Liebe strafen

Eigentlich wollte ich selber einen ausführlichen Artikel verfassen zu dem Gerichtsurteil, das Patrick S. ab dem 31. März für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis bringt. Sein Vergehen: „Geschwister-Inzest“. Allerdings hat Tatjana Hörnle in einem Interview das strafrechtlich Wesentliche bereits kritisiert (allerdings auch aus strafrechtlicher Sicht), so daß ich mich auf einige kurze Kommentare beschränke:

7 der 8 Verfassungsrichter halten die Bestrafung von Inzest für gerechtfertigt, denn es geht ihnen immerhin um Großartiges. „Schutz der Familie, Schutz der sexuellen Selbstbestimmung“ und „Schutz vor Erbkrankheiten“ stehen auf dem Programm. Wie man eine Familie schützt, indem man den Vater von der Mutter ihrer 4 Kinder und den Kindern selbst trennt, das weiß der Geier. Ebenso absurd ist es, sexuelle Selbstbestimmung erst dann (an)erkennen zu wollen, wenn die Staatsmacht sie gerade verhindert. Da hilft auch die Behauptung nichts, der sogenannte „schwächere Partner“, in diesem Fall die Frau, die als „geistig leicht behindert“ gilt, sei zu schützen – und zwar vor dem Mann, den sie liebt und mit dem sie zusammenleben will! Daß nun Erbkrankheiten bei Kindern von Geschwistern öfter auftreten als bei denen von nicht Verwandten mag durchaus sein. Allerdings ist dies noch lange kein Argument für das Verbot von Inzest inklusive Fortpflanzung, es sei denn, man hält von Geburt an Kranke ganz grundsätzlich für Menschen, die besser nicht lebendig sein sollten; bei Vertretern des Staates, die sich um ein möglichst leistungsfähiges und vernutzbares Menschenmaterial sorgen, liegt diese Vermutung leider nahe. Die Doppelmoral kommt dann noch erschwerend hinzu, denn die Verfassungsrichter haben (bislang jedenfalls) nicht verlauten lassen, nun auch Behinderten oder anderen mit erhöhtem Risiko der Weitergabe von Erbkrankheiten die Sexualität verbieten zu wollen. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt…