Der gute Wagner

Rolf Clemens Wagner, in vorrevolutionäreren Zeiten mal als Terrorist bei der RAF tätig, ist niemand, über den es sich, wie vor paar Tagen geschehen, zu empören gelte. Denn wenn Wagner sagt, die Entführung Schleyers sei „auch aus heutiger Sicht richtig“, da Schleyer SS-Wehrwirtschaftsführer und zu RAF-Zeiten auch alles andere als ein Wohltäter gewesen war, dann argumentiert Wagner durchaus überzeugend, jedenfalls überzeugender als FDP-Trottel Rainer Brüderle, der von einem „Faustschlag ins Gesicht der Opferfamilien“ dahersabbelt, so als habe Schleyer mehrere Familien mit trotzdem nur einem Gesicht gehabt. Nicht richtig war es also, Wagner wegen der Beteiligung an dieser Entführungsgeschichte 24 Jahre wegzusperren.

[alle Zitate aus der taz vom (wahrscheinlich) 18.10.07]


6 Antworten auf “Der gute Wagner”


  1. 1 Kranz 24. Oktober 2007 um 22:25 Uhr

    Bei der Entführung Scheyers wurden sein Fahrer und drei Personenschützer von der RAF ermordet. Diese und die anderen Opfer der RAF (Fahrer, Leibwächter, Polizisten, Zollbeamte, unbeteiligte Dritte die zufällig im Wege waren) spielen bis heute in der Diskussion der Linken bis heute so gut wie keine Rolle.

  2. 2 Kosher 24. Oktober 2007 um 22:37 Uhr

    Brüderle geht es auch um die Familien des Fahrers und der beiden Polizisten, die bei der Entführung erschossen wurden, du „Geschichts“-Honk.

  3. 3 crull 25. Oktober 2007 um 15:05 Uhr

    Wagner sprach von der Entführung Schleyers, nicht von der Ermordung der von euch aufgezählten Anderen. Leseschwäche?

  4. 4 Kranz 25. Oktober 2007 um 22:56 Uhr

    Und Brüderle sprach von den Familien der Opfer. Der Fahrer und die Leibwächter waren keine Opfer der RAF? Wenn von Opferfamilien die Rede ist waren sie nicht gemeint? Wieso das?

    Ohne die Ermordung der Leibwächter wäre die Entführung Schleyers wohl nicht möglich gewesen; und wenn sie nach Wagner „aus heutiger Sicht richtig“ ist, war es deren Tötung wohl auch, ihr linken Trottel.

  5. 5 crull 27. Oktober 2007 um 17:21 Uhr

    Brüderle antwortet auf Wagners Äußerungen, versteht diese nicht und redet von was anderem. Darauf mache ich aufmerksam, mit der Folge, daß du Wagner vorwirfst, etwas gesagt zu haben, das Brüderle zu hören gemeint hat. Postmoderne Verwirrung oder eben doch nur der schlechte Versuch, Denunziation zu betreiben?

  6. 6 crull 27. Oktober 2007 um 17:57 Uhr

    Man lese selbst, daß Kranz und Brüderle interessiert etwas in Wagners Aussagen hineinlesen, das dort gar nicht steht:

    „In der Zeit vor 1977 hatte die Befreiung der bedrohten Genossinnen und Genossen absolute Priorität. Sie saßen in den toten Trakten, und die ersten waren schon umgebracht worden: Holger Meins, Siegfried Hausner, Ulrike Meinhof. Die Situation brannte uns unter den Nägeln. Für uns war klar: Die Gefangenen zu befreien war unser wichtigstes und nächstes Ziel. Einerseits waren sie existentiell bedroht, andererseits, klar, wir wollten sie auch draußen haben. Es ist unverzichtbar für eine Guerillabewegung, auch Aktionen mit dem Ziel durchzuführen, Gefangene zu befreien. Und wir haben uns natürlich immer wieder gefragt, was konkret machen wir, was macht politisch Sinn?
    Manche Ergebnisse unserer Überlegungen bleiben auch aus heutiger Sicht richtig. Wie die Entscheidung, Hanns Martin Schleyer zu entführen. Der wurde mit seiner SS-Geschichte als Wehrwirtschaftsführer in besetzten Gebieten und seiner aktuellen Funktion als Aussperrer und Präsident des Unternehmerverbandes ja nicht zufällig ausgesucht. Und gerade an ihm hätten wir unsere Analyse und Politik vermitteln können. Also die historische Kontinuität, für die er stand beispielsweise. Das geschah nicht. Statt dessen wurde aus diesem Politikum einfach zuwenig gemacht. Er war Gefangener, und das war es schon. Es gab überhaupt keine politische Erklärung, sondern lediglich die Forderung nach Austausch von Personen, dann wieder eine Warnung an die Bundesregierung sowie Texte, die Schleyer geschrieben und gesprochen hat. Aber nichts von uns selbst.“

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