beim GSP fragt man sich ja öfter, woher die ihr Wissen vom Weltgeschehen eigentlich her haben.

    das scheint mir sehr einfach zu sein: politteil von FAZ, SZ, Tagesspiegel, Spiegel, taz, Welt usw kritisch gelesen – das scheint denen als ausgangspunkt noch für jede analyse zu reichen. wissenschaftliche literatur zu themen kommt jedenfalls deutlich seltener vor – ist bei tagespolitik natürlich auch nich drin, aber zumindest für hintergrundgeschichten…

  12. 12 Neoprene 20. Oktober 2009 um 22:31 Uhr

    „Mehr Quellenmaterial wäre sehr begrüßenswert“

    Wenn irgendwas von reichlich „Quellenmaterial“ gekennzeichnet ist, dann sicherlich die Geschichte der frühen Komintern, der KPR(B) und der KPD um nur die wichtigsten Sektionen der Komintern zu nennen. Nestor hatte darauf schon zurecht hingewiesen. Wichtig bei diesem Thema ist also, wie man das ungeheure Material für „neue“ jüngere Linke wieder zugänglich und nachvollziehbar macht.

    Was der Lenin seiner letzten Jahre von 1917 bis 1924 mit dem GSP gemein hat und zwar nicht mal in erster Linie was den Jargon angeht, sondern was zentrale programmatische Fragen angeht, das interessiert mich in der Tat auch. Denn selbst aus aktuellen Vorträgen, wie jetzt wieder von Renate Dillmann über die VR China kann man das beim besten Willen nicht schlüssig ablesen. Ich jedenfalls nicht.

  13. 13 crull 20. Oktober 2009 um 22:45 Uhr

    @ bigm0uth: Leider ist das nur zu oft der Fall. Bei Kolumbien/Paramilitär fällt mir das halt auf, daß da was ganz grob nicht stimmt; bei anderen Themen heißt es demzufolge mißtrauisch sein. Damit nun aber kein Mißverständnis entsteht: Mein Vorwurf, der GSP würde Quellenmaterial fahrlässig ignorieren und daher unbemerkt/ungewollt Propagandalügen verbreiten, fegt nun nicht den GSP als solchen um und soll’s natürlich auch nicht.

    @ Neoprene: Mehr Quellenmaterial in der (hoffentlich erst anlaufenden) Debatte, meinte ich. Daß man sein Leben und das nächste gleich mit damit verbringen kann, die Literatur auszuwerten ist mir beileibe nicht unbekannt. Zustimmen kann ich nur beim daraus gefolgerten Punkt: Gerade wegen der Flut an Material gehört da mal Ordnung reingebracht, hausmeisterisch gesprochen.

    Heute erst habe ich in die Broschüre mit Lenins Staatsvorlesung reingelesen. Das klingt natürlich deutlich anders als der GSP, klar. Aber Gemeinsamkeiten, die mir von mehr her zu rühren scheinen, als daß beides Marxisten sind, gibt’s schon.
    Dillmanns Buch ist heute bei mir angekommen, mal sehen wann ich Zeit finde, da einen längeren Blick hinein zu werfen. Wobei mir so jetzt nicht klar ist, wie du da eine Verbindung herstellst.

  14. 14 Haddock 21. Oktober 2009 um 1:25 Uhr

    Beim TOP-Workshop-Tag werden ja einige der SU-Themen (z.B. realsozialistische Kapitalismuskritik, HistoMat) auch diskutiert werden. Da diese Workshops von jimmy boyle organisiert werden, laufen die dann ja vielleicht anders ab, als (dem Hörensagen nach) die letzten Berliner TOP-Veranstaltungen.

    Zu den diesjährigen Gedenkfeierlichkeiten und deren Kritik wurde übrigens vom FSK Hamburg mit u.a. zwei TOPlern eine Radio-Diskussion geführt: 20 Jahre Mauerfall: Wie ist Deutschland zu kritisieren? (Teil 1 / Teil 2)

