Archiv für April 2008

Lustig eigentlich

BND-Mitarbeiter werden für Bespitzelung bestraft

Mädchenarbeit

Gut, daß es den Girls‘ Day gibt:

Zahlreiche Plätze in Unternehmen, Forschungszentren und weiteren Einrichtungen stehen zur Zeit schon bereit. Dort können Schülerinnen ab Klasse 5 in Berufsbereiche schnuppern, in denen bisher erst wenige Frauen arbeiten. Dank der spezifischen Ansprache von Mädchen bietet der Girls’Day die Möglichkeit, techniknahe Berufe frei von Geschlechterklischees bei spannenden Mitmach-Aktionen auszuprobieren.

Wirklich toll, wie fürsorglich die wirtschaftliche Emanzipation daherkommt: Schließlich soll nicht bloß der doppelt freie Arbeiter, sondern auch die doppelt freie Arbeiterin ordentlich malochen für’s Kapital. Denn was soll das auch, wenn die arbeitsfähige Bevölkerung sich nicht bereit macht für jeden Job, den die Wirtschaft so „anbietet“?
Der „LandesArbeitsKreis (LAK) Geschlechtergerechtigkeit der GRÜNEN JUGEND Bayern“ findet sowas naturgemäß ganz dufte:

Der Girls‘ Day ist 1993 in den USA gestartet worden und soll Mädchen und jungen Frauen helfen sich in der Berufswelt zu orientieren. Vor allem soll der Blick freigemacht werden für die eher untypischen Berufe, also so genannte „Männerberufe“. Mit begleitenden Workshops und Vorträgen, ist der Tag bundesweit eine Gelegenheit, die Unternehmen den Mädchen bieten, sich alles anzuschauen und erklären zu lassen. Dadurch sollen die Frauen später verstärkt in diesen Bereichen arbeiten. Mittlerweile bilden sich ähnliche Programme auch für Jungen bzw. gemeinsame Programme, um eben auch Jungen die Möglichkeit eines „Frauenberufs“ zu eröffnen.

Die Gutherzigkeit der Arbeitgeber verdient also einiges Lob. Daß sie in erster Linie den ganzen Scheiß für sich selbst veranstalten, um aus einem größtmöglichen Pool Arbeitskräfte fischen zu können, ist ja egal. Jedenfalls für Leute, die das Himmelreich auf Erden gekommen sehen, wenn man seine Arbeitskraft ungeachtet des Geschlechts verkaufen kann, um das Privateigentum anderer zu mehren.

Zitate kopiert von dort.

Märchen vom Nazikommunismus

Mal wieder eine schmutzige Perle des Antikommunismus und der Relativierung des deutschen Faschismus gefällig?
Bitte sehr, stammt alles vom bekannten Rassisten Philipp Lenhard, bekannt aus konkret und Pogromo:

Spätestens 1933 hätten Kommunisten dem reaktionär-antikapitalistischen Wahn entschieden den Kampf ansagen müssen, anstatt ihn in seiner Radikalität übertreffen zu wollen.

Da redet einer, der ein Geschichtsbuch nicht einmal dann erkennen würde, wenn man es ihm ins Gesicht schlägt. Da hetzt einer, der tatsächlich glauben machen will, das Ziel der KPD wäre nicht die kommunistische Revolution, sondern ein noch brutalerer Faschismus gewesen. Da lügt einer so unverschämt, daß man die Meinungsfreiheit noch mehr verabscheut als davor schon.

Weil die KPD diesen Kampf nicht führen wollte oder konnte, hat auch sie – trotz des Widerstandes gegen die Nazis, den viele Kommunisten mit dem Leben bezahlten – ihren ganz eigenen Beitrag dazu geleistet, dass Auschwitz möglich war.

Die KPD „wollte“ und „konnte“ „diesen Kampf“ (=Widerstand!!!) führen, allerdings verlor sie ihn. Dafür kamen die überlebenden Kommunisten dann in die KZs, die sie nach dem Geschichtsverdreher Lenhard erst ermöglicht haben, und wurden dort getötet.

