Mädchenarbeit

Gut, daß es den Girls‘ Day gibt:

Zahlreiche Plätze in Unternehmen, Forschungszentren und weiteren Einrichtungen stehen zur Zeit schon bereit. Dort können Schülerinnen ab Klasse 5 in Berufsbereiche schnuppern, in denen bisher erst wenige Frauen arbeiten. Dank der spezifischen Ansprache von Mädchen bietet der Girls’Day die Möglichkeit, techniknahe Berufe frei von Geschlechterklischees bei spannenden Mitmach-Aktionen auszuprobieren.

Wirklich toll, wie fürsorglich die wirtschaftliche Emanzipation daherkommt: Schließlich soll nicht bloß der doppelt freie Arbeiter, sondern auch die doppelt freie Arbeiterin ordentlich malochen für’s Kapital. Denn was soll das auch, wenn die arbeitsfähige Bevölkerung sich nicht bereit macht für jeden Job, den die Wirtschaft so „anbietet“?
Der „LandesArbeitsKreis (LAK) Geschlechtergerechtigkeit der GRÜNEN JUGEND Bayern“ findet sowas naturgemäß ganz dufte:

Der Girls‘ Day ist 1993 in den USA gestartet worden und soll Mädchen und jungen Frauen helfen sich in der Berufswelt zu orientieren. Vor allem soll der Blick freigemacht werden für die eher untypischen Berufe, also so genannte „Männerberufe“. Mit begleitenden Workshops und Vorträgen, ist der Tag bundesweit eine Gelegenheit, die Unternehmen den Mädchen bieten, sich alles anzuschauen und erklären zu lassen. Dadurch sollen die Frauen später verstärkt in diesen Bereichen arbeiten. Mittlerweile bilden sich ähnliche Programme auch für Jungen bzw. gemeinsame Programme, um eben auch Jungen die Möglichkeit eines „Frauenberufs“ zu eröffnen.

Die Gutherzigkeit der Arbeitgeber verdient also einiges Lob. Daß sie in erster Linie den ganzen Scheiß für sich selbst veranstalten, um aus einem größtmöglichen Pool Arbeitskräfte fischen zu können, ist ja egal. Jedenfalls für Leute, die das Himmelreich auf Erden gekommen sehen, wenn man seine Arbeitskraft ungeachtet des Geschlechts verkaufen kann, um das Privateigentum anderer zu mehren.

Zitate kopiert von dort.


6 Antworten auf “Mädchenarbeit”


  1. 1 snagel 24. April 2008 um 16:31 Uhr

    Solange das System so läuft wie es läuft ist es eine gute Maßnahme. Jedoch heißt das nicht, dass damit das System als solches bestätigt wird. Zu einem anderen, bessern Verständnis von Arbeit kommst du aber nicht, wenn du die Frauen aus bestimmten Berufen fernhälst. Bis die Revoluiton kommt, sollten wir das jetzige System doch so gut wie möglich machen.

  2. 2 crull 24. April 2008 um 16:41 Uhr

    Da geht bei dir ja einiges durcheinander:

    Aus meiner Kritik an der Ausweitung der Konkurrenzzone folgt doch nicht das Arbeitsverbot für Frauen, sondern die Abschaffung der Konkurrenz per se. Du schwindelst, wenn du einerseits Revolution befürwortest, andererseits aber Maßnahmen, die die Effizienz der kapitalistischen Ausbeutung erhöhen, befürwortest. Entweder oder! Bei dir ja offensichtlich „oder“, denn im letzten Satz gibst du ja zu, daß du „das jetzige System doch so gut wie möglich machen“ willst. Das ist doch widersprüchlich bis zum Gehtnichtmehr! Übrigens geht’s hier nie um ein besseres Verständnis von Arbeit (was soll das überhaupt sein?), sondern um die theoretische und möglichst schnell auch die praktische Negation der Lohnarbeit. DEN Unterschied erkennst du jetzt aber schon, oder?

  3. 3 Laura 24. April 2008 um 18:51 Uhr

    „schmutzkonkurrenz“
    „lohndrückerinnen“

  4. 4 crull 24. April 2008 um 20:24 Uhr

    Werte Laure, was wollen Sie mit diesen beiden Ausdrücken ausdrücken?

  5. 5 snagel 25. April 2008 um 8:08 Uhr

    Ich habe nirgends geschrieben, dass ich die Revolution befürworte. Soweit ich die Theorien kenne, ist die Revolution doch unvermeidlich und kommt irgendwann sowieso. Falls das stimmen sollte, was ich mal bezweifle, sollte mensch bis dahin eben das jetzige System, auch effizient gestalten. Den Sinn der reinen Negation von Lohnarbeit erschließt sich mir nicht ganz. Dass es Probleme gibt mit der Lohnarbeit sehe ich ja auch, aber sie deswegen zu negieren, halte ich für übertrieben; verbessern fände ich sinnvoller.
    In diesem Sinne warten wir auf die Revolution (auch wenn ich sie nicht möchte).

  6. 6 crull 25. April 2008 um 12:34 Uhr

    Wieso soll denn die kom. Rev. unvermeidlich sein und weshalb sagst du das, wenn du’s eh bezweifelst? Desweiteren gibt es nicht bloß Probleme mit der Lohnarbeit, sie ist eines. Ums mal ganz kurz anzureißen:
    Durch das vom Staat gesicherte Privateigentum ist der eine kleine Teil der Bevölkerung in der Lage, den auf Lohn angewiesenen großen Teil für die Vermehrung des Kapitals arbeiten zu lassen. Für die meisten gibt es nämlich keinerlei andere Möglichkeit, überhaupt ein klein wenig am gesellschaftlichen Reichtum teilzuhaben. Mit dem Lohn können die Lohnarbeiter dann auch keine großen Sprünge machen, wie ja bekannt sein dürfte. Dieser Lohn reicht nämlich ungefähr für die eigene Lebenserhaltung (und manchmal nicht einmal dafür). Daher sind die Lohnarbeiter ihr Leben lang abhängig davon, daß jemand mit ordentlich Kapital ihre Arbeitskraft vernutzt, um sein Kapital zu vergrößern. Man nennt das übrigens Ausbeutung. Das sind schon mal ein paar Gründe dafür, die Lohnarbeit abzuschaffen und Gründe dagegen, die Ausbeutung fürs Kapital nutzbringender zu gestalten.

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