  15. 15 Kohleofen 21. Oktober 2009 um 18:00 Uhr

    Also — den besten Überblick über die Auseinandersetzungen westlicher Linker mit der Sowjetunion resp. „dem russischen Rätsel“ findest Du in diesem Buch: „Von der Oktoberrevolution zur Perestroika. Der westliche Marxismus und die Sowjetunion“ von Marcel van der Linden (Forschungsdirektor am Amsterdamer IISG). Das Buch taugt einzig als Sprungbrett: Es stellt geradezu enzyklopädisch alle bekannten Statements der linken Fraktionen zur SU vor. Auf Begriffsbildung verzichtet vdL komplett. Es ist eine elende Fleißarbeit, die einen aber wirklich weiterbringt, wenn man denn den Übergang zu den Quellen macht. (Das Buch ist nicht mehr erhältlich, man muss sich also in die nächste Uni-Bib begeben.)
    Tendenziös dagegen ist vdL’s Auswahlband „Was war die Sowjetunion?“ (Promedia 2007). Die Positionen der Rätekommunisten, der, sagen wir: Links- oder Post-Trotzkisten — Shachtman, Draper, Dunayevskaya, CLR James, Castoriadis —, der Linkskommunisten und Bordigisten kommen da schon gar nicht mehr vor, und es wird auch gar nicht begründet. Allerdings macht man in dem Band Bekanntschaft mit dem wunderbaren Hillel Ticktin – zu dem dann mal an anderer Stelle mehr.

    So – GSP und Lenin: Die MG hat „Was tun?“ geschult, damals, vor dreißig Jahren. Sie haben Lenin als Organisator, als Strategen und Taktiker geschätzt. Weniger als Theoretiker. So weit ich informiert bin, lesen die Kreise, die sich heute um den GSP gruppieren, keinen Lenin (und angeblich auch nur noch den ersten Band des Kapitals — oder ist das jetzt schon wieder eine bösartige Denunziation?). Woher der „Jargon“ kommt? Bestimmt nicht von Lenin. Abgesehen von der mir wirklich sympathischen bairischen Streit- und Polterlust (die aber albern wirkt, wenn ein norddeutscher MG- resp. GSP-Adept sie auswendig gelernt hat und abspult): Einfach mal bei Hegel (Rechtsphilosophie!) und dem jungen Marx (Heilige Familie!) nachschauen. Die Welt ist klein!

  16. 16 crull 21. Oktober 2009 um 18:16 Uhr

    Nur kurz zu GSP/Lenin: Ich habe doch nicht behauptet, der GSP wäre eine leninistische Truppe in Wort und Tat, sondern nur vermuten wollen, daß Lenin eine Quelle sei, aus der geschöpft wurde. Eine, wohlgemerkt. Hegel und Marx sind mir da, na sowas, auch schon aufgefallen.

  17. 17 bigmouth 21. Oktober 2009 um 18:24 Uhr

    echtt, die mögen hegel? :-O

  18. 18 crull 21. Oktober 2009 um 18:30 Uhr

    Ja klar. Wird auch gerne mal zustimmend zitiert, so als Zusatz zur SZ.

  19. 19 Kohleofen 21. Oktober 2009 um 18:54 Uhr

    Und wie die den Hegel mögen! Schon mal ihre KANT-Kritik gelesen (findest Du auf der GSP-Homepage, im MSZ-Archiv, „Königsberger Klöpse“)? Das ist eigentlich ein purer Hegel-RipOff. Außerdem gibt es auf Argudiss (oder im Audio-Archiv bei Farbe Rot) einige Vorträge zu Hegel (von Harald Kuhn und Peter Decker). Und die Sache mit dem freien Willen habense natürlich auch vom Alten. Jetzt ist aber auch genug mit der Philologie.

    Crull, dass die MG eine leninistische Truppe gewesen ist – damit hättest Du nicht falsch gelegen.

  20. 20 bla 21. Oktober 2009 um 19:14 Uhr

    Erstaunlich wie aktuell alte MSZ Artikel immer mal wieder werden:

