Punk

In der Jungle World fand oder findet eine Diskussion darüber statt, was Punk und ob das dann überhaupt noch lebendig ist. Das ist mir recht egal, aber da mein Alltag, glaube ich, und aber ganz sicher mein Musikgeschmack von Punk beeinflußt ist, gebe ich eine persönliche Einschätzung dazu ab.
Eine genaue Definition, was man unter Punk zu verstehen hat, beißt sich mit meinem eigenen Verständnis und wäre sowieso kaum zu leisten. Daher beschränke ich mich auf die Wiedergabe einiger selektiver Eindrücke. Punk ist verkommen zur Rechtfertigung völligen Stumpfsinns und teils selbstverschuldeter Langeweile. Schwer, den Unterschied im Verhalten zu bestimmen zu anderen jugendlichen auf der Straße anzutreffenden Gruppen – die Polizei schafft es erstaunlicherweise trotzdem immer – bzw. zur schlafmittelsüchtigen Mittvierzigerin ohne Ideen. Der Dresscode ist so wenig provozierend wie überraschend. Kreativität sieht anders aus. Politisch ist es nicht besser bestellt um die Punker, man ist zwar gegen Faschos, Bullen und Nazis (schon löblich), erzreaktionäre Oi-Skins werden dennoch geduldet bis fröhlich in den eigenen Reihen begrüßt. Da wundert’s dann auch nicht, wenn Bezeichnungen wie „Mongo“ und „Spast“ mit zu den meistgebrauchten Beleidigungen zählen. Über allem steht eine unheimliche Naivität, die verzweifeln lassen könnte, wäre man mit Herzblut an der gar nicht existenten, höchstens eingebildeten Szene beteiligt.
Was sollte man sich also dafür interessieren?
Diese Frage beantworte ich vielleicht ein andermal ausführlich, nur soviel: Es sind doch einige Menschen darunter, auf die alles oben Gesagte nicht zutrifft. Und tatsächlich ist es immer wieder interessant, wie eine kleine Gruppe etwas anders aussehender Nicht-Mehr-Kinder und Noch-Nicht-Erwachsener den in der Gesellschaft vollständig aufgegangenen Robotniks und Scheinbewahrern den Angstschweiß in ihre gutbürgerlichen Tätervisagen zu treiben vermag. Sie geraten in Panik, wählen 110, suchen händeringend nach Lösungen für das gar schreckliche Punkerproblem, drohen mit Schlägen und schlagen und sind alles in allem jedenfalls für den Moment aus dem Konzept gebracht. Nein, das hat nun nichts mit Revolution, auch nichts mit einem irgendwie besseren Leben zu tun, aber es zeigt dennoch auf, wodurch das Bestehende zusammengehalten wird: Gewalt, Gewalt, Zwang und nochmal Gewalt. Sollten die Jungpunker das verstehen, so hat Punk sogar noch 2006 zur Aufklärung über die gesellschaftliche Realität beigetragen.

PS: Hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf den Text Die Gewalt des Rechts.

PPS: Was ich selbst unter Punk verstehe, wenigstens derzeit: Weiße Sneaker, K.I.Z., schlaue Sachen lesen.


4 Antworten auf “Punk”


  1. 1 tenpounds 19. Oktober 2006 um 11:33 Uhr

    Für mich ist Punk nach wie vor eine konsequent antiautoritäre Geisteshaltung. Nicht mehr und nicht weniger. Und besser dumme Jungpunker als Nachwuchsburschenschaftler, oder?

  2. 2 crull 19. Oktober 2006 um 15:43 Uhr

    Keine Frage, natürlich ist mir das lieber. Mir ging es hier übrigens, wie hoffentlich erkennbar ist, nicht um eine Abkanzelung von außen, sondern vielmehr um eine Kritik als irgendwie Involvierter.

  3. 3 fitzcarraldo 19. Oktober 2006 um 16:18 Uhr

    euer gelaber ist auf jeden schon mal voll UNPUNK!!!!
    punks undead, aller!

  4. 4 tenpounds 19. Oktober 2006 um 17:32 Uhr

    Hast ja Recht. Und, hoffentlich, ’ne Mark?

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