Klass(enrass)ismus

Kürzlich kam die Rassismus-Broschüre des AK Gegenargumente bei lahmacun ins Gespräch. Daran anknüpfend mache ich aufmerksam auf das blog Klassismus sowie auf das Buch Klassismus. Eine Einführung.


17 Antworten auf “Klass(enrass)ismus”


  1. 1 l 09. September 2009 um 17:15 Uhr

    buch gestern erhalten, bin mal gespannt – erste seiten ~~~
    ich berichte dann!

  2. 2 crull 09. September 2009 um 17:16 Uhr

    Bin gespannt auf deinen Bericht!

  3. 3 l 09. September 2009 um 17:24 Uhr

    zum ~~~

    sowas meine ich:

    Zu diesem Thema [Leben wir in einer Klassengesellschaft?] werde ich am 25. Mai einen Vortrag halten. Bei der Vorbereitung fühle ich mich positiv irritiert, da ich nicht weiß, wo ich zuerst anfangen soll. Ich komme kaum hinterher, die mit den Schlagzeilen der Medien gelieferten Belege für die Existenz der Klassengesellschaft aufzuarbeiten. […] Klassistische Äußerungen vom Bundesbank-Vorstand – ein Beleg für die Klassengesellschaft?
    Nein, kein Beleg. Ein Hinweis. Aber wieviele Hinweise braucht es? […] Nun gut, soziologisch müsste der Begriff „Klassengesellschaft“ genauer auseinandergenommen werden. Wie definiert sich Klasse gegenüber Schicht? Und vorausgesetzt, es gebe in Deutschland Klassen, die einer vernünftigen Definition gegenüber standhalten, prägen sie dann unsere Gesellschaft so sehr, dass es erlaubt sei, von der „Klassengesellschaft“ zu reden? Ja, dem ist so, wobei ein Blog nicht das richtige Organ ist, den Beweis zu führen.

    äh, ja.

    http://klassismus.blogspot.com/2009/05/leben-wir-in-einer-klassengesellschaft.html

    schon am anfang des buches wird angeprangert, dass marx aus ner bürgerlichen familie kam – und daher sei wohl auch seine theorie arg davon beeinflusst. – AUCH DAS IST KLASSENRASSISMUS (von unten) :P

    ich bin ja etwas skeptisch.

  4. 4 genosse, gestehe! 09. September 2009 um 18:30 Uhr
  5. 5 bla 09. September 2009 um 19:03 Uhr

    Sachdienliche Hinweise über „Die Klassen“ sind übrigens drei alten MSZ Artikeln zu entnehmen:
    DIE KLASSEN (I)
    DIE KLASSEN (II)
    VON DER ARBEITERKLASSE (Teil 1 und 2)

    Zu den Unarten der Soziologie wie sie l verlinkt ist im zweiten Artikel einleitend u.a. folgendes angemerkt:

    Mit der Analyse der Klassengesellschaft, von der bei Marx und in diesem „Gegenstandpunkt“ die Rede ist, hat das [die Übersetzung des Klassengegensatzes in einen von Gut und Böse] allerdings wenig zu tun, genausowenig wie mit ihrer Abschaffung. Das kommt daher, daß uns an der forschen Behauptung, daß e s eine ist, wenig liegt. Eher schon geht es darum, was für Klassen es gibt, wodurch sich ihre Taten auszeichnen und was sie notwendig bewirken. Letzteres nicht nur in ihren Gegensätzen zueinander, sondern auch in dem Sinne, welchen Staat sie brauchen bzw. wie sich der bürgerliche Staat auf ihre Erfordernisse einstellt. Insofern ist das „Problem“, das mancher historisch und sozial denkende Wissenschaftler wälzt, bislang auch gar nicht aufgetreten: Die Rede ist von der intellektuellen Spitzenleistung, den Gegensatz von Kapital und Arbeit, den Kapitalisten und Lohnarbeiter austragen und aushalten, erst in die Behauptung zu verwandeln, Marx hätte gesagt, es gäbe nur solche und solche. Um dann angesichts von Apotheker, Lehrer und Pfarrer erschreckt das Bedürfnis zu verspüren, die „Gliederung “ der Gesellschaft doch nicht dem „marxistischen Ansatz“ gemäß vorzunehmen. Oder um gleich in einem Schaubild die ganze Nation entweder nach Einkommen, Bildung oder Prestige zu sortieren und das für eine Theorie auszugeben. Diesen „Alternativen“ läßt sich im Rahmen einer höflichen wissenschaftlichen Auseinandersetzung nur attestieren, daß sie so froh über die von ihnen gewählte Art des Unterscheidens sind, daß sie sich um das Warum und Wieso ihrer Unterschiede gar nicht mehr bekümmern.