Nur als radikale Selbstkritik angesichts des Ausbleibens nennenswerten kommunistischen Widerstandes gegen den Holocaust kann seither der Kapitalismus kritisiert werden.

Kapitalismuskritik=Selbstkritik? Kein (leider siegloser) Widerstand der Kommunisten gegen den Holocaust, dessen Opfer sie dann wurden? Ist der Papst vielleicht eine grüne Marsfrau? Bist du, Lenhard, ein wenig arg blöde?1

Nicht etwa, weil Kapitalismus und Nationalsozialismus nichts miteinander zu tun hätten, sondern deshalb, weil auch der von der KPD vertretene Antikapitalismus zu großen Teilen antisemitisch war.

Lenhard, alte Kartoffel, jetzt hör‘ mal zu: Der NS war die spezifisch deutsche Form faschistischer Herrschaft. Faschismus ist genauso wie Demokratie eine Möglichkeit, den kapitalistischen Betrieb staatlich zu organisieren (anders als staatlich geht’s ja auch nicht). Das hat nicht nur ein bißchen was miteinander zu tun, das ist jeweils ohne das andere gar nicht denkbar. Und weshalb die KPD hauptsächlich Judenhetze betrieben hat und wieso außer dir, Lenhard, und den anderen Knalltüten aus deinem Racket niemand was davon weiß, das erzählst du bitte deinem Fön und schreibst es nicht mehr ins Internet hinein, ja?

Es ist kein Wunder, dass die ersten kritischen Auseinandersetzungen mit dem Antisemitismus von Leuten geführt wurden, die „zu links für die KPD“ (Detlev Claussen) waren: den Vertretern der Kritischen Theorie.

Auch das natürlich ist nichts als Riesenquatsch. Darf man dank abdel kaders Linksammlung selbst nachprüfen, wenn man’s nicht selbst weiß.

Alle Zitate von dort:
hXXp://prodomo.50webs.net/8/die_ganze_bandbreite.html

  1. 1.nein, 2. doch, 3. vielleicht, 4. aber sowas von ja! [zurück]

Zuckermanns Argument geprüft

narodnik verlinkt ein Interview mit Moshe Zuckermann, dem folgendes Zitat entnommen ist:

Die USA agieren unter dem vorgegebenen Zeichen von „Menschenrechten“ oder dem „Krieg gegen den Terror“ oder im Hinblick auf die Frage der Nuklearbewaffnung des Iran, doch weder der Krieg gegen den Irak noch gegen Afghanistan hatte etwas mit Menschenrechten oder gar mit Demokratisierung zu tun, sondern es geht um knallharte Hegemonialinteressen

Tatsächlich haben die USA weder den Terror besiegt noch in den bekriegten Ländern Staaten eingerichtet, die über ein zuverlässiges Gewaltmonopol verfügen, welches Menschenrechte garantieren könnte. Auch erfüllen der irakische und der afghanische Staat das westliche Ideal einer Demokratie (noch) nicht. Wäre das alles anders, hätten die beiden Kriege trotzdem nicht weniger und nicht mehr mit „knallharten Hegemonialinteressen“ zu tun als jetzt. Denn den Widerspruch, den Zuckermann entdeckt haben will, gibt es einfach nicht. Eher noch wirft er den USA indirekt vor, gerade nicht der absolute Hegemon zu sein, der nicht bloß militärisch und wirtschaftlich sagt, wo’s langgeht, sondern seine Macht zusätzlich dazu nutzt, um ein bestimmtes Herrschaftssystem (Demokratie) mit bestimmten (Menschen-)Rechten einzuführen. Ergo herrschen für ihn die USA nicht konsequent genug. Man sieht, da ist ein Idealismus am Werke, der an der Realität blamiert wird. Auch demokratische Staaten haben nicht unbedingt als (zeitlich) erstes Ziel die Durchsetzung ihrer eigenen Herrschaftsvorstellung. Menschenrechte und Demokratie können kommen, wenn alles andere geregelt ist, nur ist das dann nichts dem US-Interesse Entgegengesetztes, sondern die Vollendung des Projektes, welches die USA mit diesen beiden Kriegen startete.

Reihe 2, Bild 4

base