Sicher nicht letzte Worte zum Antideutschtum

1. Was für Antifaschismen gibt es?

Es gehört zum guten Ton, den Faschismus abzulehnen. Individuelle Gründe dafür gibt es so viele, wie ein Tausendfüßler Schuhe bräuchte, wollte er zivilisatorischen Mindeststandards genügen. Bei genauer Betrachtung lassen sich allerdings zwei Hauptgruppen derer unterscheiden, die den Faschismus ablehnen.
Kommunisten haben aus ihrer Staatskritik die Einsicht gewonnen, worum es sich beim Faschismus handelt: Um eine bürgerliche Herrschaftsform, die eine verkehrte Alternative zur verkehrten Demokratie ist, mit der sie sich allerdings viele Gemeinsamkeiten teilt, ohne mit ihr in allem identisch zu sein. Die Kommunisten also verteidigen die Demokratie folgerichtig nicht gegen die Freunde eines faschistischen Staatsprogramms, sondern unterziehen beides einer Kritik in der Absicht, eine staaten- und klassenlose Gesellschaft – den Kommunismus – zu erreichen.
Den deutlich größten Teil der Faschismusgegner machen allerdings die Liebhaber demokratischer Gewalt aus, allein deswegen, weil der Faschismus eine konkurrierende Staatsform ist; aus dem gleichen Grund positionieren sie sich ebenso gegen Realsozialismus, islamistische Diktatur, etc, und begreifen sich als antitotalitär und freiheitlich.
In ihrer radikalisierten Form werden sie zu linken, linksradikalen und sogar „revolutionären“ Antifaschisten. Aus der banalen Erkenntnis der Unterschiede zwischen Faschismus und Demokratie werden sie zu Parteigängern des demokratischen Staatswesens, welches unter allen Umständen vor seinem bösen faschistischen Bruder geschützt werden muß. Sie wählen also das „kleinere Übel“, statt dem ganzen Elend ein Ende zu setzen. Als „revolutionäre“ Antifaschisten wollen sie das allerdings doch irgendwie, da ihnen bekannt ist, wie schnell der Übergang von Demokratie zu Faschismus gehen kann. So bleibt die Demokratie zwar weiterhin das gar nicht so schlechte „kleinere Übel“, der Kommunismus als Option für die Zukunft kommt jedoch dazu. Leider ist ihre Kritik an der staatlich organisierten „Herrschaft des Volkes“ eine ziemlich blöde: Sie werfen ihr allen Ernstes vor, nicht genug gegen die Faschisten zu tun und den Übergang zum Faschismus also weder für alle Zeit ausschließen zu wollen noch zu können. Mehr haben sie im Grunde nicht auszusetzen an der „besten aller existierenden Gesellschaftsformen“.

2. Das Antideutschtum – Die neueste Form des „revolutionären“ Antifaschismus

a) Worum es auch gehen mag, es geht um Auschwitz

Die Antideutschen1 haben sich einen besonderen Dreh- und Angelpunkt ausgesucht, von dem aus sie absolut alles betrachten und einordnen: Die von den deutschen Faschisten und ihren Helfer vollzogene industrielle Vernichtung derer, die mittels der Nürnberger Rassengesetze als Juden identifiziert wurden. So lehnen sie die BRD ab, weil sie der Nachfolgestaat des Dritten Reiches ist, und entdecken dann auch überraschenderweise einige Gemeinsamkeiten. Daraus schließen sie jedoch nicht auf eine grundsätzliche Eigenschaft bürgerlicher Staaten, den ihnen Unterworfenen schädlich zu sein, sondern halten das demokratische Deutschland für noch lange nicht demokratisch genug, sondern „postfaschistisch“. Die Gewerkschaften kommen ihnen nazistisch vor, weil die Sozialpartnerschaft den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit scheinbar verschwinden läßt, also eine „Volksgemeinschaft“ entsteht, was ja eben alleiniges Kennzeichen des Nationalsozialismus sein soll. Passiert ähnliches in anderen Ländern, ist entweder der exportierte Deutschgeist am Werke oder es handelt sich um etwas ganz anderes. Das ist dann auch eines der Merkmale der antideutschen Ideologie: Man bewertet dasselbe unterschiedlich und Unterschiedliches gleich. Jedenfalls tut man alles dafür, um seinen interessierten Standpunkt nicht beiseite lassen und gescheit analysieren zu müssen.