  6. 6 genosse, gestehe! 09. September 2009 um 19:59 Uhr

    Zu den Unarten der Soziologie wie sie l verlinkt

    :P

    das sind die knols des autors des buches, das im beitrag verlinkt ist.
    es kann sich dann anhand der knols, die ich verlinkt habe, jeder selber ein bild machen, ohne gleich das büchlein kaufen zu müssen.

  7. 7 ♥Tekknoatze 09. September 2009 um 22:31 Uhr

    Eben in der Hand gehabt das Buch, dann zum Grundgesetzbuch von Krölls gegriffen.
    Bin ma gespannt auf lahmas Bericht, der über die Einführung hinausgeht. :)

  8. 8 Andreas Kemper 22. September 2009 um 15:44 Uhr

    Hi Tekknoatze

    Bin auch sehr gespannt :)
    Im Grundgesetzbuch wirst du übrigens zwar noch klassenspezifisches finden („Niemand darf aufgrund seiner Herkunft benachteiligt werden!“ – „Soziale Herkunft“ wurde als verbotene Diskriminierung nachträglich eingebaut), bei den relevanten Gesetzen wie dem AGG findet die Klassenspezifik allerdings nicht mehr statt. Für den Staat gibt es keine Klassendiskriminierung, in Europa nicht und in Deutschland erstrecht nicht. Grund genug, diese zu thematisieren.

    Lieben Gruß
    Andreas

  9. 9 l 22. September 2009 um 16:07 Uhr

    „Für den Staat gibt es keine Klassendiskriminierung, in Europa nicht und in Deutschland erstrecht nicht. Grund genug, diese zu thematisieren.“

    ?

    gibt es sie oder gibt es sie nicht? ich würde ja sagen: es gibt sie nicht. dann muss man sie aber auch nicht thematisieren.

    dann schaut man sich lieber mal die ideologie der chancengleichheit an, oder was bei real existierender gleichbehandlung rauskommt.

  10. 10 Andreas Kemper 22. September 2009 um 18:11 Uhr

    „dann schaut man sich lieber die ideologie der chancengleichheit an“

    Mit der Ideologie der Chancengleichheit wirst du nicht die Klassendiskriminierung aufdecken können, die es übrigens gibt.

    Die Ideologie der Chancengleichheit geht konform mit der kapitalistischen Ideologie. Der Begriff „Leistung“ gehört auch zu dieser Ideologie.

    Die Ideologie der Chancengleichheit und mit ihr der Begriff „Leistung“ werden aber massiv von bestimmten Klassenfraktionen in diesem Land und ihrer parteipolitischen Vertretung CDU bekämpft. Es wird mit einer unglaublichen Penetranz der „Conservative Correctness“ der Begriff Chancengleichheit durch Chancengerechtigkeit und der Begriff Leistung durch Begabung ersetzt. Die OECD als internationale Vertretung von kapitalistischen Wirtschaftsinteressen und bestimmte Klassenfraktionen in Deutschland sind sich in Bildungsfragen spinnefeind. Der völlig überzogene Klassismus im deutschen Bildungssystem schadet den Verwertungsinteressen des Kapitals, dient aber der sozialen Vererbung von Ressourcen.

