Das Gespräch Teil 2

Hektor und ich sitzen wie gehabt in einem anheimelnden Ausflugscafé in der unmittelbaren Umgebung des wunderschönen Memmingen und sprechen das Band eines geliehenen Diktiergerätes mit Belanglosigkeiten voll, wie sie einem durch den Kopf gehen, wenn man in einem anheimelnden Ausflugscafé in der unmittelbaren Umgebung des wunderschönen Memmingen sitzt und das Band eines geliehenen Diktiergerätes undsoweiterundsofort. Mögen die Leser, gleich welcher X- und Y-Chromosomenzusammenstellung, sich beim Lesen erfreuen.

Crull: Ok, also Waffen statt KP?

Rottweiler: Schreib das nicht, am Ende hält man mich für einen Terroristen und filmt mich heimlich beim Nacktputzen.

Crull: Du putzt nackt?

Rottweiler: Nein.

Crull: Sondern?

Rottweiler: Gar nicht.

Crull: Hätte ich mir denken können. Themenwechsel: Homosexualität?

Rottweiler: Was?

Crull: Das ist doch auch so ein Thema, auch in der Linken, darüber sollten wir mal geredet haben.

Rottweiler: Wenn du meinst… Ist mir egal, was die Leute so machen, der Begriff ist ja auch eigentlich blöd. Aus Leuten, die gerne mit Pferde verkehren, sexuell jetzt, macht man ja auch keine Hipposexuellen. Womit ich jetzt nicht sagen will, daß Homosexualität dasselbe wäre. Also… Ach, vergiß es. Mir fällt grad auf, in meinem Umfeld gibt es niemanden, der homosexuell wäre. Zumindest hat mir das niemand erzählt. Ich lasse mir aber sonst ebenso keine Bettgeschichten erzählen. Könnte also sein, ich kenne nur Homosexuelle.

Crull: Und was ist mit dir?

Rottweiler: Ich bin ein romantischer Wichser.

[Gelächter. Crull nimmt durch einen milchigweißen Strohhalm einen kleinen Schluck Orangensaftschorle zu sich und denkt an Pulp Fiction. Rottweiler trinkt an seinem Bier, das danach übrigens so halbvoll wie halbleer zu sein scheint und verschluckt sich. Crulls ungeschickter Versuch, Rottweilers Hustenanfall durch beherztes Klopfen auf den Rücken zu beenden, führt beinahe zum Umkippen des Bierglases, was Rottweiler gerade noch so zu verhindern weiß. Ergänzungshalber sei angemerkt: Ein Bierglas ist dann, wenn man überlegt, ob es nun halbvoll oder -leer sei, weder das eine noch das andere, sondern deutlich leerer. Denn Zapfer füllen ein Glas nie ganz, also nie randvoll. Die Sache sieht finster aus.]

Rottweiler: Was geht dich das eigentlich an? Du willst dein popeliges Weblog doch bloß mit den abgründigen Geheimnissen des Rottweiler füllen, aufwerten, veredeln. Das könnte dir so passen. Das nächste Thema bestimme jetzt ich.

Crull: Ist mir recht. Worüber willst du reden?

Rottweiler: Weiß nicht.

Crull: Auch gut. Mir fiel grad wieder diese Szene aus Pulp Fiction ein, in der Uma Thurman so ein Viereck mit ihren Fingern zeichnet. Hast du verstanden, was das bedeuten soll?

Rottweiler: Nein.

Crull: Warum denn so wortkarg auf einmal?

Rottweiler: Du stellst einfach dämliche Fragen. Ich bin kein Lexikon, das zu jedem Stichwort einen Eintrag hat.

Crull: Entschuldige. Dann erzähle ich einfach mal was. Bei meinem täglichen Studium des Videotextes bin ich auf die Bezeichnung „Tiefkühl-Babys“ gestoßen. Das ist doch unglaublich. Da sitzt also, muß man sich vorstellen, einer, dem zu dieser Geschichte von der Frau, die drei ihrer Babys getötet und in einer Tiefkühltruhe versteckt hat, nur etwas ein, das wie ein Fertiggericht klingt.

Rottweiler: Das ist doch recht witzig. Der hat sicher gelacht, als er das in diesen Videotext geschrieben hat. Wieso liest du sowas überhaupt? Da kann man doch auch die Bild klauen, da sind immerhin Bilder drin.

Crull: Naja, so gesehen hast du recht.

Rottweiler: Ja. Der Videotext ist nichts anderes als ein bourgeoises Mittel, das Proletariat von der Revolution abzuhalten, indem man es sich ständig wundern läßt über Tiefkühlbabys und dergleichen. Stalins Killeraffen, Hitlers Mondarmee und der ganze Scheiß, alles das gleiche.

Crull: Du meinst ernsthaft, der Videotext hält dich vom revolutionieren ab? Mach dich nicht lächerlich…

Rottweiler: Seit wann bin ich bitte das Proletariat? Ich bin seine Avantgarde und daher naturgemäß immun gegenüber Videotexten aller Sorten.

Crull: Also gehört der Videotext abgeschafft?

Rottweiler: Ach, solange wenigstens du dich darüber aufregen kannst, lassen wir den doch einfach so, wie er ist.

Crull: Lieb von dir, danke. Mit dem Videotext kann man sich außerdem über die aktuellen Ergebnisse der Bundesligapartien informieren, wenn man weder Radio noch Internet daheim hat. Das kommt dir doch entgegen. Wenn ich jetzt noch öfter Videotext sage, bricht meine Zunge mitten durch.