b) Antideutsche Geschichtsschreibung

Wie gesagt, es geht immer um Auschwitz. Zu den antideutschen Basics gehört, von der Singularität der deutschen Judenvernichtung zu wissen. Somit verbietet sich ganz grundsätzlich jeder Vergleich, der, falls doch angestellt, automatisch als Relativierung deutscher Schuld gewertet wird. Größte Angst der Antideutschen ist dann auch die Ziehung eines Schlußstriches unter die deutsche Geschichte. Damit das bloß nicht geschieht, und weil Auschwitz halt doch vergangen ist, und obwohl Auschwitz ja singulär sein soll, muß es doch irgendwie wiederentdeckt werden, (fast) ganz egal wo. In Deutschland entdeckt man Auschwitz bzw. seine Bedingungen bevorzugt bei „Linksdeutschen“, im Rest der Welt hat man sich als Nachfolger deutscher Ottonormalvergaser die Moslems ausgesucht2. Damit denen diese Rolle halbwegs überzeugend zugeschrieben werden kann, durchwühlt man interessiert die Geschichtsbücher und entdeckt dann freudig den Mufti von Jerusalem, der nun mit einigen anderen nützlichen Antisemiten islamischen Glaubens als Beweis dienen darf, wie schlimm es um die islamische Welt bestellt ist, die mittlerweile sogar Neukölln einschließt.

c) Es geht um Auschwitz, also um Israel

Die antideutsche Weltanschauung wäre nicht komplett ohne ihre Lieblingsstaaten3. Dazu gehören natürlich die vier Alliierten, besonders die USA, die sich mit ihren Angriffskriegen auf Länder mit islamischer Bevölkerung höchst verdient gemacht hat. Bei der Sowjetunion ist man geteilter Meinung, mal überwiegt die Freude über den Einsatz im 2. Weltkrieg, mal die Empörung über Stalins Antisemitismus sowie seine „verkürzte Kapitalismuskritik“ und ähnliches. Zusätzlich schätzt man weitere Staaten, die von den Deutschen mit Krieg überzogen wurden, am meisten natürlich dann, wenn sie mittels Partisanen am Krieg teilnahmen (Jugoslawien z.B., weil die Region im 20. Jh. dreimal das Pech hatte, von deutschen Truppen angegriffen zu werden, und weil Titos Partisanen die Wehrmacht ohne fremde Hilfe rausgehauen haben). Der antideutsche Superstaat ist jedoch einer, der erst nach Ende der nationalsozialistischen Herrschaft gegründet wurde, nämlich Israel. Diesem Staat, begriffen als jüdische Emanzipation, schwört man bedingungslose Solidarität4, was auch immer geschehen mag. Begründet wird das durch seine angenommene Eigenschaft als einzige Instanz, die stets gewillt sein wird, eine Wiederholung des singulären Auschwitz zu verhindern, als „Schutzraum aller vom Antisemitismus Verfolgten“; die Kenntnis von Selbstmordattentaten in israelischen Diskotheken verwirrt da nicht weiter. Die übrige Staatenwelt wird dann danach sortiert, wie sie sich zu Israel stellt und einzig und allein nach diesem Kriterium beurteilt, gelobt oder angefeindet. Da Teile des Antideutschtums ein antiquiertes Mißtrauen gegenüber der deutschen Nation pflegen, ist man sich bei deren Beurteilung noch nicht völlig einig, im Zweifelsfall überwiegt (noch) die Verantwortlichkeit für den Holocaust. Liberale Abspaltungen gab es allerdings auch schon.

d) Vom antideutschen „revolutionären“ Antifaschismus zurück zur demokratischen Normalform

