Das Schlimmste ist immer noch Inzest

Gestern wurde ein außergewöhnlicher Fall von Vergewaltigung und privater Inhaftierung bekannt. Keine Zeitung, kein Fernsehbericht verzichtet darauf, zu betonen, daß es sich um Inzest handelt. Oft wird ergänzt, es sei ein besonders schwerer Inzestfall. Wäre es also menschenfreundlicher und im Grunde fast nachvollziehbar gewesen, hätte Josef F. eine wildfremde Frau von der Straße entführt, 24 Jahre lang in seinen Keller gesperrt und vergewaltigt?


3 Antworten auf “Das Schlimmste ist immer noch Inzest”


  1. 1 crull 28. April 2008 um 19:53 Uhr

    Ich ergänze mich mal schnell selbst: Eins kann man aus dieser furchtbaren Geschichte tatsächlich lernen: Bürgerliche Kleinfamilien sind etwas potentiell enorm Gefährliches. Falls jemand passende Statistiken parat hat, bitte ich um weitere Ergänzungen. Thx.

  2. 2 im*moment*vorbei 28. April 2008 um 21:57 Uhr

    also ich hab ja auch eine kritik am inzestverbot, aber deine empörung kann ich trotzdem nicht so ganz nachvollziehen. ob das eine jetzt schlimmer als das andere ist, läßt sich natürlich nicht objektiv verallgemeinern. das es aber eine rolle spielt – über die dann natürlich auch berichtet wird – dass ausgerechnet ein mensch, der eine der wichtigsten bezugspersonen für die betroffene darstellt diese sexuelle gewalt über jahre ausübt ist doch klar. natürlich herrscht in der (medien)öffentlichkeit immer noch eine total verschobenens bild, was sexuelle gewalt allgemein angeht: der fremde täter im park oder auf dem spielpaltz wird als große gefahr gezeichnet, statt sich der tatsache zu stellen, das die meisten taten im engen persönlichen umfeld der betroffenen passieren. das spielt in dieser berichterstattung auch ein rolle, aber ist es wirklich das worauf du hinaus wolltest?

  3. 3 crull 29. April 2008 um 13:50 Uhr

    Mir scheint, du hast wirklich nicht verstanden, worauf ich hinaus will: In den Medien wird dieser Fall als in erster Linie ein Inzestfall behandelt, was reichlich absurd ist. Die Schädigung entsteht schließlich nicht dadurch, wer der Täter ist, sondern was der Täter macht (daher sagt man ja auch Täter). Das wird in der aktuellen Berichterstattung allerdings teils überdeckt durch eine wirklich moralische Empörung, die sich etwa so anhört: „Oh mein Gott, der eigene Vater!“. Da wird glatt so getan, als wäre Familie etwas grundsätzlich Vernünftiges, als wäre es kaum vorstellbar, ein Täter könnte glatt mal aus (engsten) Familienkreisen kommen. Das hat allerdings seine Gründe. Die bürgerliche Kleinfamilie ist die vom Staat gepflegte Keimzelle der Gesellschaft und genießt daher einen hervorragenden Ruf. Passiert nun tatsächlich mal etwas derart Außergewöhnliches und Schockierendes, und zwar innerhalb der Familie, hat der Täter sich, außer der eigentlich Tat, noch etwas anderes zu Schulden kommen lassen. Er hat dem guten Ruf der Institution Familie geschadet.

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