It’s in the mix, again and again

~ Jürgen Roth schreibt in der jungen Welt über Charles Bukowskis einzigen Auftritt in Krautland ’78. „Man muß die ganze Poesie vergessen“, sagte Bukowski übrigens nach einem längeren Gespräch mit Karl Held in Hamburg.

~ Bei SPON findet sich ein Artikel über die Wählerschaft der einzigen deutschen sozialdemokratischen Partei. „Frustrierte, Studenten, Intellektuelle, Ostalgiker“ bilden diese Schaft. Rottweiler und Crull gehören selbstredend nicht zu dieser Bande, sind sie doch schon immer und ewig der natürliche Gegner der Sozialdemokratie, nämlich Freunde der gewaltsamen Revolution.

~ Ebenfalls bei SPON wird berichtet über einen der gar nicht so seltenen, jedoch strafrechtlich verfolgten Fälle von bewußtem Inzest. Dem Paar wünschen wir viel Glück und einen möglichst schnellen Freispruch, denn Gesellschaft & Staat haben in der willentlichen Sexualität ganz gleich welcher Art, ganz gleich welcher Menschen nichts, absolut nichts verloren. Im Artikel finden sich jedoch ganz andere Widerlichkeiten als die staatsbürgerliche Moral so meint: Die Beziehung zwischen Verwandten wird als „Folge problematischer Familienverhältnisse“ auf eine Ebene mit anderen „Ungeheuerlichkeiten“ wie Jugendgewalt oder Rechtsextremismus gestellt (was hier wie da wie dort der Wahrheit nicht nahekommt), der eine Partner wird als „geistig leicht zurückgeblieben“ beschrieben, was den anderen geradezu zum Täter macht, der eine Irre mißbraucht; die Pathologisierung an dieser Stelle ist natürlich genauso verkehrt wie woanders. Es gäbe noch mehr zu kritisieren, doch möchte ich es erstmal dabei belassen.

~ Zum Abschluß noch Fußballkritik: Jürgen Klinsmann als Nachfolger von Ottmar „bester Trainer aller Zeiten“ Hitzfeld zu bestimmen ist ein Schlag ins Gesicht aller am Erfolg des FC Bayern auch nur halbwegs Interessierten; da wäre sogar Matthäus vorzuziehen gewesen, dem Hoeneß einst sogar die Tätigkeit als Greenkeeper in der Allianz-Arena untersagt hätte. Jetzt haben wir den Salat, Lodda macht ein Praktikum bei Werder und der Laie Jürgen „Flipper“ Klinsmann ruiniert ab Jahresmitte die Roten. Mich würd’s nicht wundern, hätte er eine SPD-Mitgliedschaft.


25 Antworten auf “It’s in the mix, again and again”


  1. 1 blub 11. März 2008 um 18:11 Uhr

    Ich mag den Witz zum Schluss.

  2. 2 bla 13. März 2008 um 13:37 Uhr

    „nämlich Freunde der gewaltsamen Revolution“ – aber wehrdienst verweigert, oder wat?! :-)

  3. 3 red surfer 16. März 2008 um 12:55 Uhr

    Wollte nur mal „Hallo“ sagen und dass ich euer Blog verlinkt habe bei mir.

  4. 4 crull 19. März 2008 um 18:50 Uhr

    @ bla: Sollte ich verpaßt haben, daß es sich bei der Bundeswehr um den bewaffneten Flügel der Revolution handelt, dann täte mir die Verweigerung ein wenig leid. :|

  5. 5 tee 19. März 2008 um 20:11 Uhr

    crull: ich weiss ja nicht was du für eine verquere romantisierende vorstellung von revolution hast … aber meines wissen gab es in staaten mit militär noch keine revolution ohne selbiges zumindest teilweise im boot zu haben.

    sprich: die verweigerung sollte dir logisch leid tun.

  6. 6 crull 19. März 2008 um 22:35 Uhr

    @ tee: Militär ist scheiße, schon zu Zeiten der Pariser Kommune wusste man von der entscheidenden Wichtigkeit das Militär zu entmachten durch die Bewaffnung des Proletariats.

  7. 7 tee 20. März 2008 um 0:55 Uhr

    also das ist mir ja fast zu doof, aber ich zitier halt mal wikipedia:

    Der versuchte Zugriff von Regierungstruppen auf die 227 Kanonen, welche die Nationalgarde aus den Außenbezirken von Paris vor den Deutschen gerettet hatte, schlug kolossal fehl, da die abkommandierten Soldaten, anstatt ihren Befehl auszuführen, mit der Menge fraternisierten.