Rottweiler: Sag mal Kaffee, ganz schnell hintereinander.

[Crull macht das. Nach kurzer Zeit stoppt er und schaut Rottweiler ein wenig ärgerlich an.]

Crull: Kindskopf.

Rottweiler: Jetzt hätte ich mich fast wieder verschluckt. Du kennst ja selbst die ältesten Scherze nicht. Brems mich, sonst fange ich an, Häschenwitze zu erzählen.

Crull: Allah bewahre!

Rottweiler: Bist du jetzt Moslem?

Crull: Nein, ich reflektiere nur sozusagen meine Sprache und hoffe darauf, mal wieder als Islamversteher beschimpft zu werden.

Rottweiler: Dann wirst du auch bald beim Nacktputzen gefilmt!

Crull: Mache ich ja auch nicht. Aber vielleicht sollte man damit anfangen. Nacktputzer erscheinen mir jedenfalls als höchst unverdächtig, was Attentate angeht.

Rottweiler: Wer weiß. Wenn du im Videotext dann liest, ein Nacktputzer hat sich mit seinem Flugzeug auf einen Castortransporter gestürzt, dann hast du dich geirrt.

Crull: Die sind doch verboten jetzt, oder?

Rottweiler: Nacktputzer?

Crull: Nein, Castortransporte.

Rottweiler: Achso. Das fände ich jetzt ganz lustig. Die Grünen führen Krieg, die SPD ruiniert das Proletariat noch ein gutes Stück mehr und Merkel schützt uns vor Atomzügen. Toll. Es wird sowieso Zeit für eine bundesdeutsche Einheitspartei, dann muß ich mir beim Tramfahren nicht mehr anhören, was die Trottel wählen wollen und warum das total richtig ist oder wenigstens das kleinere Übel. Ist doch ekelhaft. Als wäre dieses Wählen auch nur im Ansatz was Richtiges. Solchen Leuten traue ich zu, die sitzen im Folterkeller und überlegen sich selbst noch die schönste Art, brutal und blutig zu Tode zu kommen.

Crull: Tun sie ja auch, im übertragenen Sinn meist und manchmal wirklich genau so. So Deppen, die sagen, ja, ich geh jetzt am besten zur Bundeswehr, dann knallen die Musels mich wenigstens nicht auf dem Weg zur Arbeit ab, sondern in Afghanistan, oder so ähnlich.

Rottweiler: Tja, so verhetzt sind die Menschen mitunter. Mich bedrückt da am allermeisten, daß auch wir beide da so hineingezogen werden, in diese ganzen Konflikte der Nationen dieser Welt. Ich für meinen Teil möchte weder von Islamisten in die Luft gejagt werden, weil man mich für ein Stück Deutschland, westliche Welt oder so hält, noch verspüre ich die geringste Lust, vom deutschen Staat in ein Kriegsgebiet verschleppt zu werden, damit ich dort dann für seine Interessen sterben oder töten darf.

Crull: Werden wir ja bereits jetzt. Man läßt uns arbeiten für fremdes Eigentum und der Staat nimmt sich Steuern, die dann in Munition umgewandelt werden, die dann Körper irgendwelcher Leute durchschlägt. Mal kurz gesagt. Unsere Machtlosigkeit ist total, kann man sagen.

Rottweiler: Noch‘n Pils, bitte.

Crull: Ich nehme zur Abwechslung eine Traubensaftschorle.

Rottweiler: Du wilder Hund! Du fährst bestimmt ein Moped.

Crull: Ich fahre Auto, allerdings nur bei, ich habe ja keinen Führerschein.

Rottweiler: Also ein wilder Antifaschist, um mal diesen alten Witz zu bemühen. Den kennst du sicher auch nicht.

Crull: Doch, doch.

Rottweiler: Wenn das Wasser der Saale Sambuca wär, Streichholz rein, Kaffeebohne rein, und ich trinke die Saale leer.

Crull: Hä?

Rottweiler: Fiel mir nur so ein, habe ich bei Rainald Grebe aufgeschnappt. Solltest du dir mal anhören, das Lied, sehr lustig und sogar schön. Auch klug. Der Rest ja auch.

Crull: Nimm mir das doch auf Kassette auf, bei Gelegenheit.

Rottweiler: Gerne. Was hörst du eigentlich derzeit?

Crull: Hmm. Mission Of Burma, das ist ja auch tageskatastrophisch gesehen aktuell. Auch Superpunk immer wieder gerne. Da singe ich sogar mit. Dann oft noch The Cure, da weine ich dann eher mit. Deine Jazzcoretapes rühre ich allerdings eher selten an, muß ich zugeben.

Rottweiler: Dachte ich mir schon.

Crull: Bestellen wir uns ein Stück Streuselkuchen?

Fortsetzung folgt.


3 Antworten auf “Das Gespräch Teil 2”


  1. 1 apictureaday 09. Mai 2008 um 13:53 Uhr

    uma thurman sagt in dieser szene „don‘t be a square!“, was soviel heisst wie „sei kein frosch.“ und deshalb auch die geste.

  2. 2 Bellizistensau 11. Mai 2008 um 13:30 Uhr

    ach, ihr ins hirn gefickten islamfaschisten labert ja eh nur irrelevante scheiße…. leitet mal eure nekrose ein, aber biddebidde schnell!

  3. 3 ascetonym 11. Mai 2008 um 13:53 Uhr

    Sei kein Spießer, meint sie…

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