    n dieser Reihe besprechen wir in loser Folge Klassiker des Marxismus, die es in der Geschichte der Arbeiterbewegung und/oder in der bürgerlichen Wissenschaft zu einigem Ansehen gebracht haben: entweder als weltanschauliche Berufungsinstanz oder als Beleg für bedingte Brauchbarkeit. Den alten Schriften soll die Ehre angetan werden, daß ihre Aussagen einnnal zur Kenntnis genommen werden – woraus sich dann auch mancher Aufschluß darüber gewinnen läßt, warum sie die einen für so brauchbar halten und die anderen für so verwerflich. Daß der Umgang mit Klassikern ziemlich wenig damit zu tun hat, ob sie stimmen oder nicht, ist uns schon seit geraumer Zeit aufgefallen: deswegen haben sie ja auch Konjunkturen bei Freund und Feind! Deswegen gefällt das ‚Kapital‘ so manchem Philosophen, die „Deutsche Ideologie“ vielen Soziologen, Lenins „Was tun?“ keinem Grünen – und seit der Bekehrung der VR China vom sozialistischen Modell zum Entwicklungsland will keiner mehr die Ansichten von Mao Tse-tung kennenlernen. Gewissermaßen als Korrektur an diesem geschmäcklerischen Umgang mit den verehrten und gehaßten Lehrern der Revolution möchten wir ganz unverbindlich zum dogmatischen Umgang mit ihren Ideen raten, wodurch sich vielleicht das Problem, ob es sich bei der Marxistischen Gruppe um eine M-L-Sekte handelt, erledigt: Glauben tun wir an keinen, und Wenn L was Richtiges verlauten läßt, ist er unsgenauso lieb wie M…“

    (Lenin … – Ein aktueller, aber falscher Klassiker)

  21. 21 bigmouth 21. Oktober 2009 um 20:23 Uhr

    (in zukunft setze ich ironie-tags, versprochen)

  22. 22 crull 21. Oktober 2009 um 21:33 Uhr

    @ bla: Das findest du passend? Ich nicht.

    @ bigm0uth: Hab’s geahnt.

    @ Kohleofen: Hätte ich jedenfalls nicht gewußt, geschweige denn blegen können. Aber mach mal. Tät mich intressiern.

    @ all: Woher Gedanken kommen, sagt nichts über ihre Qualität aus. Geschenkt. Aber: Wenn man weiß, wo die richtigen Gedanken herkommen, schadet es nicht nachzusehen, ob es dort nicht noch mehr davon gibt.

  23. 23 Kohleofen 22. Oktober 2009 um 1:13 Uhr

    Hatte ich doch schon geschrieben: Die MG hat „Was tun?“ geschult (wie übrigens fast alle Gruppen in den 70ern) – wobei Lenin als ORGANISATOR und STRATEGE im Vordergrund stand. Lenins klassischer Satz – Jeder revolutionäre Praxis setzt eine revolutionäre Theorie voraus – könnte genau so gut aus dem Münchner Hauptquartier stammen.
    Trade Unionism, Reformismus als Ausdruck spontanen Klassenbewusstseins, Kritik des Objektivismus, organischer Zentralismus der Organisation, Zentralität der Publikationstätigkeit (die Parteizeitung als kollektiver Organisator) … diese Lenin’schen Topoi findest Du doch alle bei der MG wieder.
    Übrigens – ein Leninist ist kein ML‘er. Eine feine, aber doch entscheidende Differenz.

  24. 24 Hosenstrumpf 22. Oktober 2009 um 16:54 Uhr

    Was ist der Unterschied zwischen einem Leninisten und einem MLer?

  25. 25 crull 22. Oktober 2009 um 17:33 Uhr

    Den Unterschied hätte ich allerdings auch gerne erklärt.

    @ Kohleofen: Zu dem von dir Angeführten kein Widerspruch – mich hätte ein Dokument interessiert, wie die MG „Was tun?“ denn an die Leute gebracht hat, falls es sowas gibt.

    @ Neoprene: In das Buch von Erlich habe ich mal reingelesen, weiter als bis zum Ende des ersten Kapitels bin ich noch nicht gekommen. Es scheint allerdings genauso viele Fragen aufzuwerfen wie zu beantworten. Inhaltliches vielleicht in Bälde.

    @ Die Mitleserschaft: Falls ein Interesse an der Frage, die im Ursprungseintrag steht, besteht, dann nur heraus mit den Fragen. Ich habe allerdings keine Lust, ins Blaue hinein mich an der Geschichte abzuarbeiten und belasse es daher auch gerne bei dem Verweis auf Zeliks Buch.