Die ganzen Widersprüche, in die sich die Antideutschen über die Jahre verwickelt hatten, (v)erklärten sie in typisch philosophischer Manier zur bewußten Methode: Alles ist dialektisch, also sein Gegenteil, und dessen Gegenteil erst recht, Parteinahme ist wichtig, nämlich gegen die links-rechts-antisemitisch-deutsch-islamische Weltverschwörung und für Israel. Warum? Wegen der Dialektik. Manchen wurde dieses ewige Hin und Her zwischen Liberalismus und Kommunismus, zwischen Solidarität zu imperialistischen Weltordnungskriegen und Staatskritik, zwischen Markenklamotten feiern und Kapitalismus blöd finden, zu dumm und sie wurden ganz einfach wieder normale Demokraten. Andere machten aus dem Antideutschtum eine weitgehend entpolitisierte, hedonistische Partyszene mit besonderem Merchandise. Der Rest schreibt Zeitungen voll, die keiner liest und hört Schönberg.

e) Wenn schon Fehler machen, dann richtig: Die Antideutschen und die Psychoanalyse

Als wenn das alles nicht schon mehr als genug wäre, um das Antideutschtum links liegen zu lassen und sich marxistischer Kritik der politischen Ökonomie zu widmen, kommt noch die antideutsche Liebe zur Psychoanalyse hinzu. Man hält es nicht für möglich, dass Menschen Fehler machen und durch verkehrte Schlüsse zu verkehrten Standpunkten kommen. Immer soll mindestens eine psychische Instanz beteiligt gewesen sein, wenn einer den Juden die Schuld am mangelnden Erfolg „seiner“ Nation gibt, Dunkelhäutige erschlägt oder suicide bomber wird. Natürlich war schon die Freudsche PA ein Haufen blöder Irrtümer5. Das stört die Antideutschen selbstredend genauso wenig wie es ihnen auffällt, wie sie durch ihre penetrante Leugnung von Wille und Bewußtsein all die bösen, bösen Menschen von jeder Verantwortung für ihre Gedanken und Taten freisprechen. Würden sie wenigstens einmal den selbsterzeugten Widerspruch nicht dialektisch „aushalten“ wollen, sondern auflösen, müssten sie konsequenterweise die Pharmaindustrie zur Entwicklung von Anti-Antisemitismus-Pillen auffordern.

  1. Antideutsch kann in diesem Text gerne ersetzt werden durch post-, pseudo- und möchtegernantideutsch. Wer gemeint ist, dürfte jedem klar sein. [zurück]
  2. Die Moslems und ihre „willigen Helfer“ entdeckt man natürlich auch in Deutschland, so wie man „linksdeutsche Umtriebe“ weltweit entdeckt, wo es sich um stinknormale Linke handelt. Man spricht zur Verdeckung dieses Widerspruchs gerne von der „deutschen Ideologie“, die jeden, sogar Juden, befallen kann. [zurück]
  3. Zumindest zeitweilig solidarisierte man sich mit Dänemark, das einige antimuslimische Karikaturisten aufzuweisen hatte. [zurück]
  4. Mit einer richtigen Kritik an antisemitischer Hetze gegen Israel können sich Antideutsche schließlich nicht begnügen. Das wäre für sie eine inkonsequente Parteinahme, die selbst schon wieder schnell umschlagen könnte in Vernichtungsphantasien… [zurück]
  5. Etwas mehr dazu hier und hier. [zurück]

25 Antworten auf “Sicher nicht letzte Worte zum Antideutschtum”


  1. 1 Charlie 26. Mai 2008 um 18:07 Uhr

    Ein Beispiel antideutscher Geschichtsphilosophie (2c) als Beleg dafür, welche verheerenden Folgen eine zu intensive Bruhn-Lektüre nach sich ziehen kann.

