Archiv für März 2008

It’s in the mix, again

~ Am Donnerstag kommt die Verfilmung des Schulbuchs „Die Welle“ in die deutschen Kinos. Grund genug, das Kapitel über Rhues Buch in Freerk Huiskens und Rolf Guttes Untersuchung „Alles bewältigt, nichts begriffen! Nationalsozialismus im Unterricht“ zu lesen – den Rest natürlich auch.

~ Holger Wegemanns Dokumentarfilm „ES GEHT NICHT NUR UM UNSERE HAUT“ über den „Streik der Belegschaft des Bosch-Siemens-Hausgerätewerks in Berlin gegen die Schließung“ kann nun als DVD bestellt werden. Bei der taz gibt es dazu ein Interview mit Wegemann. Weiterführendes zum Thema Arbeiterbewegung etc. läßt sich jedoch auch in Deckers und Heckers „Das Proletariat. Die große Karriere der lohnarbeitenden Klasse kommt an ihr gerechtes Ende“ nachlesen.

~ Wir hatten hier ja letztens über Sekundärliteratur zu „Das Kapital“ gequatscht. Michael Heinrich hat wieder Ergänzendes/Vertiefendes veröffentlicht: „Wie das Marxsche Kapital lesen? Hinweise zur Lektüre und Kommentar zum Anfang von „Das Kapital““. Ob und was das taugt, weiß ich auch nicht.

~ Am Freitag wird Irans Parlament gewählt! Crull und Rottweiler machen wie erwartet nicht mit.

Gelobte Demokratie

Diese [demokratische] Ordnung ist in ihren Grundlagen von allen Parteien, auch von denen, die sie für reform- und verbesserungsbedürftig halten, zu respektieren. Gerade ihre Haltung zum Nationalsozialismus müßte die KPD dazu führen, eine im Kampf gegen die nationalsozialistischen Ideen erwachsene Ordnung, die die vom Nationalsozialismus verworfenen Grundwerte wieder verwirklichen will, zu achten. Findet sie aber auch zu dieser neuen, dem Nationalsozialismus in allem entgegengesetzten demokratischen Ordnung keine andere Einstellung als die der planmäßigen Herabsetzung, Schmähung und Untergrabung, so kann sie das nicht durch den Hinweis auf ihren Kampf gegen ein System rechtfertigen, das demokratischen Ordnungen gegenüber die gleiche Haltung einnahm.

So sprach das Bundesverfassungsgericht im KPD-Verbotsurteil von 1956. Alle Bekenntnisse der KPD zum Grundgesetz, zu Demokratie und Freiheit hatten nichts genützt, im antikommunistischen Kampf gab es kein Pardon. Jedoch, das ist Geschichte; die vom BVerfGE vorgebrachten Argumente gegen Kommunisten und für Demokratie sind heute allerdings so aktuell wie damals:
Die Demokratie soll als das absolute Gegenteil des Faschismus im Allgemeinen und des Nationalsozialismus im Speziellen begriffen werden, ungeachtet all ihrer Gemeinsamkeiten. Diese Gemeinsamkeiten, z.B. staatliches Gewaltmonopol, Benutzung des Staatsvolkes für Staatszwecke und Verordnung allgemeingültiger Regeln für jeden Lebensbereich, interessieren die Freunde der Demokratie auch gar nicht, es kommt ihnen schließlich auf etwas anderes an – für sie ist wichtig, daß die Form ihrer Herrschaft eine andere ist. Die Wahl des Herrschaftspersonal ist für sie gleichbedeutend mit einem Gütesiegel und der einzige relevante Inhalt dessen, was sie als Freiheit preisen. Denn niemand darf gezwungen werden, sich seine Herrscherclique nicht auszusuchen. Dem Faschist ist das wiederum der entscheidende Makel an der Demokratie. Wo käme man denn hin, wenn der gemeine Pöbel auch noch seinen Herrn aussuchen dürfte? Klar, zur Demokratie. Und gegen die darf ein Antifaschist nichts haben, denn sonst gesteht er eine Gemeinsamkeit mit seinem vorgeblichen Gegner, dem Faschisten ein: Er lehnt die Demokratie ab. Somit ist er nicht nur ein Antidemokrat, was schon schlimm genug wäre, er ist auch noch kein wirklicher Antifaschist, sondern vielmehr ein Anhänger totalitärer Überzeugungen.
Diese demokratische, antitotalitäre Argumentation begeistert bis heute die Massen, und nicht bloß die: Selbst sich radikal oder gar kommunistisch Dünkende können sie nachvollziehen und entwickeln das Bedürfnis, die Demokratie gegen den Faschismus zu verteidigen, sie weltweit als Grundbedingung für die Revolution einzuführen oder entdecken in ihr gar das Potential zu einer sozialistischen Entwicklung. Übrigens: Dieses Bedürfnis hatte die KPD auch, zumindest bis zum 17. August ’56, denn danach hatte der demokratische Staat sich ihrer entledigt – auf ganz demokratische Weise.

Noch‘n Gedicht

Les‘ ich was von Wertmüller / brauch ich einen Schmerzstiller
Les‘ ich was von Pankow / gehe ich die Wand hoch
Dann les‘ ich was von Marx / und scheiß‘ auf diesen Quark

„Komm, wir spielen Kaufmannsladen!“

Warum Flugblätter lesen?

Warum sollte man die Flugblätter irgendwelcher Antifas, Adorno oder auch Michael Heinrichs Texte lesen, wenn man doch eigentlich begreifen will, was es mit Marx und der kommunistischen Kritik auf sich hat? Man sollte gar nicht unbedingt, besser schnappt man sich mal Marx im Original, es muß ja nicht unbedingt gleich Das Kapital sein, wobei das lesbarer ist als die meisten meinen. Aller Anfang muß jedenfalls nicht schwer sein, wie die Leküre von Marx‘ und Engels Text „Lohnarbeit und Kapital“ beweisen dürfte. Das hat mit Szene und teenagerbegeisternder Philosophie vielleicht nichts zu tun, aber das ist nur ein weiteres Argument, sich diese Schrift mal genau durchzulesen.

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youngmarx

„Wir wollen den Arbeitern verständlich sein.“