  26. 26 Kohleofen 22. Oktober 2009 um 18:35 Uhr

    Der ML ist eine Erfindung aus der Zeit des beginnenden Personenkults um Lenin, der erst nach dessen Tod einsetzt, von Lenin zutiefst verabscheut worden wäre und eine reine Legitimationsideologie ist.
    Der ML geht also nicht auf Lenin zurück, sondern ist eine Konstruktion mit Versatzstücken aus Lenin’schen Schriften (Es ist bekannt, dass es keine wirklich wissenschaftliche Lenin-Ausgabe gibt! Bzw. die einzig seriöse – die allererste aus den späten 20er Jahren – ist nur zu Zweidritteln fertig geworden. Herrmann Weber hat daraus in den 60er Jahren einen Auswahlband für das deutschsprachige Publikum zusammengestellt.) Der ML sieht Lenin als „schöpferischen Weiterentwickler“ des Marxismus, etwas, was Lenin stets abgelehnt und bekämpft hat (= „schöpferische Weiterentwicklung“ als Einfallstor für den Revisionismus). Lenin hat sich als jemand verstanden, der gegen die II. Internationale den revolutionären Gehalt des Marxismus rekonstruiert – eine strikt orthodoxe Aufgabe (und genau daran misst ihn ja die MSZ-Redaktion).
    Der ML findet seinen endgültigen Ausdruck in den Popularisierungen/Lehrbüchern/Geschichtslehrgängen, die zuerst unter Stalins Namen erschienen sind und dann in verschiedenen Mutationen in den Bücherreaglen der Ost-Buchhandlungen verstaubten.
    Der MLer hat mithin immer schon die Persepktive des Staatsbeamten eingenommen, der sich um die zweckdienliche Organisierung „seines“ Staatsvolks sorgt, wohingegen der Leninist noch die Perspektive der Revolution, des Zerbrechens der Staatsmacht, einnimmt.
    Die frühen Oppositionsgruppen gegen das Regime Stalins und die Bolschewisierung nannten sich Leninisten oder leninistische Opposition (z.B. der linkskommunistsiche Leninbund in Deutschland). Aber das nur nebenei.

  27. 27 crull 23. Oktober 2009 um 10:55 Uhr

    Gerade im inet gefunden, zum Thema Paramilitär in Kolumbien:
    http://www.azzellini.net/pdf/Unternehmen_Krieg.pdf

    Einfach mal so aus der Fülle der Texte zum Thema gegriffen:

    „Die Bilanz der Verbrechen rechtsradikaler Paramilitärs beträgt mindestens 25.500 Tote. Dies wird aus dem Abschlussbericht der Sonderstaatsanwaltschaft für Frieden und Gerechtigkeit hervorgehen, erklärten Mitglieder des Gremiums am Mittwoch gegenüber dem kolumbianischen Sender Caracol Radio. Die Zahl basiert auf Aussagen von 3.700 ehemaligen Paramilitärs und benennt damit nur die bisher gesicherten Fälle. Das tatsächliche Ausmaß der Verbrechen dürfte weit höher liegen. Auf der Grundlage dieser Angaben stellte die Staatsanwaltschaft außerdem 2251 Fälle von „Verschwundenen“ und weitere 831 Entführungen ohne tödlichen Ausgang fest. Bei den meisten Opfern handelt es sich um Zivilisten, darunter etwa 5000 Frauen und Kinder, sowie 223 Gewerkschafter. Etwa eine viertel Million Personen haben sich als Opfer paramilitärischer Gewalt bei der Staatsanwaltschaft gemeldet, unter ihnen Familienangehörige der Toten sowie Vertriebene.

    Bei ihren Untersuchungen beschäftigte sich die Staatsanwaltschaft allerdings nur mit Verbrechen, die durch die inoffiziellen paramilitärischen Verbände begangen wurden. Fälle, in denen das kolumbianische Militär oder der Geheimdienst Menschen ermordete, folterte und verschwinden ließ, sind in den Zahlen nicht enthalten. Die Ermittler nennen aber konkrete Zahlen zu den Auftraggebern der paramilitärischen Verbrechen: 28 Senatoren, 16 Mitglieder des Repräsentantenhauses, 18 Gouverneure, 128 Bürgermeister und 28 Stadträte arbeiteten direkt mit den paramilitärischen Verbänden zusammen. Auch hier dürfte die Dunkelziffer weit über den aktuellen Angaben liegen. Sie gehören fast ausschließlich zu den konservativen Parteien, die Kolumbiens Präsidenten Alvaro Uribe unterstützen.