  2. 2 Charlie 26. Mai 2008 um 18:10 Uhr

    Es geht insbesondere um diese Passage:

    „Nur ist der israelische Staat nicht irgendein Staat, er ist der zum Staat gewordene Emanzipationsversuch des 20. Jahrhunderts. (…) Es war die real gewordene Auflehnung gegen die Begrenztheit von Schtetl und Ghetto und zugleich ein jüdisches Einfordern der Versprechen der Aufklärung, den Menschen ihre Ängste zu nehmen und stattdessen sie zu den HerrInnen ihres eigenen Schicksals zu machen. So waren es die ZionistInnen die diese Aufklärung am treusten blieben. Nur der Communismus hätte dieser Emanzipationseinforderung überflüssig gemacht. Genau dieser Umstand, dass Israel das eigentlich communistische Erbe des 20. Jahrhunderts (es war eben auch das kommunistischen Jahrhundert, nicht nur das Jahrhundert Auschwitz’s) anzusehen ist, macht ihn nicht zu einem solch bekackten Staat wie der Rest der Staaten.“

  3. 3 kaputt 26. Mai 2008 um 18:56 Uhr

    „Begründet wird das durch seine angenommene Eigenschaft als einzige Instanz, die stets gewillt sein wird, eine Wiederholung des singulären Auschwitz zu verhindern, als „Schutzraum aller vom Antisemitismus Verfolgten“; die Kenntnis von Selbstmordattentaten in israelischen Diskotheken verwirrt da nicht weiter.“

    Wenn deine Kritik ist, dass die Israelis das Ziel von Attentaten sind, musst du ja das militärische Vorgehen Israels gegen Hamas und co. gutheißen, sonst wäre deine Argumenattion in diesem punkt höchst widersprüchlich.

  4. 4 crull 26. Mai 2008 um 19:21 Uhr

    Nein, die Kritik geht anders: Es geht um die Idealisierung Israels, das die Zwecke, die es erfüllen soll, gar nicht erfüllen kann. Die Antideutschen machen da halt einen ihrer vielen Fehler: Statt den Antisemitismus als Folge des staatlich organisierten Kapitalismus zu erkennen und den richtigen Schluß zu ziehen, dass nur das Ende des Kapitalismus inkl. Staaten ein Ende des Antisemitismus bewirken kann, verklären sie den Antisemitismus als vom „gewöhnlichen“ Rassismus völlig Unterschiedliches, als nur psychoanalytisch Fassbares bzw. sogar als gar nicht begreifbar. Richtig ist allerdings, dass Israel sich und mittelbar seine Bürger (die es ja schließlich benutzen will in der internationalen Staaten- und Wirtschaftskonkurrenz) mit seiner Staatsgewalt gegen Hamas und Konsorten verteidigt. Allerdings nutzt es genau diese Bürger, als deren Schutzmacht es auftritt, als menschliche Ressource für Militär etc. und kalkuliert ihren Tod selbstredend ein. Ein „Sachzwang“ sozusagen, der zwar ganz andere Gründe hat als der Tod durch explodierende Sprengstoffgürtel, den Betroffenen mitunter aber genauso schlecht bekommt.

  5. 5 kaputt 26. Mai 2008 um 20:27 Uhr

    „Statt den Antisemitismus als Folge des staatlich organisierten Kapitalismus zu erkennen und den richtigen Schluß zu ziehen, dass nur das Ende des Kapitalismus inkl. Staaten ein Ende des Antisemitismus bewirken kann,“

    Achso, das amchen die nicht? Dann muss ich ja echt übelst betrunken gewesen sein, dass ich das bis jetzt in jedem zweiten Text von Antideutschen zur Kapitalismuskritik so verstanden hab.

    „verklären sie den Antisemitismus als vom “gewöhnlichen” Rassismus völlig Unterschiedliches“
    Das Antisemitismus ohne rassistische Komponente nicht funktioniert ist klar, aber dass es unterschiedliche Phänomene sind sollte ebenso klar sein.

    „…sogar als gar nicht begreifbar“
    wtf? Quelle?