  8. 8 crull 20. März 2008 um 13:25 Uhr

    tee, was soll mir das sagen? Daß es Militär gab? Weiß ich. Allerdings machten die Räte dann trotzdem genau das, was ich sagte: Sie bewaffneten das Volk. Einer der Schlüsselgedanken in der Kommune war schließlich die Entmachtung von Bürokratie und Militär…
    Sollte es dir um die Banalität gehen, daß ein mit den Revolutionären sympathisierendes Heer nicht auf sie schießen wird: D‘accord. Eine Notwendigkeit der Teilnahme des Militärs an der Revolution läßt sich daraus aber einfach nicht ableiten.

  9. 9 tee 20. März 2008 um 14:24 Uhr

    wir haben wohl leicht aneinander vorbeigeredet. „bewaffneter flügel“ wohl nicht, unter „mit im boot haben“ verstehe ich aber schon einen positive bezug zu den revolutionskräften. warum sollte es im militär auch keine revolutionswilligen geben? wenn man das einfach vorraussetzt findet man auch bei linde und siemens keine.

    militär wird auch selten entmachtet, jedenfalls komplett. wie soll das auch funktionieren? aus arbeitern werden von heute auf morgen soldaten und andersrum? die machen meist auch nur ihren job (gehen „ihrer berufung“ nach), wie der nun strukturiert ist …

  10. 10 tee 20. März 2008 um 14:27 Uhr

    btw: sehr empfehlenswert: http://www.rebond.org/
    (gibt eine sehr rare arte-version mit deutschen untertiteln)

  11. 11 crull 20. März 2008 um 14:36 Uhr

    Wie gesagt, man wird sich in revolutionären Zeiten sicher auch darum kümmern, Soldaten von den Vorteilen des Sozialismus wenigstens so weit zu überzeugen, daß man nicht von ihnen erschossen wird. Mit der Entmachtung des Militärs ist ja auch nicht zwingend die Entwaffnung jedes einzelnen Soldaten gemeint, sondern erst mal die Aufhebung des Verhältnisses, das dem Militär (und der Polizei) das Privileg einräumt, alleine Waffen benutzen zu dürfen. Würde das nicht geschehen, wäre man scließlich auf Gedeih und Verderb dem guten Willen des Heeres ausgeliefert. Also muß das Heer entweder ersetzt oder ergänzt werden durch eine breite, bewaffnete Organisation (die im Endeffekt dann auch so etwas wie ein Heer ist), die allerdings vom klassischen bürgerlichen Militär sich insofern unterscheidet, daß sie organisiert ist nach dem Rätesystem.

  12. 12 bigm0uth 20. März 2008 um 14:45 Uhr

    dieses privileg besteht zb in den USA nicht. sind die deshalb revolutionärer?

    ausserdem ist das unfug. die armee hat luftwaffe, artillerie, panzer usw. diese sachen zu bedienen braucht’s jahre ausbildung. das können nicht irgendwelche arbeiter plötzlich. das sähe wirklich ganz schlecht aus ohne revolutionäre soldaten

  13. 13 crull 20. März 2008 um 15:01 Uhr

    @ bigm0uth: Die USA ist nicht revolutionär.
    Ansonsten: Großes Mißverständnis: Ich behaupte nicht, daß man Soldaten tunlichst aus der Revolution ausschließen solle, sondern daß das Militär ALS Militär, also organisierte bürgerliche Gewalt, für revolutionäre Zwecke nichts taugt.

  14. 14 bigm0uth 20. März 2008 um 15:55 Uhr

    „also organisierte bürgerliche Gewalt“

    öhm, ja. hättest ja vorher diese definition deutlicher machen können. ich verstehe darunter eher leute, die kriegshandwerk halt gelernt haben, und über das entsprechende handwerkszeug verfügen. und davon muss man einen relevanten teil überzeugt haben, sonst kann man es ganz bleiben lassen, und es bleibt einem nur der heldentot. schrotgewehr gegen leopard 2 ist halt sehr ungleiche sache

    wg rätesystem: kennt jemand gute quellen, wie und wie gut entscheidungsstrukturen bei den spanischen anarchisten funktionierten?