    Dessen engste Freunde und Mitarbeiter werden durch die Ermittlungen direkt belastet: So machte der AUC-Kommandant „Don Berna“ Aussagen gegen den Vizepräsidenten Francisco Santos, gegen den ehemaligen Verteidigungsminister Juan Manuel Santos und den Bürgermeister von Medellin, Alonso Salazar. Francisco Santos habe ihn beauftragt in der Hauptstadt Bogota Todesschwadrone aufzubauen. Der spätere Verteidigungsminister, Juan Manuel Santos, habe ihn gebeten, zu helfen den damaligen liberalen Präsidenten Ernesto Samper zu stürzen. Alonso Salazar habe die AUC politisch und finanziell unterstützt, um zum Bürgermeister gewählt zu werden. Inzwischen suspendierte der AUC-Kommandant seine Zusammenarbeit mit der Sonderstaatsanwaltschaft. „Don Berna“, den die kolumbianischen Behörden wegen Drogenhandels an die USA überstellten, erklärte seine Familie werde in Kolumbien bedroht und die Sonderstaatsanwaltschaft gehe seinen Aussagen nicht ernsthaft nach. Er bezeichnete die Auslieferung von Paramilitärs an die USA als eine Verdunkelungsaktion, um die Verantwortung hoher Funktionäre der Regierung Uribe zu vertuschen.

    Dass die Aussagen aus den paramilitärischen Gruppen in der kolumbianischen Öffentlichkeit als störend empfunden werden, verdeutlicht auch die Reaktion der privaten Medienunternehmen des Landes auf die Angaben der Staatsanwaltschaft. Der Bericht von Caracol Radio wurde von keinem der großen Medien des Landes aufgegriffen. Alleine die spanische Ausgabe der Times of the Internet brachte einen kurzen Bericht zu den Zahlen. Stattdessen erschienen am Donnerstag ausführliche Berichte über eine Pressekonferenz von Präsident Alvaro Uribe. Auf einem Treffen mit kolumbianischen Bürgermeistern lobte Uribe sein Konzept der Verbrechensbekämpfung und betonte die Zahl der Morde sei im Vergleich zum Vorjahr um 3 Prozent zurückgegangen.“
    http://www.amerika21.de/nachrichten/inhalt/2009/okt/corte_293847_para/

  28. 28 crull 23. Oktober 2009 um 13:00 Uhr

    Paramilitär in Afghanistan:

    „In der Praxis macht EUPOL Afghanistan nichts anderes, als Paramilitärs auszubilden. Detlef Karioth, leitender Polizeiberater an der deutschen Botschaft in Kabul, gibt an: »Was wir uns für Afghanistan vorstellen, ist eine Polizei, die in der Lage wäre, sich gegen die bewaffneten Kräfte im Land zu verteidigen. Wir bilden hier ja nicht nur Straßenpolizisten aus. Unser Bestreben ist, sie so auszubilden, daß sie überleben können. Allein 2008 sind mehr als tausend Polizisten getötet worden.« (FAZ, 13.3.2009) In einem Militärblog heißt es ganz ähnlich: »Die Polizei steht in Afghanistan nicht Kleinkriminellen gegenüber wie in Europa, sondern einem Gegner, der teilweise mit Infanterietaktiken und in Kompaniestärke operiert. In Afghanistan muß die Polizei daher zwangsläufig auch paramilitärische Aufgaben übernehmen.«“
    http://www.jungewelt.de/2009/10-23/001.php

    Im Text findet sich noch ein Abschnitt zur »European Gendarmerie Force« , welche als „paramilitärische EU-Polizeitruppe“ beschrieben wird.

  29. 29 andeak 23. Oktober 2009 um 15:00 Uhr

    Mal wieder zurück zum Ausgangsthread:

    Selbst die Justiz dort ist nicht so dämlich zu glauben, was die Regierung(en) dort glauben machen will/wollten.

