Archiv für Mai 2007

Lauter Gestörte

Was hat die Bahamas an Staatschefs auszusetzen? Daß sie geisteskrank sind oder vorspielen, es zu sein:

Seit je ist es eine besonders perfide Technik der Machtausübung, es ganz demokratisch der Fantasie der Untertanen zu überlassen, sich auszumalen, wozu der Herrscher im Zweifelsfalle fähig wäre. Und auch auf internationaler Ebene zeitigt der Touch des Verrücktseins bisweilen beachtliche Erfolge. Was den Herrschern irgendwelcher Drittweltdiktaturen an ökonomischer und militärischer Potenz fehlt, versuchen sie nur allzu oft durch jene Form der Unberechenbarkeit wettzumachen, die die führenden Nationen dazu zwingt, weit reichende Zugeständnisse zu machen. Zuletzt hat dies der Fall Nordkorea eindrucksvoll bewiesen.

Aber sind es nicht Leute wie die Bahamiten, BILD-Redakteure und andere Verkehrtdenker, die diesen „Touch des Verrücktseins“ immer wieder entdecken müssen, weil sie keine Ahnung haben (wollen), wie eine richtige Kritik aussieht? Ja. Oder sie sind Psychotiker, die man in Zwangsjacken und Gummizelle stecken sollte…

Mahatmahitler

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King Of Queens

Fernsehen vermag in seinen besten Momenten Glück zu erzeugen. Nämlich dann, wenn der Versuch, die Zuschauer noch mehr von dem zu überzeugen, was sie bereits meinen zu sein, gelingt. In meinem Fall ist das so bei King Of Queens. Denn ich halte mich für eine sympathische Mischung aus Doug Heffernan und Arthur Spooner. Ich esse gerne, bin verschroben und wäre ich mal in einem kommunistischen Sommercamp gewesen, so wäre das zweifelsohne die beste Zeit meines Lebens gewesen, so wie für Arthur.

king of queens

Weg von meinen Befindlichkeiten, hin zur materialistischen Analyse der Serie: Das Zentrum bildet das zutiefst bürgerliche Ehepaar Doug und Carry, er ist Fahrer für ein Lieferunternehmen vergleichbar UPS, sie ist Sekretärin in einem Anwaltsbüro. Geplagt werden sie weniger von ihrer Arbeit als von Carrys Vater Arthur Spooner, der den Keller ihres Haues bewohnt. Allein die Tatsache, daß sie ein Haus besitzen und immer mal wieder in Geldnöte geraten, ohne daß ihr Lebensstandard jemals sich ändern würde, macht die erste Lüge aus: Der Kapitalismus ist nichts schädliches, er kommt bloß als angedeutete Basis für verschiedene amüsante Geschichten vor. Der objektive Klassengegensatz etwa führt nicht zu revolutionären Bestrebungen, sondern zu Dougs Bemühen, Carrys Bosse mit erfundenen Bergsteigererlebnissen auf dem Mount Everest zu beeindrucken. Auch das Lumpenproletariat darf mit Spence und Holly auftreten: Sie geht für Geld mit Hunden und Arthur spazieren, er verkauft Fahrkarten für die U-Bahn. Ihre Existenz erweckt kein Mitleid, stattdessen dienen sie abwechselnd als Zielscheibe gemeiner Witze oder als suspekte Objekte, von denen man sich tunlichst abzugrenzen hat, um seinen eigenen höheren gesellschaftlichen Status zu halten. Ähnlich sieht es mit Rassismus und Sexismus aus: Schwarze können gute Freunde sein, aber sie werden stets als Schwarze begriffen; Frauen sind dementsprechend dafür da, die weibliche Rolle zu erfüllen, bei Männern ist es genauso. Einen Störfaktor jedoch gibt es: Dougs anstrengender Schwiegervater Arthur versucht sein Leben so gut wie möglich zu genießen, ohne arbeiten zu müssen. Ab und an äußert er sogar Sympathien für Kommunistisches oder ähnlich Weltfremdes und sobald seine Wünschen nicht erfüllbar sind, resigniert er nicht, sondern schreit seine Frustration heraus. Er sollte also uns allen ein Vorbild sein!

Do you know the answer?

Wie war Hitler möglich?

[aus dem Klappentext von Ian Kershaws Hitler-Biographie, Band 1]

K.I.Z.

Die beiden besten Alben der letzten Jahre, die zudem nicht tothörbar sind, stammen unbestreitbar beide von den großartigen Künstlern Im Zuchthaus Tarek, Craft, Euro und Maxim. Nächsten Monat müsste dann bereits das dritte beste Album erscheinen.
Ick freu mir!
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Hurensohn!