    Noch mal ganz Klar, im Text kritisierst du, dass Israel seinem angenommenen Zweck, eben Schutzraum für Juden und Jüdinnen zu sein, nicht gerecht wird.
    Die Argumenation läuft ja darauf hinaus, dass die Kritik nur dann keinen Bestand mehr hat, wenn Israel alles tut um den Zweck zu erreichen, also die Liquidierung möglichst vieler Terroristen die Israelis gefährden. Willkommen im Antideutschen Lager…

    btw gibt es afaik keinen Staat der so konsequent versucht seine Bürger vor einem gewaltsamen Tod zu schützen. Für die interstaatliche Konkurrenz wärs ja auch nicht so der Hammer wenn von den Tatsächlich nur 7 Millionen Einwohnern ein ganzer Teil mal eben „selbstredend“ als Verlust verbucht wird. Übrigens, ohne „Sprengstoffgürtel“ kein Sachzwang, da beißt sich die Katze in den Schwanz.

  6. 6 crull 27. Mai 2008 um 17:12 Uhr

    @ kaputt:

    „Dann muss ich ja echt übelst betrunken gewesen sein, dass ich das bis jetzt in jedem zweiten Text von Antideutschen zur Kapitalismuskritik so verstanden hab.“

    Das ist so ähnlich wie mit der SPD, die lange, lange Zeit als Zugeständnis an die radikaleren Teile der Arbeiterbewegung den Sozialismus als Fernziel im Parteiprogramm stehen hatte.

    „Das Antisemitismus ohne rassistische Komponente nicht funktioniert ist klar, aber dass es unterschiedliche Phänomene sind sollte ebenso klar sein.“

    Nein. Warum auch? :D

    „“…sogar als gar nicht begreifbar”
    wtf? Quelle?“

    Lies deinen Adorno einfach mal genauer. Wenn das zu anstrengen sein sollte, dürfte auch die Bahamas reichen…

    „Noch mal ganz Klar, im Text kritisierst du, dass Israel seinem angenommenen Zweck, eben Schutzraum für Juden und Jüdinnen zu sein, nicht gerecht wird.“

    Eigentlich kritisiere ich, dass die Antideutschen sich in Punkto Israel mal wieder einen offensichtlichen Widerspruch leisten.

    „Die Argumenation läuft ja darauf hinaus, dass die Kritik nur dann keinen Bestand mehr hat, wenn Israel alles tut um den Zweck zu erreichen, also die Liquidierung möglichst vieler Terroristen die Israelis gefährden.“

    Nein. Staaten bekommen ihren Bürgern niemals gut. Dafür sind sie auch nicht da. Die Bürger bilden das Menschenmaterial, das die Staaten mehr schlecht als recht „pflegen“, um es einzusetzen in der Staatenkonkurrenz, und das sie bereit machen, um das fremde Eigentum der Kapitalisten zu vermehren (für den Staat springt da durch verschiedenste Steuern natürlich einiges bei raus).

    „Willkommen im Antideutschen Lager…“

    „Lager“? lol!

    „btw gibt es afaik keinen Staat der so konsequent versucht seine Bürger vor einem gewaltsamen Tod zu schützen. Für die interstaatliche Konkurrenz wärs ja auch nicht so der Hammer wenn von den Tatsächlich nur 7 Millionen Einwohnern ein ganzer Teil mal eben “selbstredend” als Verlust verbucht wird.“

    Dir ist jetzt aber schon bewußt, dass die IDF ein Militär darstellen, welches für Staatszwecke eingesetzt wird? Und klar, welcher Staat hat schon Bock darauf, sich seine menschlichen Ressourcen wegbomben zu lassen? Die sollen, wenn schon, im Einsatz für die Nation draufgehen.

    „Übrigens, ohne “Sprengstoffgürtel” kein Sachzwang, da beißt sich die Katze in den Schwanz.“

    Seit wann benutzen Antideutsche denn die „Gewaltspirale“ als Argument?

    Eins noch: Eigentlich habe ich hier nicht über Israel schreiben wollen, leider läßt sich das, wie in dieser Diskussion mal wieder bewiesen, kaum machen, wenn man sich das Antideutschtum als Objekt der Kritik rausgesucht hat.

  7. 7 kaputt 27. Mai 2008 um 17:48 Uhr

    Wo hab ich denn was von Gewaltspirale geschrieben? Dass deine Argumentation sich im Kreis dreht bedeutet ja nicht, dass es ne Gewaltspirale gibt.