    Das verweist doch aber mindestens darauf, dass es innerhalb des kolumbianischen Staates (als würde das Rechtswesen nicht dessen arbeitsteiliger Teil sein) auch den Standpunkt gibt, mit den Kontras = Drogenbanden aufzuräumen. Das zum einen aus dem staatlichen Eigeninteresse heraus, Gewaltmonopolist zu sein und nur Geschäft zuzulassen, dass dem nationalen Erfolg dient und zum anderen, aus der Kalkulation heraus, welche die USA als Weltordnungsmacht Kolumbien aufmachen. (Welche halt primär zum Gegenstand des Artikels gehört.) Weil sich die USA am Zerfall des Gewaltmonopols dort wie am Drogenhandel stören, machen sie Kolumbien auf, es beim Kampf gegen die Reste der FARC mit finanziellen Hilfen und US-Militärbasen zu unterstützen (womit die Kontras endgültig ihre Nützlichkeit für Kolumbien verlieren würden), aber unter der Bedingung, dass sich Kolumbien mit den ihm zur Verfügung gestellten Mitteln auch gegen die Kontras = Drogenbanden stellt und das US-Militär vor Ort auch gegen diese losschlagen lässt. Mit dieser Kalkulation knüpfen die USA an das Interesse im kolumbianischen Staat an, dessen Gewaltmonopol auch gegen die Kontras durchzusetzen, indem sie betonen, dass es DANN die Weltmacht Nr. 1 durch ein gemeinsames Interesse auf seiner Seite hätte … und anderenfalls gälte, dass wer nicht für sie ist, gegen sie sei.

    An welcher Stelle Du dem Artikel entnimmst (Seitenzahlen oder gar Zitate sparst Du Dir ja völlig), dass es in Kolumbien nie den Standpunkt gegeben hätte oder der mindestens schon völlig aus der Welt wäre, dass die Kontras nützlich wären, um die FARC plattzumachen, weswegen man deren Treiben toleriert oder gleich unterstützt hat, würde ich gerne mal wissen. Aber ich lese mir den auch noch mal gründlich durch … vielleicht ist mir ja was entgangen.

  30. 30 crull 23. Oktober 2009 um 16:15 Uhr

    Wirklich nur ganz kurz: Sowohl die Paramilitärs als auch die FARC finanzieren sich durch Drogengeschäfte. Die Paramilitärs, das gilt als sicher, werden zusätzlich noch durch kolumbianisches und us-amerikanisches Geld unterstützt. Übrigens handelt es sich beim Paramilitär um keine einheitliche Angelegenheit, immer wieder wurden alte Generationen liquidiert und durch neue ersetzt, auch politisch unterscheiden sich diese Generationen. Eines haben sie aber alle gemeinsam gehabt: Sie erledigen einen Großteil der Dreckarbeit für den kolumbianischen Staat, exekutieren Gewerkschafter und Mitglieder sozialer Bewegungen etc (nicht einfach bloß Unterstützer der FARC – die nach Möglichkeit natürlich ebenso). Steht ja auch im Artikel, den ich oben einkopiert habe.
    Genau dafür gibt es sie denn auch: Als inoffizielle bewaffnete Streitkräfte erzeugen sie ein „Klima der Angst“. Sie folgen nicht den Regeln, die der kolumb. Staat für sich aufgestellt hat, und das sollen sie auch nicht. Selbst nach einem Mord ist es nahezu unmöglich, die Täterschaft der Paramilitärs nachzuweisen. Insofern sind sie ein enorm effizientes Instrument. Natürlich ist das für die jetzige Regierung auch nicht ohne Risiko. Nicht ohne Zufall steht die Führung der AUC jetzt vor Gericht und wollte auspacken. Plötzlich sitzen die nun aber in US-Gefängnissen ein, und zwar wegen Drogenhandels. Na sowas! Natürlich geht das Morden des Paramilitärs fröhlich weiter, denn es war nie beabsichtigt, dem ein Ende zu setzen. Und meine Prognose sieht denn auch so aus: Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern.