  11. 11 crull 02. Oktober 2009 um 20:13 Uhr

    Andreas, woanders schreibst du:

    „Allerdings ist der Klassismus in einer Gesellschaft, die sich in Klassen oder Schichten gliedert, unmittelbar mit dem ökonomischen System verbunden, da dieses erst die Klassen- oder Schichtunterschiede herstellt.“

    Das erfordert keine große Anstrengung zu begreifen. Erst dort, wo Klassen existieren, kann man ihnen dieses oder jenes nachsagen.
    Man könnte das genauer benennen, was es mit diesen Klassen so auf sich hat. Die eine besitzt und beutet aus, die andere arbeitet für Lohn, wenn die Besitzenden sie läßt. Das passiert auch ohne ein Klassenbewußtsein. Wenn ich nun als Ausgebeuteter ein Klassenbewußtsein habe, was ich haben muß, um mich als klassenspezifisch diskriminiert zu erkennen (wo das der Fall ist), dann ist mir doch micht an einer klassenmäßigen Würdigung gelegen, sondern: Ich will der Ausbeutung, dem Kapitalismus ein Ende machen.
    „Der völlig überzogene Klassismus im deutschen Bildungssystem“ ist folglich kein entscheidender Punkt, besonders nicht, weil die Durchsetzung von „Verwertungsinteressen des Kapitals“ ziemlich genau das ist, was MEINEM Interesse widerspricht, nicht gepflegt, gezähmt oder verwaltet, sondern aus der Welt geschafft werden muß.

  12. 12 Andreas Kemper 07. Oktober 2009 um 4:29 Uhr

    Hallo Crull,
    du schreibst:

    „Wenn ich nun als Ausgebeuteter ein Klassenbewußtsein habe, was ich haben muß, um mich als klassenspezifisch diskriminiert zu erkennen (wo das der Fall ist), dann ist mir doch micht an einer klassenmäßigen Würdigung gelegen, sondern: Ich will der Ausbeutung, dem Kapitalismus ein Ende machen.“

    Ja, das stimmt. Aber drei Punkte sind mir wichtig:

    1. Klassismus meint nicht nur Ausbeutung. Es meint auch Verächtlichmachung, Marginalisierung, brachiale Gewalt und alle anderen Formen von Gewalt, die wir auch im Rassismus wiederfinden. Ausbeutung ist natürlich deshalb besonders widerlich, weil der Mehrwert u.a. zur Aufrechterhaltung des ausbeutenden Systems benutzt wird.
    2. Das Ziel der Kapitalinteressen ist nicht maximale Ausbeutung, sondern maximaler Profit. Und zum maximalen Profit gehört zwar ein Maximum an Ausbeutung, sprich an Abschöpfung des Mehrwerts, dieses Maximum darf aber nicht zu einer Stagnation der technologischen Entwicklung führen. Die „Verwohlfeilerung der Elemente des konstanten Kapitals“ ist wesentlich geworden für die Profitrate – dies widerspricht aber dem durch unser Bildungssystem geschaffenen Mangel an Ingenieuren. Diejenigen, die das hoch selektive, antiquierte Bildungssystem aufrechterhalten, haben eher einen Kompromiss mit den Kapitalinteressen geschlossen, als dass sie diese repräsentieren.
    3. Vielleicht gehe ich zusehr von mir selber aus. Aber für mich war es wichtig, dass ich von der Hauptschule die Bildungssysteme nach und nach wechseln konnte und jetzt an einer Doktorarbeit über die Klassengesellschaft schreibe. Studieren können heißt – oder hieß – eben nicht nur, besser verwertbar zu sein, sondern auch, die Provinz verlassen können, in Wohngemeinschaften mit anderen Studierenden einziehen zu können und dort nächtelang zu diskutieren, die Universitätsbibliotheken nutzen zu können und vom Arbeitszwang weitgehend befreit zu sein. Studieren ist meiner Meinung nach angenehmer als Fließbandarbeit und es ist ungerecht, dass einige ein angenehmes Leben haben und andere nicht, nur aufgrund ihrer Herkunft. Aber anscheinend benötigt der Kapitalismus diese Ungerechtigkeiten (Klassismen), um funktionieren zu können.
    Wie können wir den Kapitalismus überwinden? Ich weiß es nicht. Aber gegen die Alltagsungerechtigkeiten, gegen die alltäglichen kulturellen, sozialen, symbolischen und vor allem ökonomischen Klassendiskriminierungen vorzugehen, halte ich nicht für falsch, es erlaubt denjenigen, denen es besonders dreckig geht, vielleicht ein bißchen besseres Leben im Kapitalismus und es macht immer wieder aufs neue deutlich, dass der Kapitalismus nicht das Ende der Geschichte sein kann.