  15. 15 bigm0uth 20. März 2008 um 15:59 Uhr

    wir ham halt nicht mehr 1870

  16. 16 crull 20. März 2008 um 16:00 Uhr

    Ok, die un- bzw. mißverständlichen Formulierungen waren mein Fehler. Aber jetzt scheint ja wohl alles klar zu sein.

    Zwecks anarchistischem Spanien empfehlen jedenfalls Anarchisten:
    Hallerbach/Bernecker – Anarchismus als Alternative. Die Rolle der Anarchisten im Spanischen Bürgerkrieg
    Ob das was taugt, mußt du selbst rausfinden.
    Übrigens verstehe ich unter Räten nichts anderes als Sovjets.

  17. 17 bigm0uth 20. März 2008 um 16:02 Uhr

    „Dein Kommentar befindet sich in der Moderationsschlange.“

    bäh, stell doch mal dein SpamKarma vernünftig ein

  18. 18 crull 20. März 2008 um 16:13 Uhr

    „stell doch mal dein SpamKarma vernünftig ein“

    Sehr gerne! Leider habe ich keine Ahnung, was ich wie einstellen muß, damit ich nicht jeden Kommentar von Hand freischalten muß.
    Aber ich lasse mir da gerne helfen…

  19. 19 tee 20. März 2008 um 16:30 Uhr

    militär in dem zusammenhang als „organisierte bürgerliche Gewalt“ zu betrachten ist doch schon völlig verkehrt. die meisten soldaten sind schlichte lohnarbeiter aus denselben gründen wie zivilisten.

  20. 20 tee 20. März 2008 um 16:32 Uhr

    unter optionen->diskussion an den häkchen spielen und notfalls unter verwalten->spam karma 2 noch was kuscheliges einstellen.

  21. 21 crull 20. März 2008 um 16:49 Uhr

    @ tee: Danke für die Erklärung, ich hätte mich im Spam Karma-Bereich noch dumm und dusselig gesucht… Jetzt aber zurück zur Diskussion:

    Die organisierte bürgerliche Gewalt ist der bürgerliche Staat. Das Militär ist eines seiner Mittel. Der einzelne Soldat macht seinen Job natürlich erstmal für Geld. In der BRD aber zu glauben, er würde seinen JOB allein wegen des Geldes machen, der ist doch naiv.
    Mit dem Militär als Mittel des bürgerlichen Staates ist jedenfalls keine Revolution zu machen, mit der Erfahrung der Soldaten und den Waffen eben schon. Da gebe ich zu, daß man die sogar benötigt, wie bigm0uth sagte. Das Militär (als bürgerliches Machtmittel verstanden) ist halt was anderes als ausgebildete Soldaten plus Waffen.

  22. 22 Franz 20. März 2008 um 16:57 Uhr

    Ausserdem wäre es hilfreich, wenn du die Blog-Funktion „Kommentare“ aktivieren würdest, so dass auf einen Blick ersichtlich ist, ob/in welchem Thread sich was getan hat. Aktuell ist das etwas mühsam mit der Übersicht.

    Habe aber keine Ahnung wie man das macht.

  23. 23 tee 20. März 2008 um 18:37 Uhr

    In der BRD aber zu glauben, er würde seinen JOB allein wegen des Geldes machen, der ist doch naiv.

    bist du ehrlich so naiv? kennst du überhaupt soldaten???

    Das Militär (als bürgerliches Machtmittel verstanden) ist halt was anderes als ausgebildete Soldaten plus Waffen.

    willst du theoretisieren oder doch von so etwas wie einer (evt. gewaltsamen) praktischen revolution sprechen? bei einer solchen kommt es nämlich auf einzelne individuen an und nicht auf abstrakte institutionen. mir ist schon klar wie die strukturen aussehen und welche zwecke dahinterstecken. so etwas ändert sich im krisenfall aber ganz schnell, nämlich weil da menschen vor echte entscheidungen gestellt werden.

  24. 24 tee 20. März 2008 um 18:59 Uhr

    ps: dass die letzten kommentare in der sidebar angezeigt werden, muss man das plugin „brian’s latest comments“ aktivieren. ist wirklich sehr praktisch für die leser/innen.

  1. 1 Perverse Selbstbestimmung | Herbst in der Seele Pingback am 11. März 2008 um 17:37 Uhr
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