  31. 31 andeak 23. Oktober 2009 um 16:58 Uhr

    Und wo soll da jetzt der Einwand sein? Die Kernbestimmung des Artikels zur Strategie Obamas ist doch, dass er dem Rest der Welt die Interessen der USA als gemeinsame Interessen aufmacht, um auf diese Weise die anderen Staaten besser auf diese verpflichten zu können, als das Bush jr. mit seinem Konfrontationskurs gelungen ist (vgl. S. 58 f.). Selbstverständlich immer mit der Drohung in der Hinterhand, dass man ja auch ganz anders könne, wenn der gute Wille der USA nicht durch Kooperation belohnt und sich also gegen die allgemeinen Werte vergangen wird (vgl. u.a. S. 77). Für Kolumbien heißt das eben, dass es ihm als sein nationales Interesse aufgemacht wird (wozu man auch an ein wirkliches nationales Interesse mindestens anknüpfen können muss, wenn man sich auf diese Weise von Bush jr. abheben will), sein Gewaltmonopol gegen die Reste der FARC, ABER AUCH gegen die Paramilitärs durchzusetzen. Und das, weil es – da unterscheidet sich Obama gar nicht von Bush jr. – für die USA ein Ärgernis ist, wenn die Drogen ins Land schmuggeln und so das us-amerikanische Menschenmaterial vergiften und dass in ihrem Hinterhof überhaupt Instabilität existiert, also Gebiete nicht dem freien Kapitalzugriff zugänglich sind (vgl. S. 89 – 95. Zudem geht diese Politik damit einher, dass die USA – zur Unterstützung Kolumbiens, beim Kampf für die gemeinsamen Werte Stabilität und Bekämpfung des Drogenhandels, selbstverständlich – ihre Militärpräsenz in Kolumbien ausbaut (vgl. S. 95).

    Deine Ausführungen und Hinweise zu den Paramilitärs mögen ja ganz interessant sein*, aber sie stellen keinen Einwand gegen den Artikel da. Der sagt nämlich überhaupts nichts über das Verhältnis Kolumbiens zu den Paramilitärs aus, weil das schlicht nicht sein Gegenstand ist.

    ALSO: entweder Du zitierst jetzt mal eine von mir dann wohl überlesene (kann ja mal passieren, auch wenn es nicht passieren sollte) Stelle aus dem Artikel, welche die Aussage:

    Paramilitär und kolumbianischer Staat hätten so gar nichts miteinander zu tun

    zum Inhalt hat – dann nehme ich meine Kritik an Dir diesbezüglich zurück –, oder Du siehst ein, dass Du Dich da in was verrannt hast und nimmst Deine Kritik des Artikels zurück.

    * Nur bestreite ich gar nicht (und m.E. auch der GSP nicht), dass es in Kolumbien den Standpunkt gab und gibt, „dass die Kontras nützlich wären, um die FARC plattzumachen, weswegen man deren Treiben toleriert oder gleich unterstützt hat“, weswegen Du da offene Türen einrennst, aber das als Nachweis eines Fehlers präsentierst.

  32. 32 crull 23. Oktober 2009 um 17:04 Uhr

    Das Thema des Artikels ist mir schon klar und da besteht auch gar kein Widerspruch von meiner Seite aus. Ich werde die Stelle, wenn’s mir wieder möglich ist (hier liegt Ausgabe 3/09 leider nicht herum), gerne heraussuchen. Sollte da eine Fehlinterpretation meinerseits vorliegen, dann nehme ich die Kritik gerne zurück. Dann wäre immerhin ein wenig über Kolumbien geredet word, was ja kein Fehler ist.

  33. 33 andeak 23. Oktober 2009 um 17:28 Uhr

    Okay.

  34. 34 crull 29. Oktober 2009 um 14:30 Uhr

    Ich hab’s nicht vergessen, heute abend komme ich wahrscheinlich endlich dazu, das Zitat einzustellen.

  35. 35 crull 30. Oktober 2009 um 17:51 Uhr

    Nun endlich die Passage:

    „Beim Kampf gegen das organisierte Verbrechen des Drogen- und Waffenhandels, den der neue Präsident ja zu der vordringlichen Aufgabe einer effektiveren US-Ordnungspolitik erklärt hat, knüpft Obama an die Fortschritte an, die die Bush-Regierung mit ihrem Kampf gegen den „Narco-Terrorismus“ erreicht hat. Die Ankündigung, dagegen noch entschiedener als bisher auch in den USA vorzugehen, richtet sich deswegen vorwiegend an die Adresse der lateinamerikanischen Staaten, von denen Washington schon bisher Durchgreifen verlangt und die es dafür materiell gefordert und gefördert hat. Als ersten Staatsführer Lateinamerikas trifft Obama Mexikos Präsidenten und vereinbart die Intensivierung der Grenzkontrollen und des militärischen Vorgehens gegen die Drogenkartelle im Land. Kolumbien wird zu einem Hauptstützpunkt für US-Militär in der Region ausgebaut; ein neues Abkommen soll Washington die Nutzung von mehr Militärbasen als bisher sichern – auch als Ersatz für die von Ecuadors Präsidenten Correa gekündigte Nutzung eines Standorts in dessen Land; Kolumbien erhält im Gegenzug logistische Unterstützung, um mit der Drogenmafia und den Resten der FARC fertig zu werden. So schreibt Obama die mit dem „Plan Merida“ und „Plan Colombia“ institutionalisierte Kooperation fort – und zwar ganz in deren bisherigem Sinn: Die US-Ordnungsmacht implantiert sich vor Ort machtvoller als zuvor.“ (GegenStandpunkt 3/09, S. 94/95)