  13. 13 huhu 08. Oktober 2009 um 12:17 Uhr

    und es ist ungerecht, dass einige ein angenehmes Leben haben und andere nicht, nur aufgrund ihrer Herkunft.

    wohingegen es gerecht ist, wenn wirklich nur die dummen, die wirklich blöden die drecksarbeit machen und in drecksbuden hausen. denn das ist ja allemal abgewunken mit so einer position.

  14. 14 Andreas Kemper 09. Oktober 2009 um 5:14 Uhr

    wohingegen es gerecht ist, wenn wirklich nur die dummen, die wirklich blöden die drecksarbeit machen und in drecksbuden hausen. denn das ist ja allemal abgewunken mit so einer position.

    Das genau wäre Klassenrassismus in der klassischen Definition von Bourdieu: ein „Rassismus der Intelligenz“.

  15. 15 huhu 09. Oktober 2009 um 9:48 Uhr

    Aber anscheinend benötigt der Kapitalismus diese Ungerechtigkeiten (Klassismen), um funktionieren zu können.

    der witz ist doch, dass der kapitalismus keine ungerechtigkeiten benötigt. – im gegenteil: ungerechtigkeiten behindern den kapitalismus.
    du beschreibst selber zurecht, dass das deutsche bildungssystem antiquiert ist. dir ist aber doch sicher genauso klar, dass die kritik, die die oecd vorbringt, keine kapitalismkuskritik ist. sondern das genaue gegenteil: die antiquiertheit des deutschen bildungssystems, die mangelnde chancengleichheit behindern den kapitalismus. der vorwurf ist, dass humanressourcen nicht genutzt werden, weil da nach sozialer herkunft beurteilt wird. die oecd hat nichts dagegen, wenn jemand im dreck landet. die, die man für nichts weiter gebrauchen kann, kann man ruhig ans fließband schicken um sie dort auszubeuten. das kann nach meinung der oecd auch ein akademikerkind sein – so gerecht ist die oecd da.

    klassenrassismus wird es solange geben wie es den kapitalismus gibt. und je gerechter es zugeht im kapitalismus, umso mehr klassismus wird es geben! wenn alle gleich behandelt werden, dann wird der, der im dreck landet, schon minderwertig sein, so der schluss. derzeit hört man noch: wirklich gerecht geht es nicht zu! arbeiterkinder hatten nie eine wirklich chance. – das ist kein klassenrassismus. klassenrassismus ist, wenn man sagt: die chance war da, aber der mensch hat es nicht geschafft, weil minderwertig.
    derzeit gibt es noch ungerechtigkeiten – dann machen experten vorschläge, wie man die konkurrenz, das sortieren der leute in ein oben und unten, so gestalten kann, dass es gerecht ist – also wirklich nur die minderwertigen unten landen.

    auch du beklagst überhaupt nicht, dass es solche drecksjobs gibt – fließbandarbeit mit entsprechendem lohn und entsprechender lebenserwartung (um einige jahre weniger) –; das ist dir scheinbar eine selbstverständlichkeit. lediglich, dass da die falschen am fließband stehen, ist dir eine „ungerechtigkeit“.

  16. 16 Andreas Kemper 09. Oktober 2009 um 15:13 Uhr

    Du schreibst:
    der witz ist doch, dass der kapitalismus keine ungerechtigkeiten benötigt. – im gegenteil: ungerechtigkeiten behindern den kapitalismus.

    Jein… Der Kapitalismus scheint Ungerechtigkeiten zu benötigen, obwohl sie ihn behindern.
    Im Kapitalismus geht es um die Erhöhung der Profitrate – dies treibt den Kapitalismus an. Hier sind aber zwei Dinge wichtig:
    1. Der Kapitalismus muss die Arbeitskraft auch ideologisch reproduzieren, er muss Geld für den Staatsapparat abzwacken, um sich ideologisch und militärisch aufrecht zu erhalten.
    2. Die Ausbeutung ist nicht die einzige Quelle für die Steigerung der Profitrate und sie ist nicht beliebig steigerbar. Das heißt, der Kapitalismus braucht nicht nur eine Reservearmee zur Steigerung der Ausbeutbarkeit, sprich Hauptschulen, sondern er braucht auch eine hohe Studierdenquote, damit Ingenieure das konstante Kapital verbessern.

