Märchen vom Nazikommunismus

Mal wieder eine schmutzige Perle des Antikommunismus und der Relativierung des deutschen Faschismus gefällig?
Bitte sehr, stammt alles vom bekannten Rassisten Philipp Lenhard, bekannt aus konkret und Pogromo:

Spätestens 1933 hätten Kommunisten dem reaktionär-antikapitalistischen Wahn entschieden den Kampf ansagen müssen, anstatt ihn in seiner Radikalität übertreffen zu wollen.

Da redet einer, der ein Geschichtsbuch nicht einmal dann erkennen würde, wenn man es ihm ins Gesicht schlägt. Da hetzt einer, der tatsächlich glauben machen will, das Ziel der KPD wäre nicht die kommunistische Revolution, sondern ein noch brutalerer Faschismus gewesen. Da lügt einer so unverschämt, daß man die Meinungsfreiheit noch mehr verabscheut als davor schon.

Weil die KPD diesen Kampf nicht führen wollte oder konnte, hat auch sie – trotz des Widerstandes gegen die Nazis, den viele Kommunisten mit dem Leben bezahlten – ihren ganz eigenen Beitrag dazu geleistet, dass Auschwitz möglich war.

Die KPD „wollte“ und „konnte“ „diesen Kampf“ (=Widerstand!!!) führen, allerdings verlor sie ihn. Dafür kamen die überlebenden Kommunisten dann in die KZs, die sie nach dem Geschichtsverdreher Lenhard erst ermöglicht haben, und wurden dort getötet.

Nur als radikale Selbstkritik angesichts des Ausbleibens nennenswerten kommunistischen Widerstandes gegen den Holocaust kann seither der Kapitalismus kritisiert werden.

Kapitalismuskritik=Selbstkritik? Kein (leider siegloser) Widerstand der Kommunisten gegen den Holocaust, dessen Opfer sie dann wurden? Ist der Papst vielleicht eine grüne Marsfrau? Bist du, Lenhard, ein wenig arg blöde?1

Nicht etwa, weil Kapitalismus und Nationalsozialismus nichts miteinander zu tun hätten, sondern deshalb, weil auch der von der KPD vertretene Antikapitalismus zu großen Teilen antisemitisch war.

Lenhard, alte Kartoffel, jetzt hör‘ mal zu: Der NS war die spezifisch deutsche Form faschistischer Herrschaft. Faschismus ist genauso wie Demokratie eine Möglichkeit, den kapitalistischen Betrieb staatlich zu organisieren (anders als staatlich geht’s ja auch nicht). Das hat nicht nur ein bißchen was miteinander zu tun, das ist jeweils ohne das andere gar nicht denkbar. Und weshalb die KPD hauptsächlich Judenhetze betrieben hat und wieso außer dir, Lenhard, und den anderen Knalltüten aus deinem Racket niemand was davon weiß, das erzählst du bitte deinem Fön und schreibst es nicht mehr ins Internet hinein, ja?

Es ist kein Wunder, dass die ersten kritischen Auseinandersetzungen mit dem Antisemitismus von Leuten geführt wurden, die „zu links für die KPD“ (Detlev Claussen) waren: den Vertretern der Kritischen Theorie.

Auch das natürlich ist nichts als Riesenquatsch. Darf man dank abdel kaders Linksammlung selbst nachprüfen, wenn man’s nicht selbst weiß.

Alle Zitate von dort:
hXXp://prodomo.50webs.net/8/die_ganze_bandbreite.html

  1. 1.nein, 2. doch, 3. vielleicht, 4. aber sowas von ja! [zurück]

6 Antworten auf “Märchen vom Nazikommunismus”


  1. 1 scheckkartenpunk 23. April 2008 um 20:02 Uhr

    wie sind da die forderung ulbrichts 1940 nach einer querfront in der er „Aufrechterhaltung der Aktionseinheit zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten im Interesse des Friedens und im Interesse des deutschen Volkes“ in seinem blatt „welt“ fordert sowie die antisemitischen karrikaturen beispielsweise leon blums in eben diesem einzuordnen, wenn der antikapitalismus der KPD nicht zum teil antisemitisch war?

  2. 2 Difficult is Easy 23. April 2008 um 20:39 Uhr

    „zu großen Teilen antisemitisch“ hat lenard geschrieben.