    Hier wird das Paramilitär nicht direkt erwähnt, obwohl bekannt ist, daß es selbst Drogenanbau und -handel betreibt. Weiß man das, so ist es naheliegend, den Text so zu verstehen, als wäre es nun eine ausgemachte Sache, daß der kolumbianische Staat mit aller Härte gegen das Paramilitär vorgehen will. Das Gegenteil ist wahr.
    Wenn ich Zeit genug übrig habe, werde ich zum Zweck der Klärung an die Redaktion eine eMail schreiben.

  36. 36 andeak 30. Oktober 2009 um 19:55 Uhr

    Gut, ist jetzt halt nicht bezüglich Kolumbien ausgeführt, sondern bezüglich Obamas Programm:

    Die Ankündigung, dagegen noch entschiedener als bisher auch in den USA vorzugehen, richtet sich deswegen vorwiegend an die Adresse der lateinamerikanischen Staaten, von denen Washington schon bisher Durchgreifen verlangt und die es dafür materiell gefordert und gefördert hat.

    Auch da ist es aber etwas unklar, weil ja vorher im Artikel Bush jr.s Politik so beschrieben wird, dass er den linken „Narkoterrorismus“ in seinen Krieg gegen den Terror einsortiert hat. Wenn jetzt gesagt wird, dass Obama als Teil seiner Ordnungsmachtstrategie den lateinamerikanischen Staaten generell aufmacht – mit Hilfe der USA ihre Gewaltprobleme in den Griff zu bekommen, das aber bezüglich Kolumbiens als intensivierte Fortsetzung des bisherigen us-amerikanischen Programms fast, weiß man schon nicht genau, ob das jetzt von der Obama-Administration an Kolumbien herangetragen wird, auch verstärkt gegen die Paramilitärs vorzugehen. Wie sich Kolumbien dann dazu stellt, ist dann eh die nächste Frage.

    Aber gut, warten wir mal die Antwort der Redax ab.

  37. 37 crull 27. November 2009 um 18:08 Uhr

    Noch gibt es keine Antwort, was allerdings daran liegt, daß ich schlicht vergessen habe, die eMail nach dem Schreiben auch abzuschicken… Pardonnez moi!

    Dafür gibt es eine Neuigkeit aus Kolumbien:

    “ In Kolumbien ist ein Exgeneral wegen seiner Rolle bei Morden rechter Paramilitärs im Jahr 1997 zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Jaime Humberto Uscátegui soll ein fünftägiges Massaker einer paramilitärischen Gruppe in dem Dorf Mapiripán, bei dem 49 Menschen ermordet worden waren, geduldet haben.“

    Da ist man im ersten Moment geneigt zu meinen, das Paramilitär und seine Unterstützer würden nun wirklich bekämpft werden. Dann denkt man sich aber doch, daß so ein Ex(!)general wohl eher ein Bauernopfer sein wird.

  38. 38 crull 25. März 2011 um 21:31 Uhr

    Bogotá. In der kolumbianischen Großstadt Medellín ist am Donnerstag ein Anführer der Bewegung zur Rückgabe geraubten Landes ermordet worden. David de Jesús Góez (70) setzte sich dafür ein, daß riesige Ländereien im Chocó, die sich rechtsextreme Paramilitärs Ende der 1990er Jahre angeeignet hatten, an die früheren Eigentümer, meist Kleinbauern, zurückgegeben werden. Die Paramilitärs sind zwar inzwischen offiziell aufgelöst, dennoch wurden in den vergangenen sechs Monaten neun Menschen umgebracht, die sich für die Rückgabe der Ländereien einsetzten.

    http://www.jungewelt.de/2011/03-26/032.php

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