  8. 8 jägerzaun 27. Mai 2008 um 23:04 Uhr

    was solls

  9. 9 classless 28. Mai 2008 um 18:06 Uhr

    „Die Kommunisten also verteidigen die Demokratie folgerichtig nicht gegen die Freunde eines faschistischen Staatsprogramms, sondern unterziehen beides einer Kritik…“

    Wenn es sich nicht um eine Ausrede dafür handelt, lieber zuhause zu bleiben statt Verletzungen oder Verhaftungen zu riskieren, dann würde sich die Kritik an beidem und die Bekämpfung des einen nicht ausschließen.

    „Sie wählen also das „kleinere Übel“, statt dem ganzen Elend ein Ende zu setzen.“

    Die Nazis zu bekämpfen, ist ganz konkret möglich und nötig; den Kommunismus einzurichten ist ungleich schwieriger und gerade im Moment keine ernsthafte Option. Dennoch schließen sich beide Betätigungen – antifaschistische Aktion und soviel Vorbereitung des Kommunismus wie möglich – überhaupt nicht aus.

    „Sie werfen ihr allen Ernstes vor, nicht genug gegen die Faschisten zu tun und den Übergang zum Faschismus also weder für alle Zeit ausschließen zu wollen noch zu können. Mehr haben sie im Grunde nicht auszusetzen an der „besten aller existierenden Gesellschaftsformen“.“

    Das ist doch Bullshit – die Idee an Autonomer Antifa ist ja zum großen Teil, daß man der Staatsgewalt in Bezug auf die Bekämpfung der Nazis nicht über den Weg traut. Es geht ja gerade darum, daß auf die bürgerliche Gesellschaft an dieser Stelle kein Verlaß ist, daß man sich selbst des Problems annehmen muß.

    Natürlich gibt es diese Staatsidealisten, aber deren Existenz ist kein triftiger Grund, die Bekämpfung der Nazis einzustellen. Vielleicht wirst du nicht akut von Nazis bedroht, aber das geht vielen Menschen anders. Und dann ist es ungefähr genauso dumm, sich bei dieser akuten Bedrohung Abhilfe von einer irgendwann stattfindenden gesellschaftlichen Umwälzung zu erhoffen wie sich auf den Staat zu verlassen.

  10. 10 tee 29. Mai 2008 um 4:44 Uhr

    Die Nazis zu bekämpfen, ist ganz konkret möglich und nötig; den Kommunismus einzurichten ist ungleich schwieriger und gerade im Moment keine ernsthafte Option.

    ach, der staat schadet wohl „ganz konkret“ keinem und deswegen ist es auch nicht ganz konkret möglich und nötig ihn zu bekämpfen, oder wie?
    ausserdem sehe ich die nazis genauso schwierig verschwinden zu lassen wie „den kommunismus einzurichten“. hmm… könnte man glatt auf den abwegigen gedanken kommen, beide probleme hängen irgendwie (untrennbar) zusammen …

    Dennoch schließen sich beide Betätigungen – antifaschistische Aktion und soviel Vorbereitung des Kommunismus wie möglich – überhaupt nicht aus.

    ach classless, gleichzeitig pinkeln und soviel rauchen wie möglich mag ja gehen, aber „antifaschistische Aktion“ und „Vorbereitung des Kommunismus“? in der zeit die mit der antifa-action „vertan“ wird, könnte man schliesslich auch den kommunismus „vorbereiten“. denn sollte beides gleichzeitig vollends („soviel wie möglich“) möglich sein, müsste es schon identisch sein. doch isses nun mal eben nicht!

    und „bekämpfung“ von nazis würde ich eher durch „abwehr“ ersetzen. ungeziefer bekämpft man. oder unkraut. aber gut, du jätest wahrscheinlich auch mit der nagelschere …

  11. 11 tee 29. Mai 2008 um 5:01 Uhr

    jo, genau das wird dann auch mehr als oft von antifas kritisiert: dass der staat seiner aufgabe („an dieser stelle“!) nicht nachkommt und sie sich des problems selber annehmen müssen. würde der staat die faschisten effektiv bekämpfen, hätten sie auch gar nichts mehr gegen ihn einzuwenden.

