Ayaan Hirsi Ali – Ich klage an. Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen.

Ab und an liest man ja gerne mal ein Buch, von dem man schon im Voraus weiß, wie schrecklich man es finden wird, um im Nachhinein dann über die Argumente zu verfügen, die beim vorherigen Ablehnen des Buchs noch gefehlt haben. So also in diesem Fall. Wie man’s geahnt hat, so ist es dann auch: AHA stellt den total voll guten, aufgeklärten westlichen Liberalismus gegen den barbarischen, irrationalen und halt voll bösen Islam, erzählt zwischendurch von ihrer ersten Beziehung, der Barfüßigkeit ihrer Mutter und ihrem Parteiwechsel und liest sich aus gleichermaßen stilistischen wie eigentlich doch mehr inhaltlichen Gründen furchtbar. Wer durchhält, wird belohnt mit der kaum atemberaubenden Erkenntnis, daß auch und gerade eine aufrechte Verteidigerin der imperialistischen ratio klingt, als wäre sie (oder ihr Lektorat oder der Übersetzerverbrecher, man weiß es nicht) recht sehr dumm und, hier vielen Dank dem Weltgeist für diese Ironie, nicht in der Lage, vernünftig zu argumentieren. Denn warum der Islam nun so „rückständig“ ist und ob das überhaupt stimmt, erfährt man selbstverständlich nicht, es handelt sich schließlich um lupenreine Propaganda, die nicht bloß zufällig klingt wie der altbekannte Mist westlicher Kulturkrieger von Broder über Wertmüller bis hin zum Parlamentsgesocks.

ika


3 Antworten auf “Ayaan Hirsi Ali – Ich klage an. Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen.”


  1. 1 crull 24. Oktober 2007 um 16:19 Uhr

    Ein wunderbar entlarvendes Zitat der ach so menschenfreundlichen Hirsi Ali, aus oben besprochenem Buch:

    „Die hier beschriebene Kultur [gemeint ist der Islam; crull] ähnelt stark dem von Jan Romein entwickelten Konzept des Algemeen Menselijk Patroon (AMP) (Allgemeines menschliches Grundmuster). Van der Loo und van Reijen fassen die wichtigsten Elemente des AMP wie folgt zusammen: Es ist ein Muster, das wir mit Ausnahme der modernen in allen Gesellschaften vorfinden. Der Mensch fühlt sich als Teil der Natur. Er will sie nutzen, ist aber nicht von der Vorstellung besessen, ihre Geheimnisse erforschen zu müssen. Der AMP-Mensch hat eine bestimmte Denkweise, nämlich konkret, in Bildern, und nicht abstrakt, in Begriffen. Die vielen Unsicherheiten, mit denen er zu kämpfen hat, implizieren, daß die bewußte Organisation und Planung einen viel weniger prominenten Platz einnimmt, als wir es gewohnt sind. Obrigkeit und Autoritäten sind im AMP absolut und unantastbar. Den Autoritäten kann man sich nicht straflos widersetzen. In diesem Muster ist Arbeit schließlich kein Segen, sondern ein Fluch und eine Last, Nichtstun dagegen ein von vielen begehrter, doch nur wenigen vorbehaltener Luxus.“

  2. 2 Kranz 24. Oktober 2007 um 22:28 Uhr

    Was ist daran entlarvend?

  3. 3 crull 30. Oktober 2007 um 18:23 Uhr

    Lieber Kranz, das fragst du mit Recht. Es ist ja eine Unart, Zitate für sich sprechen lassen zu wollen, statt die in ihnen enthaltenen Behauptungen zu kritisieren.
    Also: Dem Islam wird erstmal unterstellt, er wäre vormodern, weil irgendwelche Forscher angeblich ein Muster vormoderner Gesellschaften entdeckt hätten, das auf den Islam auch noch passen soll. Das erkennt man dann daran, daß Moslems nicht in Begriffen, nur in Bildern denken können, daß sie nicht gescheit planen und organisieren können und sich die „Obrigkeit“ als „unantastbar“ vorstellen.
    Moslems denken jedoch so wie jeder andere auch in Begriffen, das ist eben so und keiner weiteren Kritik würdig. Planen können sie auch, da gibt’s unzählige Beispiele. Und die Geschichte mit der Obrigkeit ist sowieso absurd, denn wer sich einem noch so liberalen Staat widersetzt, kommt halt ins Gefängnis und aus. Nicht zuletzt deswegen tun das die meisten Bürger erst gar nicht, sie haben berechtigterweise Angst vor dem absoluten Gewaltmonopol, dem man sich „nicht straflos widersetzen“ kann.
    Ihr Lob der Arbeit ist dann schlußendlich einfach ekelhaft. Arbeit ist scheiße, soviel sollte jeder (richtig) denkende Mensch begriffen haben (wenn nicht: Marx lesen hilft). Der Witz an der ganzen Geschichte ist aber folgender: Hirsi Ali konstruiert ein islamisches Kollektiv, das sich dadurch auzeichnet, in allen Belangen schlechter zu sein als der Rest der Welt. Der Moslem an sich kann nicht richtig denken, ist unterwürfig und faul noch dazu.
    Mit 6 Worten: Hirsi Ali ist eine rassistische Hetzerin.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.