  3. 3 crull 24. April 2008 um 14:05 Uhr

    Sympathisanten des Nationalbolschewismus gab es auch innerhalb der NSDAP, etwa Otto Strasser, der im Sommer 1930 aus der Nazi-Partei austrat und die „Kampfgemeinschaft revolutionärer Nationalsozialisten“ gründete. Um diese Spaltungstendenzen zu fördern, beschloss die KPD im September des selben Jahres ihre berüchtigte „Programmerklärung zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes“. Über die Anpassung an die nationalsozialistische Demagogie schrieb der marxistische Ökonom Fritz Sternberg, Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD), in seinem Buch „Der Faschismus an der Macht“ (Amsterdam 1935): „In der KPD … glaubte man, die Nazis damit bekämpfen zu können, dass man einen Teil der nationalsozialistischen Phrasen übernahm. Ständig war in der kommunistischen Presse von der Young-Sklaverei, vom Kolonialdeutschland die Rede. (…) Die Verwirrung wurde noch gesteigert, als man im September 1930 mit einer Proklamation in den Wahlkampf zog, in der die nationale Befreiung vor der sozialen rangierte. (…) Und dann war es nicht mehr weit zur nationalsozialistischen Ideologie, die die Massen damit einzulullen suchte, dass man durch die nationale Befreiung überhaupt erst zur sozialen käme, dass also das Nationale das Primäre wäre.“ (zitiert nach Gruppe MAGMA: „… denn Angriff ist die beste Verteidigung“. Die KPD zwischen Revolution und Faschismus. Bonn 2001, S. 200)

    Natürlich wurde dieser Kursschwenk von der Kommunistischen Internationale (Komintern) gebilligt, wenn nicht angewiesen. Schon Jahre zuvor hatte Karl Radek, der Deutschland-Verantwortliche der Komintern, eine ähnliche Politik in der KPD durchzusetzen versucht. In seiner „Schlageter-Rede“ würdigte er den von einem französischen Kriegsgericht zum Tode verurteilten und am 27. Mai 1923 hingerichteten Faschisten Albert Leo Schlageter als „mutigen Soldaten der Konterrevolution“, der „von den Schergen des französischen Imperialismus erschlagen“ worden sei – Schlageter hatte sich als Freikorpskämpfer und Mitglied der faschistischen Großdeutschen Arbeiterpartei an Sabotageakten im französisch besetzten Ruhrgebiet beteiligt. Auf der nach seiner Hinrichtung einsetzenden Welle des Chauvinismus wollte die KPD mitschwimmen, um völkisch gesinnte Kreise für die Revolution zu gewinnen.

    Tatsächlich gab es eine Zeitlang eine offene Debatte zwischen kommunistischen und völkischen Kadern. In einer Rede vor faschistischen Studenten erklärte Ruth Fischer, Mitglied des Zentralkomitees der KPD: „Sie rufen auf gegen das Judenkapital, meine Herren? Wer gegen das Judenkapital aufruft, meine Herren, ist schon Klassenkämpfer, auch wenn er es nicht weiß. (…) Tretet die Judenkapitalisten nieder, hängt sie an die Laterne, zertrampelt sie. Aber, meine Herren, wie stehen Sie zu den Großkapitalisten, den Stinnes, Klöckner?“ In seinem Artikel „Die Schlageter-Verwirrung. Der Flirt der KPD mit dem Nationalbolschewismus im Ruhrkampf 1923″, in dem diese Passage zitiert wird, zeigt der Autor, Nick Brauns, allerdings auch, wie „die Schlageter-Linie, die vor allem Verwirrung in die Reihen der Kommunisten getragen hatte, … ebenso plötzlich (starb), wie sie gekommen war.“ (junge Welt, 21.6.03)

    Wenn Linke den nationalen Schulterschuss mit Reaktionären suchen („Querfront“-Strategie) oder abenteuerliche geopolitische Sandkastenspiele betreiben, dann muss das bekämpft werden. Dabei können auch Kenntnisse über die an Fehlern reiche Geschichte der KommunistInnen nützlich sein. Nicht hilfreich allerdings ist die Konstruktion fragwürdiger historischer Parallelen zum Zwecke der Diffamierung. Der kurze Ausflug in die Geschichte müsste deutlich gemacht haben, dass der undifferenzierte Vorwurf des Nationalbolschewismus wenig geeignet ist, die aktuellen Verirrungen „antiimperialistischer“ Linker auf den Punkt zu bringen.

    http://www.akweb.de/ak_s/ak513/06.htm

  4. 4 selbstkritik 25. April 2008 um 21:57 Uhr

    Mein Gott bist du blöd! hochstapeln will gelernt sein, herr dackel!

  5. 5 crull 26. April 2008 um 14:37 Uhr

    Was?

  1. 1 Steampunk Antigerman « Reich und Schön Pingback am 26. April 2008 um 3:13 Uhr
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