    Daher denke ich, dass sich der Kapitalismus Ungerechtigkeiten leisten muss. Die Verfechter des dreigliedrigen Schulsystems kämpfen für eine Privilegiensicherung, nicht für eine höhere Profitrate. Es ist eine politische Klasse, zusammengesetzt aus finanziell bessergestellten Eltern, GymnasiallehrerInnen, kirchlichen Vertretern und ihren parteipolitischen VertreterInnen, die mächtig genug sind, ihre Interessen gegen die Profitinteressen von OECD und Handwerkskammern durchzusetzen. Es handelt sich um einen Kompromiss: ihr opponiert nicht gegen den Kapitalismus als System, dafür verzichten wir auf eine zusätzliche Steigerung der Profitrate, die ein modernes kapitalistisches Bildungssystem mit sich bringen würde.

    du schreibst:
    wenn alle gleich behandelt werden, dann wird der, der im dreck landet, schon minderwertig sein, so der schluss […] derzeit gibt es noch ungerechtigkeiten – dann machen experten vorschläge, wie man die konkurrenz, das sortieren der leute in ein oben und unten, so gestalten kann, dass es gerecht ist – also wirklich nur die minderwertigen unten landen..

    So ist es eben nicht. Die Experten der Allierten haben direkt nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Direktive 59 den Deutschen ein Bildungssystem empfohlen, welches nicht so stark auf eine Selektierung nach sozialer Herkunft basiert. Es wurde in der sich konstituierenden BRD abgelehnt. Ein gutes Jahrzehnt später kam die Bildungskatastrophe. Es wurde erkannt, dass es in Deutschland zu wenig Ingeniereure gibt und es wurden mehr Arbeiterkinder zum Studium zugelassen. Dieser Prozess wurde Mitte der 1970er Jahre aber wieder gebremst. Seit 2000 drängt nun die OECD, dass Deutschland mehr Geld für Bildung ausgibt und sich vom privilegiensichernden Bildungssystem trennt. Dieser Streit ist soweit eskaliert, dass die OECD Deutschland zeitweise aus dem Kreis der Vorinformierten ausschloss.
    Es ist nicht so, dass diejenigen als minderwertig bezeichnet werden, die eine erwartete Leistung nicht bringen. Die Begabungsideologie sagt: mein Kind ist begabt, weil es mein Kind ist, auch dann, wenn es keine Leistung bringt. Hierfür werden ADHS, Legasthenie und Diskalkulie konstruiert. Dass Akademikerkind bekommt die Diagnose Diskalkulie und darf trotz schlechter Ergebnisse aufs Gymnasium, das Arbeiterkind bekommt die „Diagnose Kevin“ und landet auf der Hauptschule.

    du schreibst:
    auch du beklagst überhaupt nicht, dass es solche drecksjobs gibt – fließbandarbeit mit entsprechendem lohn und entsprechender lebenserwartung (um einige jahre weniger) –; das ist dir scheinbar eine selbstverständlichkeit. lediglich, dass da die falschen am fließband stehen, ist dir eine „ungerechtigkeit“.

    Das ist eine Unterstellung. Meine Eltern waren Fabrikarbeiter, die beide mit 14 in der Fabrik angefangen haben zu arbeiten. Mein Vater ist gestorben, als ich 16 war. Niemand soll gezwungen werden, sein Leben lang mit Akkord und in Schichtarbeit immer wieder die gleiche stumpfe Tätigkeit zu machen. Ich habe Bildungsurlaubsseminare für Opelarbeiter geteamt, bis aufgrund von Kürzungen in der Weiterbildung diese Stelle gestrichen wurde. Wie kommst du darauf, dass ich unwürdige Arbeitsbedingungen aufrechterhalten will?

    Welcher Arbeit notwendig ist und wie diese gestaltet sein soll und wie sie zu erbringen ist, das sind Fragen, die basis- und rätedemokratisch geklärt werden müssen.

  1. 1 In den letzten Tagen gelesen « Theorie als Praxis Pingback am 24. September 2009 um 23:10 Uhr
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