    warum auch, die faschisten sind ja das problem …

  12. 12 tee 29. Mai 2008 um 5:09 Uhr

    mist. am anfang sollte dieses zitat stehen:

    Es geht ja gerade darum, daß auf die bürgerliche Gesellschaft an dieser Stelle kein Verlaß ist, daß man sich selbst des Problems annehmen muß.

    und worauf bei der bürgerlichen gesellschaft verlass ist sollte einleuchten: nämlich beim durchherrschen der eigentumsordnung zum schaden der meisten untertanen. aber gut, erfrierende obdachlose sind halt kein problem im gegensatz zu von nazis totgeschlagenen obdachlosen …

  13. 13 classless 29. Mai 2008 um 10:21 Uhr

    „würde der staat die faschisten effektiv bekämpfen, hätten sie auch gar nichts mehr gegen ihn einzuwenden.“

    Nein, dann würde der Staat bloß die Faschisten effektiv bekämpfen. Was ich nicht erwarte. Und was ihn nicht zum Guten erhebt. Ist denn das bißchen Dialektik schon zu viel verlangt?

  14. 14 bigmouth 29. Mai 2008 um 11:40 Uhr

    natürlich MUSS da kein widerspruch sein sein zwischen antifaschismus und kommunistischer agitation. faktisch gesehen besteht der aber oft genug, wenn antifa fokus allen politikbestrebens ist. dann verplempern leute ihre zeit mit nazizoologie (nazis im heavy metal, nazis im fußball, weibliche nazis…), spielen verfassungsschutz, hacken naziwebsites, machen demos, blockieren demos, und machen sonst gar nix

  15. 15 classless 29. Mai 2008 um 16:35 Uhr

    „natürlich MUSS da kein widerspruch sein“

    Naja, aber so ist es irgendwie nicht formuliert. Der Beitrag spricht von Wesenseigenschaften und nicht von Mehrheiten oder Möglichkeiten.

  16. 16 Charlie 29. Mai 2008 um 16:52 Uhr

    Um einen falschen Gegensatz auszuräumen und zu verhindern, dass auch diese Diskussion an dem Punkt mal wieder in einer Endlosschleife endet: Niemand hier wird ernsthaft bestreiten, dass Kommunisten natürlich gezwungen sind, praktische Maßnahmen zu ergreifen, um sich und ihre Politik gegen Angriffe zu verteidigen. Das betrifft aber wohlgemerkt nicht nur die Gefahren, die von Nazis ausgehen. Auch Demokraten verfügen bekanntlich über Mittel mit beträchtlicher Durchschlagskraft und setzen diese auch ein. Und selbst manche „Linke“ sind in dieser Beziehung erfahrungsgemäß nicht gerade zimperlich. D.h. also: Der (u.a.) antifaschistische Selbstschutz ist selbstverständlich Bestandteil kommunistischer Politik, macht diese aber mitnichten zum Antifaschismus.

    Sollte in diesem Punkt Einigkeit bestehen, dann könnte man sich dem eigentlichen Dissenz zuwenden. Und der dürfte ja wohl darin bestehen, ob die Frage nach dem größeren oder kleineren Übel nicht bereits der Fehler ist, wenn man sich einmal klar gemacht hat, dass das System von Geschäft und Gewalt als solches ins Visier genommen und bekämpft gehört, egal in welcher Variante. Demokratie und Faschismus sind und bleiben „feindliche“, aber eben auch „Brüder“ mit dem identischen Zweck: dem Erfolg der Nation!

  17. 17 classless 29. Mai 2008 um 17:30 Uhr

    Zumindest in meiner Erfahrung ist es viel häufiger so rum, daß Antifa-Aktive außerdem umtriebig in kommunistischer Agitation sind (um das mal mit einem schiefen Begriff zusammenzufassen), während GSP-style Staatskritiker umgekehrt eher selten bei Antifa-Aktionen zu sehen sind.

    Oder täusche ich mich da?

  18. 18 bigmouth 30. Mai 2008 um 15:18 Uhr

    der inhalt dieses zweckes (wehrbauern in osteuropa vs. gute aussehandelsbilanz), und die mittel zu diesem unterschieden sich aber erheblich. was gewonnen sein soll darüber, eien angebliche identität zu behaupten, erschließt sich mir nicht

  19. 19 classless 30. Mai 2008 um 18:40 Uhr

    Hier ist irgendwie ein Kommentar von mir verlorengegangen, also noch mal:

    In meiner Erfahrung sind antifaschistisch Aktive erheblich eher auch mit, say, kommunistischer Agitation befaßt als umgekehrt GSP-style Staatskritiker bei Antifa-Aktionen anzutreffen sind.

    Oder täuscht mich da mein Eindruck?

  20. 20 classless 31. Mai 2008 um 10:56 Uhr

    @crull
    Kannste mal bitte meinen letzten Kommentar aus dem Müllschlucker ziehen?

  21. 21 deadrat 04. Juni 2008 um 11:08 Uhr

    Dankeschoen an die vielen Beitraege (u.a. von Bigmouth). Bin ich nicht der einzige, der so denkt.

    Antifas (zumindest in Berlin) verplempern ihre Zeit naemlich tatsaechlich mit Nazizoologie, anstatt mal ne adaequate Kritik zu leisten und ne tatsaechlich kommunistische, linksradikale Praxis gemeinsam zu entwickeln, jenenseits von in BVVen rumsitzen, Staatsschutz spielen und Leute fuer ihr wahlweise Palituch oder TS-Pulli anzukacken.
    Naja, im prinzip haett ich ja gar kein Problem damit, wenn die das machen, wenn sie nur diesen nervigen wir sind linksradikal&emanzipatorisch-Stempel ablegen wuerden, dann haette man tatsaechlich mal Kapazitaten in der Linken fuer wirklich wichtige DIinge frei, nicht fuer Randgruppenschelte.

  22. 22 tee 04. Juni 2008 um 23:23 Uhr

    Antifas (zumindest in Berlin) verplempern ihre Zeit naemlich tatsaechlich mit Nazizoologie, anstatt mal ne adaequate Kritik zu leisten und ne tatsaechlich kommunistische, linksradikale Praxis gemeinsam zu entwickeln […]

    haha, das ist doch das zweite problem. dass die sich auch immer öfter anmassen aus ihren festgestellten abweichungen von der demokratischen normalität eine (womöglich „kommunistische“) kritik („am ganzen“) zu basteln. von ernsthaften interventionen mal ganz zu schweigen.
    wie soll aus einer real notwendigen politik, die sich aus den falschen verhältnissen ergibt, denn ein revolutionäres konzept, eine „kommunistische praxis“, ergeben? nee nee, eher wird bringen uns noch die feminist/innen euren vielbeschworenen kommunismus …

  23. 23 Normalbürger 26. Juni 2008 um 14:53 Uhr

    Meine Herren.
    Öfter mal bimsen und mittelschwere Feldarbeit, dann kommt ihr nicht mehr auf so bescheuerte Ideen…..

  24. 24 crull 10. August 2008 um 17:58 Uhr

    @ bigmouth: Die Identität von Faschismus und Demokratie ist doch keine angebliche – allerdings ist sie keine totale. Das, was identisch ist, muß als identisch bezeichnet werden, die Unterschiede müssen benannt werden.

    @ classless: Ob „GSP-style Staatskritiker bei Antifa-Aktionen anzutreffen sind“ oder nicht, ist doch egal, da es gar nichts aussagt über die Kritik der Leute, wenn man von ihnen weiß, ob sie nun auf Antifademos mitlatschen, Faschisten hauen oder irgendwas anderes machen. Das gilt natürlich nicht bloß für Freunde der grauen Vierteljahreszeitschrift.

  1. 1 Die Hymne der Antifaschist_innen « Reiten, lesen, Freund_innen treffen Pingback am 29. Mai 2008 um 14:18 Uhr
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